Co-Abhängigkeit: Wie eine Sucht die Beziehung für immer zerstören kann

Mann umarmt Frau, die eine Bierflasche hält.

Nicht selten kommt es bei Suchtproblemen zu einer Co-Abhängigkeit des Partners.

Ein Thema in unserer Gesellschaft, und damit natürlich auch in der Paartherapiepraxis, sind Suchtmittel. Die Frage, ob jemand eine Sucht hat, gehört für mich daher bei der ersten Sitzung seit jeher dazu, selbst wenn man darauf oft nicht die Antwort bekommt, die man gern hätte.

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Wenn eine Paartherapie zum Beispiel nicht vorangeht, gibt es in der Regel drei Gründe: Einer will gar nicht mehr, es gibt eine geheime Affäre oder es gibt ein nicht erkanntes Suchtproblem. Die Sucht ist durchaus ähnlich wie eine Affäre – sie ist oft wie eine heimliche Geliebte, das dritte Objekt in der Beziehung.

Süchte halten Emotionen in Schach

Natürlich haben wir alle unsere kleinen Süchte, aber die Auswirkungen sind je nach Suchtmittel sehr unterschiedlich. Es hat sich beispielsweise noch nie jemand über Kaffeesucht beschwert. Auch Nikotin fällt eigentlich selten ins Gewicht. Obwohl es manchmal schon damit los geht, dass jeder intime Moment unterbrochen wird, um „mal eben vor die Tür zu gehen“. Zudem eignet sich Nikotin genauso wie andere starke Suchtmittel durchaus dafür, bestimmte Emotionen in Schach zu halten – das ist oft der Sinn der Sucht. Dieses Unterdrücken von Emotionalität macht uns emotional unverfügbarer, unauthentischer und schadet damit dem engen Kontakt in Beziehungen.

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Das Thema Alkohol ist mit Scham besetzt

Das Hauptthema in meiner Praxis war aber vor allem die Volksdroge Alkohol. Es wird in breiten Schichten gern getrunken und der Übergang von verantwortungsvollem Konsum über kritischen Konsum zur wirklichen Sucht ist enorm dehnbar. Zudem ist das Thema für beide Partner häufig mit Scham besetzt. Ich habe mir angewöhnt, von einem problematischen Konsum auszugehen, wenn das Wort Alkohol oder entsprechende Getränke im Vorgespräch direkt genannt werden.

Man spricht bei diesem Retterkomplex mit mangelnder Berücksichtigung der eigenen Bedürfnisse auch von Co-Abhängigkeit.

Meiner Erfahrung nach ist eine Paartherapie bei einem ausgewachsenen Alkoholproblem als alleinige Maßnahme nicht sinnvoll. Das Suchtproblem dämpft alles ab, was man für eine Entwicklung der Beziehung braucht. Und nicht nur das, das Schadpotenzial von Alkohol für Beziehungen ist gewaltig. Streits arten völlig aus, der Respekt geht verloren, und die Liebe stirbt oft einen langsamen Tod.

Oft entsteht eine Co-Abhängigkeit

Diejenigen, die den Partner retten wollen, müssen mit der Zeit feststellen, dass das nicht funktioniert, wenn der andere nicht mitzieht. Ganz im Gegenteil unterstützt dies paradoxerweise oft noch die Sucht. Man spricht bei diesem Retterkomplex mit mangelnder Berücksichtigung der eigenen Bedürfnisse auch von Co-Abhängigkeit.

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Meiner Erfahrung nach ist eine Paartherapie bei einem ausgewachsenen Alkoholproblem als alleinige Maßnahme nicht sinnvoll.

Neben den Auswirkungen des Substanzmissbrauches an sich ist auch das ständige Angelogenwerden eine Sache, die eine Beziehung total aushöhlt, selbst wenn der andere weiß, dass das zur Sucht dazu gehört. Besser wird es ebenfalls nicht, wenn beide Partner ein Problem mit der gleichen Droge haben.

Unterstützung findet man bei Beratungsstellen

Aber auch ohne einen Sucht-„Stoff“ kann eine Sucht gravierende Auswirkungen haben – zu nennen wäre hier zum Beispiel die Spielsucht, mit oft schwerwiegenden Folgen für Paare. Auch Esssüchte sind weit verbreitet und ein schwerwiegendes Problem in Beziehungen. Die Palette ist groß, es lassen sich hier nur schwer alle Süchte aufzählen.

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Wenn man sieht, dass ein Partner langsam aber sicher in eine Sucht abrutscht, sollte man nicht zögern, sich Unterstützung und Rat zu holen – zum Beispiel bei einer Beratungsstelle. Ansonsten wird die Beziehung womöglich einen nicht wieder herstellbaren Schaden nehmen.

Der Autor und seine Kurse sind zu erreichen über www.liebeschip.de. Sein Buch „Der Liebescode“ (Luther Verlag) ist 2019 im Handel erschienen.

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