Empfänger starb vor zwei Monaten

Forschende entdecken Tiervirus im erstmalig transplantiertem Schweineherz

Ärzte operieren an einem Schweineherz. das in einen menschlichen Patienten eingesetzt wird.

New York. Forschende haben im Transplantationsorgan des Empfängers des ersten zum Menschen transplantierten Schweineherzens ein Tiervirus gefunden. Der 57-jährige David Bennett war am 8. März etwa zwei Monate nach der experimentellen Transplantation in Baltimore (USA) gestorben. Die Forscherinnen und Forscher, die herausfinden wollen, was ihn tötete, sagten, sie wüssten noch nicht, ob das Virus bei seinem Tod eine Rolle spielte.

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Die Ärztinnen und Ärzte des zuständigen Klinikums der Universität von Maryland sprachen am Donnerstag von viraler DNA in dem Schweineherz. Sie hätten jedoch keine Anzeichen dafür gefunden, dass das Porcine Cytomegalievirus eine aktive Infektion verursachte. Eine große Sorge bei Transplantationen vom Tier zum Menschen ist jedoch das Risiko, dass diese neue Arten von Infektionen bei Menschen verursachen könnten. Weil einige Viren „latent“ seien, was bedeute, dass sie sich versteckt hielten ohne eine Krankheit zu verursachen, „könnte es ein Anhalter sein“, sagte Dr. Bartley Griffith, der Chirurg, der die Transplantation vornahm, der Nachrichtenagentur AP.

Tests sollen Viren künftig erkennen

Es werde aber an ausgefeilteren Tests gearbeitet, „um sicherzustellen, dass wir diese Art von Viren nicht übersehen“, fügte Dr. Muhammad Mohiuddin hinzu, der wissenschaftliche Direktor des Xenotransplantationsprogramms der Universität. Als Xenotransplantation wird nach Angaben des Deutschen Referenzzentrums für Ethik in den Biowissenschaften die Übertragung von funktionsfähigen Zellen, Geweben oder Organen zwischen verschiedenen Spezies bezeichnet, insbesondere von Tieren auf den Menschen.

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Über das Tiervirus hatte zuerst das Magazin „Technology Review“ des Massachusetts Institute of Technology berichtet. Es berief sich auf eine Präsentation von Griffith für die Amerikanische Gesellschaft für Transplantation im April.

Empfänger lag vor der Transplantation im Sterben

Seit Jahrzehnten versuchen Ärztinnen und Ärzte, tierische Organe eines Tages für lebensrettende Operationen zu verwenden. Bennett, ein Handwerker aus Hagerstown in Maryland, wurde nur deshalb zum Kandidaten für die Operation, weil dem Sterbenskranken andernfalls der sichere Tod gedroht hatte. Nach der Operation am 7. Januar hatte sein Sohn der Nachrichtenagentur AP gesagt, sein Vater habe gewusst, dass es keine Erfolgsgarantie für das Experiment gebe. Aber er habe im Sterben gelegen, ohne Aussicht auf Transplantation eines menschlichen Herzens.

Frühere Versuche ähnlicher Transplantationen waren gescheitert, insbesondere weil die Körper der Patientinnen und Patienten Tierorgane rasch abstießen. Dieses Mal hatten die Chirurginnen und Chirurgen das Herz eines genetisch veränderten Schweins genutzt. Zunächst funktionierte das Ersatzorgan ‑ und Bennett schien sich Angaben des Krankenhauses zufolge langsam zu erholen. Die Firma Revivicor, die das Schwein beisteuerte, lehnte es ab, Stellung zu nehmen.

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Patient zeigte Anzeichen einer Infektion

Griffith sagte, sein Patient habe sich trotz seiner schweren Krankheit recht gut von der Transplantation erholt. Eines morgens sei er dann mit verschlechtertem Zustand aufgewacht ‑ mit Symptomen, die einer Infektion ähnelten. Er erhielt eine Reihe von Antibiotika, antivirale Arzneien und eine immunstärkende Behandlung. Das Schweineherz schwoll jedoch an, war mit Flüssigkeit gefüllt und versagte schließlich den Dienst.

RND/AP

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