Rückversicherer vor großen Problemen

Versicherungsrisiken im Krieg: „Alles hochgradig unsicher“

Russische Airlines fliegen oft westliche Leasingflugzeuge. Hier der Typ Airbus A321 der Fluggesellschaft Aeroflot.

Russische Airlines fliegen oft westliche Leasingflugzeuge. Hier der Typ Airbus A321 der Fluggesellschaft Aeroflot.

München. Versicherer sind Profis im Abschätzen von Risiken. Im Fall des Kriegs in der Ukraine und dessen Auswirkungen ist aber auch Christoph Jurecka ratlos. „Es ist alles hochgradig unsicher“, räumt der Finanzvorstand des Rückversicherungsriesen Munich Re ein. Der hat im Auftaktquartal 2022 erste gut 800 Millionen Euro an Rückstellungen für Folgen des russischen Angriffskriegs gebildet. „Das kann aber nur der Anfang sein“, stellt Jurecka klar.

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Das Gros der Summe entfällt mit 700 Millionen Euro auf Abschreibungen für russische und ukrainische Staats- sowie Firmenanleihen. Staatsanleihen seien auf etwa ein Fünftel ihres Werts reduziert worden, Firmenanleihen weniger stark, verrät der Manager. Damit bleiben hier noch einige Hundert Millionen Euro Restrisiko. Das Hauptproblem aber liegt bei Flugzeugen.

Denn russische Fluggesellschaften haben ihr fliegendes Material größtenteils über westliche Flugzeugleasingfirmen angeschafft. Die haben wegen der gegen Russland verhängten Sanktionen die Leasingverträge gekündigt. Aber die russischen Airlines fliegen einfach weiter. Per russischem Sondergesetz wurde ihnen erlaubt, im Westen geleaste Passagierflugzeuge als Eigentum zu registrieren, statt sie an Leasingfirmen zurückzugeben. Betroffen sind Hunderte Maschinen, die im schlimmsten Fall zum größten Schadensfall der internationalen Luftfahrtversicherung aller Zeiten werden.

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Den Schaden geltend machen können westliche Leasinggesellschaften gegenüber Assekuranzriesen wie Munich und Swiss Re aber auch Allianz oder Hannover Re. Munich Re hat im ersten Quartal 2022 über die Abschreibungen auf Anleihen hinaus gut 100 Millionen Euro für Versicherungsschäden zurückgestellt. Leasingflugzeuge seien ein Teil davon, erklärte Jurecka. Wie groß das Drohpotential in dem Bereich für sein Haus ist, wagt er nicht abzuschätzen. Denn nicht nur der Kriegsverlauf sei unwägbar, sondern auch die juristische Würdigung des Problems.

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Kriegsschäden sind in der Regel nicht versichert

Eigentlich sind Kriegsschäden in Policen ausgeschlossen. Aber es gibt vor allem auch in der Luftfahrt Spezialdeckungen, die eben diese einschließen. Zudem ist umstritten, ob es Kriegsausflüsse sind, die den Schaden verursachen. Genau genommen waren es politische Sanktionsbeschlüsse des Westens. Ob die von Policen abgedeckt werden, ist strittig. „Das Vertragsrecht ist unklar“, sagt Jurecka zu dem Punkt und ist damit unter Versicherungsmanagern nicht allein. Jede Police für Leasinggesellschaften sei zudem anders formuliert und nicht immer leicht zu lesen, räumt der Munich-Re-Vorstand ein. Es herrsche extrem große Unsicherheit darüber, ob und in welchem Ausmaß westliche Leasingflugzeuge im aktuellen Fall von Policen abgedeckt seien.

Ratingagenturen wir Moody‘s und Fitch haben eine Abschätzung versucht und sind im schlimmsten Fall auf branchenweit 9,5 Milliarden Euro gekommen. So viel hätten Luftfahrtversicherer noch nie für ein Ereignis bezahlen müssen.

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Eine dritte Risikokomponente des Kriegs für Versicherer sind Cyberangriffe, für die noch niemand mögliche Schäden beziffert hat. Es gebe zwar Cyberkriegsklauseln, die Schäden durch staatliche Angriffe ausschließen, sagt Jurecka. „Es ist aber schwierig nachzuweisen, dass ein Cyberangriff kriegsbedingt war, weil man den Urheber selten genau kennt“, räumt der Manager ein. Derzeit bleibt sein Konzern beim Ziel, 2022 rund 3,3 Milliarden Euro Jahresüberschuss zu schaffen. 608 Millionen Euro waren es im Auftaktquartal. Aber was die nahe Zukunft bringt, weiß in dem Fall wohl nicht einmal Wladimir Putin.

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