Porsche-Chef Blume: „Habe kein Problem mit verkehrsberuhigten Innenstädten“

Porsche-Chef Oliver Blume: Den Porsche spürt man besser auf einer kurvigen Landstraße oder einer Autobahn.

Herr Blume, in drei Jahren soll jeder zweite verkaufte Porsche elektrisch oder teilelektrisch angetrieben werden. Wie weit sind Sie?

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Sehr weit. Wir kommen schneller voran als geplant. Im vergangenen Jahr haben wir mehr als 300.000 Fahrzeuge ausgeliefert. In Europa waren bereits rund 40 Prozent davon elektrifiziert – als Hybrid oder vollelektrisch. Weltweit waren es knapp 25 Prozent.

Wie hoch ist der vollelektrische Anteil?

Der Anteil reiner Elektro­sportwagen überwiegt den der Hybrid­fahrzeuge schon heute. Und der Trend ist eindeutig. Das belegen die Verkaufszahlen des voll­elektrischen Taycan: Im Vergleich zum Vorjahr konnten wir sie auf 40.000 verdoppeln. Die Bereitschaft vieler Kunden ist groß, Elektro­fahrzeuge zu besitzen. Und: Rund die Hälfte der Taycan-Kunden hat zuvor noch keinen Porsche gefahren. Das ist mehr, als wir erwartet hatten.

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Warum überrascht Sie das? Tesla ist extrem erfolgreich und verkauft ausschließlich sportliche Elektroautos.

Ich habe größten Respekt davor, was Elon Musk da auf die Beine gestellt hat. Sie dürfen aber nicht vergessen, dass Tesla als neuer Spieler auf den Markt gekommen ist und sofort zu 100 Prozent auf Elektro­mobilität setzen konnte. Porsche hat eine lange und überaus erfolgreiche Geschichte. Eine gewachsene Unternehmens­kultur, ein wertvolles Erbe. Wir sprechen von Heritage. Und diese Heritage hat viele Fans auf der ganzen Welt.

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Boxermotoren müssen also weiter röhren, weil sie Porsches Erbe sind?

Unsere Motoren sind ein Teil davon. Porsche steht für Design, Qualität, Performance und Spitzen­technologie. Für Innovationen und wegweisende Entwicklungen. Deshalb hatten wir bereits den Weg in die Elektro­mobilität eingeschlagen, als Tesla noch nicht in aller Munde war. Wir müssen unsere Tradition mit der Zukunft verbinden, um glaubwürdig zu bleiben. Beim Taycan ist uns das absolut gelungen. Sein Erfolg zeigt, dass wir den Zeitgeist getroffen haben.

Der Zeitgeist ist elektrisch. Wann rollt bei Porsche der letzter Verbrenner vom Band?

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Wir haben uns bewusst entschieden, kein Datum festzulegen. Am Ende wird dies von Kunden und Gesetzgebern in verschiedenen Regionen der Welt bestimmt. Ich bin auch nicht so sicher wie Sie, dass Verbrenner überall auf der Welt aussterben werden. Wir haben eine klare Strategie in Richtung Elektro­mobilität, machen uns aber zusätzlich Gedanken darüber, wie die heutigen und in den nächsten Jahren produzierten Verbrenner potenziell nahezu CO₂-neutral bewegt werden können.

Sie meinen Ihr Investment in eine Anlage zur Herstellung von synthetischen Kraftstoffen in Chile?

Ja, genau. E-Fuels haben für uns große Bedeutung. Es gibt heute weltweit über 1,3 Milliarden Fahrzeuge mit Verbrennungs­motor. Davon werden viele in 20 oder 30 Jahren noch unterwegs sein. Wenn man es mit der Nachhaltigkeit ernst meint, muss man eine Lösung für diese Fahrzeuge finden.

Synthetische Kraftstoffe mögen klimaneutral sein, sie sind aber ineffizient und bei der Verbrennung schmutzig. Warum setzen Sie auf ein Pferd, das selbst Mineralöl­konzerne nicht mehr reiten wollen?

Natürlich ist die Elektromobilität ein richtiger Weg. Wir wollen 2030 mehr als 80 Prozent unserer Fahrzeuge mit elektrischen Antrieben verkaufen – als Hybrid oder vollelektrisch. Regenerative synthetische Kraftstoffe können die E-Mobilität sinnvoll ergänzen. Wir sehen uns als Pionier und wollen dabei helfen, diese Technologie marktreif zu machen. Jeder Liter E-Fuels, der mit regenerativer Energie produziert wird, hat das Potenzial, den CO₂-Ausstoß des Verkehrssektors zu reduzieren.

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Wir stellen E-Fuels in Chile her. Dort weht das ganze Jahr über starker Wind. Regenerative Energie ist hier im Überfluss vorhanden. Damit verliert der Effizienz­gedanke an Bedeutung. Übrigens geht es nicht nur um den Automobil­bereich. E-Fuels werden auch in der Schifffahrt und im Flugverkehr dringend gebraucht.

Geht es Ihnen in Wahrheit gar nicht um den Sprit, sondern um CO₂-Zertifikate, mit denen Sie Ihren Flottenausstoß runterrechnen könnten?

