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Aktienmärkte in Aufruhr

Russlands Krieg bremst Börsengang von Parship

Der Börsengang von Parship war für das zweite Quartal 2022 geplant. Nun wird er wegen des Kriegs gegen die Ukraine verschoben.

München. Eigentlich war alles perfekt vorbereitet für einen Börsengang des Geschäfts von Pro Sieben Sat.1 (P7S1) mit Datingplattformen im zweiten Quartal 2022. Dann aber hat Russlands Diktator Wladimir Putin die Ukraine überfallen lassen. Menschen sterben, die Börsen sind in Aufruhr.

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„Wir wollen den Plan nicht aufgeben, nur auf den richtigen Zeitpunkt warten“, erklärte P7S1-Chef Rainer Beaujean zur Bilanzvorlage in München das jetzige Aussetzen der Börsenpläne. Ob sie damit für das ganze Jahr vom Tisch sind, wollte er nicht einschätzen. Bei einer Vorbereitungszeit ab Startschuss von drei bis vier Monaten müsste der Krieg in der Ukraine aber bald enden, sollen die Börsenpläne nicht für länger auf Eis gelegt werden.

+++ Alle Entwicklungen zu Russlands Krieg gegen die Ukraine im Liveblog +++

Für die Münchner Sendergruppe, die an ihrer Dating-Gruppe Parship/Meet gut die Hälfte hält, ist das ein herber Rückschlag. Auf 4 bis 5 Milliarden Euro ist diese zuletzt von Fachleuten taxiert worden. Ob sich dieser Wert über den Krieg konservieren lässt, ist die Frage. Denn in der Pandemie war digitales Liebesleben mangels realer Kontaktmöglichkeiten gefragt wie nie.

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Das ändert sich gerade wieder. Der russische Überfall auf die Ukraine schweißt Menschen derzeit überall von Angesicht zu Angesicht zusammen. Es wird Schulter an Schulter demonstriert. Die Sonderkonjunktur für Onlinedating könnte auslaufen und damit der potenzielle Erlös eines Börsengangs sinken.

Schlecht für P7S1 sind Kriegszeiten auch, weil die Sendergruppe noch keine eigene Nachrichtenredaktion hat. Die soll erst Anfang 2023 starten, bekräftigte Beaujean. Informationen rund um den Krieg sind aber derzeit extrem gefragt. Fernsehzuschauerinnen und ‑zuschauer schalten dazu öffentlich-rechtliche Sender ein oder auch das private Konkurrenzangebot aus RTL und N‑TV, das ebenfalls mit eigener Nachrichtenredaktion ausgiebig über den Überfall auf die Ukraine berichtet.

Das könnte P7S1 Reichweite kosten. Zuletzt hatten Pro Sieben, Sat.1, Kabel 1 und die anderen Sender der Gruppe die Nase vorn. Auf 25,6 Prozent Marktanteil sei die Gruppe 2021 bei Zuschauerinnen und Zuschauern aller Altersgruppen gekommen, erklärte Beaujean. Die RTL-Privatkonkurrenz musste sich mit 23,2 Prozent begnügen. Ob der Abstand in Kriegszeiten gehalten wird, muss sich zeigen.

Schlechte Konjunktur wirkt sich auf Werbung aus

Alle werbefinanzierten TV-Gruppen in Deutschland könnten unter dem Krieg leiden, wenn dieser die heimische Konjunktur stärker in Mitleidenschaft zieht, was sich meistens auch auf die Werbebudgets negativ auswirkt. Auch deshalb steht P7S1 vor einer ungewissen Zukunft. Bislang habe man noch kein Einbremsen von TV-Werbekunden gespürt, meinte Beaujean vorsichtig optimistisch. Ob das so bleibt, kann auch er nicht wissen. Im Prinzip sind seine Pläne ehrgeizig und auf Wachstum ausgerichtet.

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Um 4 bis 5 Prozent sollen die Umsätze seines Konzerns künftig pro Jahr im Schnitt organisch wachsen – und das bei wachsenden Renditen. Voriges Jahr brachte er es auf über ein Zehntel mehr Umsatz auf 4,5 Milliarden Euro und einen um fast zwei Drittel höheren Nettogewinn von 362 Millionen Euro. Die TV-Werbemärkte hätten sich nach einem Tief durch die Pandemie schneller wieder erholt als erwartet, begründete Beaujean das Rekordjahr für seinen Konzern. 2021 ist auch besser gelaufen als 2019.

So schnell sich TV-Werbung erholt, so schnell kann sie sich aber auch eintrüben, wenn sich die allgemeinen Konjunkturwolken verdüstern. Für gutes Wetter sorgt der Krieg in der Ukraine derzeit wahrlich nicht. Die 2 bis 6 Prozent Umsatzwachstum, die Beaujean für 2022 bei konstantem Nettogewinn plant, sind deshalb auch mit großer Vorsicht zu genießen. Denn eventuelle Auswirkungen des Kriegs auf Werbeerlöse enthalten sie ausdrücklich nicht.

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