Unwetter: Wie die Versicherungen den Betroffenen helfen

Feuerwehrmänner machen auf einer Bank in der Gemeinde Schuld im Kreis Ahrweiler nach dem Unwetter und den Überschwemmungen eine Pause. Mindestens sechs Häuser wurden durch die Fluten zerstört.

Feuerwehrmänner machen auf einer Bank in der Gemeinde Schuld im Kreis Ahrweiler nach dem Unwetter und den Überschwemmungen eine Pause. Mindestens sechs Häuser wurden durch die Fluten zerstört.

Frankfurt am Main. Die Bilder sind schockierend. Eingestürzte Häuser, von Wassermassen eingeschlossene Gebäude, Tote und Vermisste. Die Unwetterserie im Westen der Republik ist eine der verheerendsten in der Geschichte Deutschlands. Für viele Betroffene sind die Folgen des Dauerregens katastrophal.

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Die Versicherungen helfen, aber vielfach werden damit bei weitem nicht alle Schäden beglichen. Einen universellen Schutz gibt es nicht. Zwar wird über die Hausratpolice ersetzt, was an beweglichen Gegenständen in Mitleidenschaft gezogen wurde: Möbel, Teppiche oder technischer Geräte. Beschädigungen an Autos übernehmen die Kfz-Kaskoversicherungen.

Und für Immobilienbesitzer gibt es die obligatorische Wohngebäudeversicherung. Diese ist aber nur für das zuständig, was durch Sturm, Hagel oder Blitzschlag am Gebäude zerstört wurde. Für weitere Naturgefahren etwa Starkregen und Hochwasser – wie jetzt in NRW und Rheinland-Pfalz – gilt dies allerdings nicht. Dafür braucht es die zusätzliche Elementarschadenversicherung. Sie übernimmt das Abpumpen und die Trockenlegung und – falls nötig – auch die Kosten für den Abriss und den Wiederaufbau des Hauses.

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Nur jedes zweite Gebäude ist gegen Starkregen versichert

Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wurden aber für nur knapp die Hälfte der hiesigen Wohngebäude (46 Prozent) die entsprechenden Verträge abgeschlossen. Deshalb empfiehlt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen dringend, dass Gebäudebesitzer ihren Versicherungsschutz überprüfen und anpassen sollten. All dies deutet darauf hin, dass viele der aktuell Betroffenen nur einen Teil der Schäden ersetzt bekommen.

Der Verband hat einen „Naturgefahren Check“ entwickelt: Über eine Onlineplattform kann man überprüfen, welche Schäden Unwetter in der Vergangenheit an am Wohnort verursacht haben. Das soll helfen, das individuelle Risiko einzuschätzen.

Den bundesweit höchsten Anteil der bedrohten Häuser hat die Stadt Wuppertal – wo auch aktuell Gefahren drohen. Jedes siebte Wohngebäude steht im Tal oder liegt in der Nähe eines Gewässers. Auf Landesebene ist Thüringen die am stärksten gefährdete Region – mehr als 20 Prozent der Immobilien befindet sich in der höchsten Gefährdungskategorie. Gefolgt von Sachsen und Rheinland-Pfalz.

Doch ganz so unkompliziert ist es vielfach für Immobilieneigner nicht, den Elementarschutz zu erhalten. So hängt die Beitragshöhe nicht nur von der Größe der Immobilie, sondern auch von der geographischen Lage ab.

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Für Gebäude in Hochrisikolagen können da hohe Kosten auf die Eigentümer zukommen. Es gibt auch Areale, für die es schwer ist, überhaupt eine Police zu bekommen – diese Restriktionen gelten als ein wesentlicher Grund für die Unterversicherung von Gebäuden. Allerdings betont der GDV, dass 99 Prozent der Gebäude hierzulande „problemlos“ versicherbar seien.

Verbraucherschützer raten derweil, dass Hauseigentümer sich auch gegen Rückstaus schützen sollen – also gegen Wasser, dass über die Kanalisation ins Haus gedrückt wird. Hier verlangen Versicherer aber häufig den Einbau von Rückstauklappen.

Zudem ist zu beachten, dass nach Angaben des GDV die Versicherten in der Regel einen Teil der Elementarschäden selbst tragen müssen. Ferner gilt, dass Schäden grundsätzlich nicht abgedeckt sind, die durch Grundwasser entstehen, das gegen die Bodenplatte oder die Mauern drückt, aber nicht an die Oberfläche gelangt. Hier hat es schon viele Streitigkeiten zwischen Geschädigten und Assekuranzen gegeben.

Der GDV und die Verbraucherzentrale NRW machen darauf aufmerksam, dass der Elementarschutz nicht nur für Leute, die in der Nähe eines Flusses wohnen, wichtig ist. Starkregen könne auch Menschen treffen, die auf einem Berg leben – etwa wenn es zu Erdrutschen oder Erdsenkungen kommt.

Erderwärmung verändert die Niederschlagsmuster

Eine Bilanz der Verheerungen liegt noch nicht vor. Asmussen sagte aber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland: „Es zeichnet sich ab, dass sich dieses Jahr mit Stürmen, Überschwemmung, Starkregen und Hagel zu einem der schadenträchtigsten seit 2013 entwickeln könnte. Bereits im Juni haben Starkregen und Hagel einen geschätzten versicherten Schaden von 1,7 Milliarden Euro verursacht. Eine aktuelle Schadenschätzung werden wir voraussichtlich in der nächsten Woche vorliegen haben“

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Und er geht davon aus, dass Unwetter künftig häufiger auftreten: Man müsse sich darauf einstellen, dass sich die Frequenz und die Intensität solcher Ereignisse erhöhe. Der Grund dafür ist der Klimawandel.

So macht auch die Munich Re, der weltgrößte Rückversicherer, auf folgendes Phänomen aufmerksam: „Ansteigende Temperaturen in der Atmosphäre und der Meeresoberflächen beeinflussen auch Niederschlagsmuster. Da wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, steigen die Potenziale für Starkniederschläge.“

Zahlreiche vom Weltklimarat IPCC analysierte Studien wiesen darauf hin, dass es künftig in vielen Regionen zu mehr extremen Sturzfluten und Flussüberschwemmungen kommen dürfte. Das gelte auch für Europa.

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