Ich würde es begrüßen, wenn die Produktion nahezu CO₂-neutraler Kraftstoffe mit Zertifikaten belegt würde. Aber wir sind an der Stelle weniger bürokratisch unterwegs, als Ihre Frage unterstellt. Nachhaltigkeit ist eine weltweite Aufgabe, die wir sehr ernst nehmen. Und wir wollen Vorbild sein. Auch wenn uns natürlich bewusst ist, dass wir als kleines Unternehmen die Welt allein nicht retten können.

Auch die Rennserie Formel 1 steigt auf E-Fuels um. Liebäugelt Porsche deshalb mit einem Einstieg, der immer wieder kolportiert wird?

Motorsport ist das Herz unseres Unternehmens und der Ort, wo wir unsere Innovationen voranbringen. Es gibt kein härteres Testfeld. Wir konzentrieren uns jetzt darauf, wieder in die großen Langstrecken­rennen einzusteigen: Le Mans, Daytona, Sebring. Wir denken das bei Porsche Schritt für Schritt. Dass die Formel 1 ab 2026 mit synthetischen Kraftstoffen fahren will, sehen wir mit Wohlwollen.

Wie groß ist Ihre Angst, dass Porsche-Fahrer ihre Autos am Ende nur noch auf Rennstrecken ausfahren können?

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Zunächst einmal habe ich mich über die Entscheidung der Ampelparteien gegen ein Tempolimit auf Autobahnen gefreut – auch wenn es beim Porsche-Fahren mehr um die Dynamik als um hohe Geschwindigkeiten geht. Natürlich wollen unsere Kunden ihren Sportwagen auch mal im Grenzbereich erleben. Das geht aber auch in unseren Porsche-Experience-Centern. Von denen gibt es inzwischen weltweit neun. In Deutschland sind sie am Hockenheimring und in Leipzig.

Weil der Platz auf den Straßen knapp wird, baut Porsche Spielplätze für Erwachsene?

Wir schaffen die Möglichkeit, unsere Autos zu erfahren. Für einen Sportwagen­bauer ist das essenziell. Rund 150.000 Menschen im Jahr begeistern sich für dieses Erlebnis. Zum Teil erfüllen wir Kindheits­träume. Das ist ein wichtiger Teil unserer Strategie, um Kunden zu begeistern und zu binden. Deshalb werden wir die Experience-Center weiter ausbauen. Tokio wurde gerade eröffnet, Toronto ist der nächste Standort auf unserer Liste.

Städte wie Leipzig, wo Porsche seinen zweiten großen Produktions­standort hat, denken darüber nach, Autos komplett aus der City zu verbannen. Was sagen Sie dazu?

Autofreie Innenstädte? Ich bin gespannt, ob das tatsächlich gelingen kann. Wichtig ist, dass Innenstädte lebenswert bleiben und weiter­entwickelt werden­ – dazu gehören zum Beispiel auch Lieferverkehre für die Nahversorgung. Ich selbst fahre in Großstädten auch mal mit U-Bahnen oder nehme einen Roller. Den Porsche spürt man besser auf einer kurvigen Landstraße oder einer Autobahn.

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Das heißt, beim Thema autofreie Innenstädte gehen Sie nicht auf die Barrikaden?

Wichtig ist, dass hier nicht schwarz-weiß gedacht wird. Wenn es ein kluges Verkehrs­konzept und gute Alternativen gibt, habe ich kein Problem mit verkehrs­beruhigten Innenstädten – gleichzeitig werden auch Innenstädte gewisse Straßen­verkehre benötigen. Die E-Mobilität bietet da beides: individuelle Mobilität und ruhiges Fahren.

Das Leipziger Werk wird ja immer mehr zum Elektro­standort ausgebaut. Neben dem E-Macan sollen auch weitere Modelle dort produziert werden. Welche werden das sein?

Den Macan haben Sie angesprochen. Damit starten wir den Bau von reinen Elektroautos am Standort Leipzig. Er steht dabei auf der von Porsche und Audi gemeinsam entwickelten Premiumplattform Electric. Weitere Fahrzeuge werden folgen. Diese werden dann gleichfalls in Leipzig gebaut – ein toller Standort mit hoch qualifizierten und motivierten Mitarbeitern.

Wann kommt denn der E-Macan, und über welche Autos denken Sie noch nach?

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Ich werde Ihnen jetzt nicht meine Produktstrategie für die nächsten zehn Jahre verraten (lacht). Aber ich kann Ihnen versprechen, dass sich alle Porsche-Fans sehr freuen können auf das, was wir noch im Köcher haben.

Wenn bei Porsche alles so gut läuft, wofür brauchen Sie dann eigentlich noch den VW-Mutter­konzern?

Wir haben uns im Volkswagen-Konzern großartig entwickelt und hätten diese Entwicklungsschritte sicherlich nicht ohne VW machen können. Wir nutzen auch heute Synergien aus dem Verbund, tragen gleichzeitig aber einen erheblichen Teil zum Erfolg des Gesamtkonzerns bei. Alles Weitere muss man in der Zukunft sehen.

Das klingt jetzt nicht gerade, als hätten Sie große Angst vor einem Börsengang und dem Schritt zurück in die Eigenständigkeit …

Ob Porsche zurück an die Aktienmärkte gehen sollte, ist die alleinige Entscheidung des Volkswagen-Konzerns als Eigentümer der Porsche AG. Porsche ist ein starkes Unternehmen, mit einer wertvollen Marke und einem robusten Geschäftsmodell. Mein Job ist es, Porsche kontinuierlich erfolgreich weiterzuentwickeln. Und das macht große Freude.

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