Bis zu 40 Grad wärmer als üblich

Hitzewelle in der Antarktis: nur ein „äußerst unwahrscheinliches“ Ereignis?

Eis, so weit das Auge reicht: Im Winter liegen die Durchschnittstemperaturen im Landesinneren der Antarktis bei bis zu minus 70 Grad Celsius, an der Küste können im Sommer auch Werte rund um den Gefrierpunkt erreicht werden.

Minus 10 Grad zeigte das Thermometer vergangene Woche am „Dome C“, einem 3200 Meter hohen Eisdom in der Antarktis an. Das klingt kalt. Aber eigentlich war es an dem Ort in der Ostantarktis, der offiziell Dome Charlie heißt und auch als Dome Concordia bekannt ist, viel zu warm. Normalerweise liegen die Temperaturen zu dieser Jahreszeit dort bei etwa minus 50 Grad Celsius, also rund 40 Grad niedriger.

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Auch an der russischen Forschungsstation Wostok wurden am vergangenen Freitag minus 17 Grad Celsius gemessen. Normalerweise ist es dort im März zwischen minus 53 und minus 61 Grad Celsius kalt. Der Osten der Antarktis erlebt nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) zurzeit eine „außergewöhnliche und beispiellose Hitze“.

Hohe Temperaturen auch in der Arktis

Doch nicht nur am Südpol war es zuletzt ungewöhnlich warm. Auch in der Arktis wurden in der vergangenen Woche hohe Temperaturen gemessen, sie lagen teilweise bis zu 30 Grad Celsius höher als normalerweise im März. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen führen das auf einen Wirbelsturm zurück, der sich an der Ostküste der USA gebildet und warme Luft über den Atlantik Richtung Grönland geschickt hatte. Die Erwärmung der Arktis beobachten Forschende seit Jahren mit Sorge. Immer wieder werden Hitzerekorde gemessen. Erst im Dezember hatte die WMO einen Temperaturrekord in Werchojansk (Sibirien) von 38 Grad anerkannt. Er wurde am 20. Juni 2020 gemessen.

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In der Antarktis, die als der kälteste Kontinent gilt, sind Hitzewellen jedoch ungewöhnlicher. Die außergewöhnlichen Unregelmäßigkeiten in der Antarktis hätten zu einem historischen Rekord geführt, schrieb Maximiliano Herrera am vergangenen Freitag auf Twitter. Der Klimatologe beobachtet das Wetter weltweit und teilt besondere Phänomene unter anderem auf seinem Twitter-Account „Extreme Temperatures Around The World“.

Forschende überrascht vom Temperaturanstieg

Die Hitzewelle in der Antarktis verändere den Blick darauf, was für ein Wetter in der Antarktis möglich sein könnte, schrieb der französische Wissenschaftler Jonathan Wille. Gegenüber der „Washington Post“ verglich er den Temperaturanstieg in der Antarktis mit der Hitzewelle, die im vergangenen Juni auf Nordamerika getroffen war. Damals lagen die Temperaturen an der Pazifikküste über mehrere Tage bei mehr als 40 Grad Celsius.

Wille lieferte auch eine Erklärung für den Temperaturanstieg: Ein extremer sogenannter atmosphärischer Fluss, also ein Strom von feuchter Luft am Himmel, habe die Wärme in die Region transportiert. Der atmosphärische Fluss habe eine große Menge an Regen abgeworfen.

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Durch einen Sturm habe sich die Feuchtigkeit über der Antarktis verteilt. Die Feuchtigkeit habe die Temperaturen gehalten, Wolken hätten zusätzlich dafür gesorgt, dass die Wärme auf die Oberfläche abstrahlte, erklärte er der „Washington Post“.

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Die hohen Temperaturen haben Modellen zufolge teilweise Eisschmelzen ausgelöst, was sehr untypisch für die Region sei, erläuterte Wille. Rückschlüsse, dass die Region nun dauerhaft davon betroffen sei, könne man jedoch nicht ziehen. Problematisch werde es lediglich, wenn sich dieses einmalige Vorkommnis nun regelmäßig wiederhole.

„Mit diesem Ereignis müssen die Rekordbücher und unsere Erwartungen, was in der Antarktis möglich ist, neu geschrieben werden“, twitterte Robert Rhode vom Umweltdateninstitut Berkley Earth. „Handelt es sich einfach nur um ein äußerst unwahrscheinliches Ereignis, oder ist es ein Zeichen dafür, dass noch mehr passieren wird? Im Moment weiß das niemand.“

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Temperaturen sinken wieder

Inzwischen haben sich die Temperaturen in der Antarktis wieder normalisiert. Am Dienstag wurden für die Wetterstation Wostok Temperaturen zwischen minus 42 und minus 52 Grad Celsius angegeben. Für den Dome C liegen sie bei etwa zwischen minus 33 und minus 39 Grad – für die kommenden Tage werden wieder Werte um minus 50 Grad Celsius vorhergesagt.

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