Besuch im Freibad

Badesaison startet: Warum sollte man nicht ins Becken pinkeln?

Start der Badesaison 2022: Am 1. Mai öffneten in Nordrhein-Westfalen vielerorts wieder die Freibäder.

Manch einem ist der Weg zu den Toiletten einfach zu lang. Auch wenn es kaum jemand zugeben würde: Viele Menschen pinkeln im Freibad einfach ins Becken. Dass es sich dabei nicht um ein Gerücht handelt, konnte eine Studie kanadischer Forschender von 2017 zeigen. Diese hatten drei Wochen lang 31 Schwimm- und Thermalbäder untersucht und fanden ausnahmslos in jedem davon Urinspuren.

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Ihren Hochrechnungen zufolge enthielten große 50-Meter-Becken dabei durchschnittlich 75 Liter Urin und kleine 25-Meter-Becken durchschnittlich 30 Liter Urin. Das hört sich extrem unappetitlich an – ergibt aber letztendlich nur etwa einen Liter Urin auf 11.000 Liter Wasser. Zudem ist Urin in der Regel ungiftig. Keime, die möglicherweise mit dem Urin ins Wasser gelangen, werden durch die Reinigungsmittel im Wasser unschädlich gemacht. Trotzdem sollte man das Urinieren ins Becken besser unterlassen.

Urin und Chlor im Freibad: keine gute Mischung

Denn der im Urin enthaltende Harnstoff reagiert mit dem Chlor, das in den Mitteln zur Desinfektion des Wassers enthalten ist. Dabei entstehen Chloramine – chemische Verbindungen, die Augen und Atemwege reizen können. Eine zu hohe Konzentration der Chloramine kann Husten, Niesen und Hautausschläge auslösen und bei Asthmatikern und Asthmatikerinnen sogar zu Asthmaanfällen führen.

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Dabei reagieren nicht nur Urin, sondern auch Schweiß und Schmutz mit den Reinigungsmitteln und führen zur Bildung von Chloraminen. Nach einem Artikel, der in den „Chemical & Engineering-News“ erschienen ist, könnte Schmutz, der über die Haut der Badegäste ins Wasser gelangt, sogar genauso stark wie Urin zur Bildung der chemischen Produkte beitragen. Das ist einer der Gründe, warum empfohlen wird, sich vor dem Baden zu duschen. Umgekehrt gilt: Wer ungeduscht ins Wasser springt, sorgt genauso für schlechtere Wasserqualität wie jemand, der hineinpinkelt. Am besten ist es also, vor dem Baden nicht nur die Toilette aufzusuchen, sondern sich auch mindestens eine Minute lang unter die Dusche zu stellen.

Ins Meer pinkeln ist eine andere Sache

Ein Gerücht ist übrigens, dass manche Schwimmbäder dem Wasser Substanzen zusetzen, die Urin sichtbar machen, sobald jemand ins Becken pinkelt. Zwar wurde das von den kanadischen Forschenden ins Spiel gebracht, die die Wasserqualität untersucht hatten: Ein farbiger Marker für Urin könne helfen, die Wasserqualität besser zu kontrollieren, schlugen sie vor. Angewendet werden solche Methoden aber auch deshalb nicht, weil inkontinente Menschen, die versehentlich ins Wasser urinieren, nicht bloßgestellt werden sollen.

Übrigens ist der Uringehalt in Freibädern deutlich geringer als in Thermalbädern, wo das warme Wasser offenbar manche Badegäste anregt, sich ins Becken zu entleeren, wie aus der kanadischen Studie hervorgeht. Im Sommer besteht daher nicht die höchste Verunreinigungsgefahr. Ohnehin verbringen viele ihren Sommerurlaub am liebsten am Meer. In diesem Fall ist es völlig in Ordnung, ins Wasser zu pinkeln und schadet keinesfalls der Umwelt, so die American Chemical Association.

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Denn im Meer befindet sich kein Chlor. Aufgrund der gewaltigen Wassermassen hat der Urin keine besondere Auswirkung auf das Meer. Und mit dem Harnstoff, neben Wasser dem wichtigsten Bestandteil des Urins, gelangt nichts in die Ozeane, was nicht ohnehin schon enthalten wäre. Denn schließlich machen auch Meerestiere ins Wasser: Große Wale können fast 1000 Liter Urin pro Tag produzieren.

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