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Die Baustellen des Tesla-Chefs

Der Twitter-Kauf wird für Elon Musk zur Nebensache

Tesla-Chef Elon Musk ist jetzt zurückhaltender hinsichtlich des Kaufs von Twitter.

Die Twitter-Übernahme schien für Elon Musk eine simple Sache zu sein. In aller Stille kaufte er sich bei der Plattform ein, bis er größter Aktionär war, legte dann ein Kaufangebot für das ganze Unternehmen vor und lieferte ein Finanzierungs­konzept – es sah aus wie ein Plan. Doch das Projekt geriet ins Stocken, es wurde sogar ausgesetzt, und der Milliardär zeigt nur noch mäßiges Interesse daran. Weniger als 5 Prozent seiner Zeit brauche er für den Twitter-Deal, verbreitete er jüngst.

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Die anderen 95 Prozent verteilen sich auf viele Themen. Da war am Freitag zum Beispiel ein Medienbericht, nach dem Musk eine Flugbegleiterin sexuell belästigt und ihr 2018 für ihr Schweigen 250.000 Dollar bezahlt haben soll. Musk weist das zurück: „Und, für die Akten, diese wilden Anschuldigungen sind absolut unwahr.“

Er hält Angriffe auf sich für politisch motiviert. In den vergangenen Tagen hat er in mehreren Tweets die Demokratische Partei von Präsident Joe Biden kritisiert und schließlich als „Partei der Spaltung und des Hasses“ bezeichnet. Er werde „weiter für eine gute Zukunft und euer Recht auf freie Rede kämpfen“, twitterte er – und künftig die Republikaner wählen.

Tesla-Chef Elon Musk legt Kauf von Twitter vorerst auf Eis

Unklar ist, ob der Tesla-Chef so einfach aus der Vereinbarung mit der Social-Media-Plattform aussteigen kann.

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Raus aus dem Nachhaltigkeitsindex ESG

Gleichzeitig wettert der Tesla-Gründer dagegen, dass die Aktie des Elektroauto­herstellers aus dem Nachhaltigkeits­index S&P 500 ESG geflogen ist. Die Prüfer machen soziale Kriterien geltend – das S in ESG (Environment, Social, Governance). Sie verweisen unter anderem auf Rassismusvorwürfe, Klagen über schlechte Arbeitsbedingungen und mangelnde Aufklärung von Unfällen mit dem Fahrassistenten „Autopilot“. Gleichzeitig landet der Ölkonzern Exxon Mobil allerdings auf den vorderen Rängen.

Auch die Twitter-Führung geht Musk frontal an: Er postete ein Bild, auf dem ihn der Vorstand als unliebsamen Zeugen erschießen will, weil er nach den tatsächlichen Nutzerzahlen der Plattform fragt. „Was, das sind alles Roboter?“, fragt ein Astronaut namens Elon. „Waren es immer“, sagt ein anderer mit der Aufschrift „Twitter-Board“ und richtet eine Waffe auf ihn.

Die sogenannten Bots hat Musk zum Schlüsselthema der Twitter-Übernahme erklärt. Damit sind automatisch erzeugte Tweets gemeint, hinter denen kein leibhaftiger Teilnehmer der Plattform steckt. Nach Twitter-Angaben machen sie weniger als 5 Prozent der Kurzbotschaften aus. Musk schätzt den Anteil sehr viel höher und will das Geschäft erst weiterverfolgen, wenn Twitter seine Angaben nachgewiesen hat.

Der Streit zeigt allerdings auch, dass der 50-Jährige das Unternehmen nicht intensiv unter die Lupe nehmen ließ, bevor er Twitter-Aktien im großen Stil kaufte und dann ein Angebot über 44 Milliarden Dollar für das gesamte Unternehmen abgab. Eine sogenannte Due-Diligence, die Wochen dauert und in solchen Fällen eigentlich zwingend ist, hat es nicht gegeben.

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Musk, Tesla und die Bots

Brisant ist das Thema auch deshalb, weil die Bots lange Zeit vor allem Tesla auf Twitter nach vorn gebracht haben sollen. Das „Manager-Magazin“ zitiert aus einer Studie der University of Maryland, nach der im großen Stil automatisch Tweets mit den Kernbotschaften des Autobauers verbreitet worden seien. „Klar ist: Das hat niemand getan, der gegen Tesla ist“, wird ein Autor der Studie zitiert, die dem Bericht zufolge Mitte Juni bei einem Kongress in Oslo vorgestellt werden soll.

Seit Musk die Übernahme vorläufig gestoppt hat, rätseln Beobachter, ob er damit den Preis drücken oder ganz aus dem Deal aussteigen will. In einer Konferenz sagte Musk, ein deutlich höherer Anteil von Bot-Accounts wäre eine schwerwiegende Abweichung von den Unternehmens­angaben – das würde ihm erlauben, sein Angebot zu ändern oder zurückzuziehen. Er selbst hat erklärt, dass er weiter interessiert sei.

Die Investoren in Musks größtem Unternehmen Tesla verfolgen das Projekt allerdings skeptisch. Sie fürchten, dass sich der Tesla-Schöpfer dadurch weniger um den Autobauer kümmern wird. Einen großen Teil seines Börsenwerts verdankt das Unternehmen dem Charismatiker an der Spitze. Außerdem wächst die Unsicherheit um seine Tesla-Beteiligung: Der Gründer müsste Aktien verkaufen oder verpfänden, um den Twitter-Kauf zu finanzieren.

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Skeptische Investoren

So gehen die Investoren auf Distanz. Ende vergangenen Jahres war die Tesla-Aktie steil auf mehr als 1200 Dollar gestiegen und das Unternehmen mehr als eine Billion Dollar wert. Inzwischen ist der Kurs auf unter 700 Dollar gefallen, allein seit Bekanntwerden der Twitter-Pläne ging es um knapp 40 Prozent abwärts. Damit hat Tesla im ohnehin schwachen Umfeld der Technologie­aktien noch weit überdurchschnittlich an Wert verloren.

Das ist auch für Musk heikel, denn sein Milliarden­vermögen steckt zum großen Teil in Tesla-Aktien. Er wird sie auch brauchen, um Kredite für den Twitter-Kauf abzusichern. Das wird mit schrumpfendem Wert deutlich schwieriger, denn die Finanzierungs­garantien der Banken hat er sich zu weit höheren Kursen geholt. In seinen vielen Twitter-Botschaften der vergangenen Tage betonte Musk deshalb immer wieder, dass seine volle Aufmerksamkeit Tesla gehöre: „Tesla is on my mind 24/7.“

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