Mobilfunklizenzen: Pausentaste für Frequenzauktionen

Immer und überall Empfang: Offenbar wird die nächste Frequenzauktion für Mobilfunklizenzen abgeblasen.

Immer und überall Empfang: Offenbar wird die nächste Frequenzauktion für Mobilfunklizenzen abgeblasen.

Frankfurt/Main. Es waren sehr spezielle Spektakel: Hinter verschlossenen Türen zockten Mobilfunker um nichts weiter als die Erlaubnis, auf bestimmten Frequenzen ihre elektronischen Impulse zu funken. Viele Milliarden Euro wurden dafür ausgegeben.

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Einiges spricht dafür, dass diese Zeiten bis auf Weiteres vorbei sind. Der scheidende Chef der zuständigen Netzagentur, Jochen Homann, hat durchblicken lassen, dass zumindest die nächste Frequenzauktion abgeblasen wird. Aus der Branche gibt es dafür Applaus.

Ein Spektrum, das für ländliche Gegenden wichtig ist

Am Montag diskutierte der Beirat der Bundesnetzagentur (BnetzA) über die für nächstes oder übernächstes Jahr geplante Versteigerung von Spektrum. Es geht dabei um extrem wertvolle Frequenzen im Bereich von 800 Megahertz – Anfang 2026 laufen diverse Nutzungslizenzen aus. Diese sind wegen der großen Reichweite des 800er-Spektrums vor allem für die Versorgung ländlicher Regionen wichtig.

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Homann sagte vor Beginn der Beiratssitzung, dass der sich vorstellen könne, die Lizenzen „kurzfristig bedingt“ zu verlängern und ein Vergabeverfahren zu einem späteren Zeitpunkt auf den Weg zu bringen.

Vier Betreiber sind einer zu viel

Mit der Verlängerung ist gemeint, dass die derzeitigen Nutzer der Frequenzen einfach einige Jahre weiterfunken dürfen, ohne noch einmal bezahlen zu müssen. Stattdessen könnten sie sich zu einem genau definierten verstärkten Ausbau ihrer Netze verpflichten. Die heiß begehrten Lizenzen sind in der Hand der drei etablierten Mobilfunknetzbetreiber: Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica/O2. Zu dem Trio ist inzwischen noch als Netz-Newcomer 1&1 gestoßen.

Und das macht die Angelegenheit vertrackt. Denn die 800er lassen sich sinnvoll nur auf drei Unternehmen verteilen. Wenn ein Quartett darum rangelt, können die Preise für die Erlaubnis zum Funken in astronomische Höhen schießen. Und einer der vier Interessenten müsste zwangsläufig leer ausgehen. Homann räumt denn auch „möglicherweise einen starken Bieterwettbewerb“ ein.

Bereits im Sommer vorigen Jahres hatte Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) gefordert, auf die Auktion zu verzichten und Lizenzen um fünf Jahre zu verlängern. Auch die Deutsche Telekom und Telefonica haben sich inzwischen dieser Forderung angeschlossen.

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„Eine Abkehr von überteuerten Auktionen ist überfällig“

Ein Vodafone-Sprecher sagte am Montag dem RND: „Wir begrüßen, dass die neue Regierung und die Bundesnetzagentur über neue und moderne Formen der Frequenzvergabe nachdenken.“ Bei einer erneuten Auktion nach klassischen Mustern mit vier Bietern drohten Funklöcher, „wo heute keine sind – vor allem auf dem Land“. Er betont: „Eine vorübergehende Verlängerung der Flächenfrequenzen, bis zusätzliches Frequenzspektrum verfügbar ist, würde diese Knappheit auflösen.“

Nach 2031 werden weitere Lizenzen fällig – das Angebot bei einer Auktion wäre dann deutlich größer. Auch Telefonica-Chef Markus Haas begrüßt die Überlegungen: „Diese Frequenzen sind das Rückgrat für schnelles mobiles Internet in ländlichen Regionen. Nur eine zeitnahe Verlängerung dieser Bestandsfrequenzen kann die notwendige weitere Digitalisierung voranbringen. Eine Abkehr von überteuerten Auktionen ist überfällig“, sagte er dem RND.

1&1 zeigt sich unzufrieden

Die Manager von 1&1 wehren sich hingegen vehement gegen eine derartige Lösung. Sie hoffen, sich durch die Auktion schneller als neuer Netzbetreiber etablieren zu können. Vodafone hält dieses Argument nicht für stichhaltig: „Denn in den kommenden Jahren hat 1&1 einen vertraglich gesicherten Zugang zum Netz von Telefónica“, so der Sprecher. Er fügt hinzu: „Mobilfunk würde sich für alle Nutzer verbessern – auch für Kunden von 1&1.“

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Laut Vodafone haben die Netzbetreiber seit der legendären UMTS-Auktion im Jahr 2000 fast 70 Milliarden Euro für den Erwerb von Frequenzscheinen ausgegeben. Von diesem Geld hätten rund 300.000 zusätzliche Mobilfunkstationen gebaut werden können.

Neue Strategien bei der Frequenzvergabe

Eine aktuelle Studie des konzerneigenen Instituts zeige: Überall dort, wo weniger Geld für Lizenzen ausgegeben werde, könnten die Betreiber deutlich mehr Geld für neue Mobilfunkstationen investieren. Frankreich oder Spanien hätten bereits ähnlich moderne Formen für die Frequenzvergabe eingeführt.

Eine Entscheidung des BnetzA-Beirats – das ist das maßgebliche Gremium der Behörde – wurde am Montag nicht erwartet. In dem Gremium sitzen Bundestagsabgeordnete und Vertreter des Bundesrats. Die SPD unterstützt nach Informationen des RND die Idee einer Auktionspause.

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Die FDP besteht bislang auf einer Versteigerung, aber nach einem neuen Muster: Zum Zuge soll nicht mehr das Unternehmen kommen, das am meisten bietet, sondern die niedrigsten Subventionen für einen zuvor festgelegten schnellen Ausbau der Netze fordert.

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