Inflation: Kommt die Trendwende im Januar?

Eine Frau mit Geldscheinen (Symbolfoto): Im Januar soll die Inflation spürbar sinken.

Berlin. Es war eine kleine Überraschung, die das Statistische Bundesamt am Donnerstagmittag verkündete: Die Inflationsrate ist auch im Dezember weiter angestiegen. Um 5,3 Prozent legten die Verbraucherpreise laut Schätzung der Wiesbadener Behörde im Vergleich zum Vorjahresmonat zu. Im November hatte die monatliche Inflationsrate noch bei 5,2 Prozent gelegen.

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Wegen zuletzt leicht gesunkener Ölpreise hatten Ökonomen und Ökonominnen eigentlich eine abnehmende Dynamik bei der Teuerung erwartet. Oberhalb von 5 Prozent hatte der Monatswert zuletzt während des Wiedervereinigungsbooms Anfang der 1990er-Jahre gelegen.

Auch aufs Jahr gerechnet knüpft die Preissteigerung an die Rekorde der Nachwendejahre an. Die Jahresinflation für 2021 schätzt das Statistische Bundesamt auf 3,1 Prozent – der höchste Wert seit 1993. Im Corona-Krisenjahr 2020 hatte die Teuerungsrate noch bei 0,5 Prozent gelegen.

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Energiepreise treiben die Inflation

Vor allem der weltweite Energiehunger, unterbrochene Lieferketten und knappe Rohstoffe haben das Leben in Deutschland deutlich teurer gemacht. Auch die planmäßige Rücknahme der zeitweisen Mehrwertsteuersenkung hat die Inflationsrate nach oben getrieben. Die Einführung einer CO₂-Abgabe auf fossile Brennstoffe tat ihr Übriges.

Ökonomen und Ökonominnen gehen davon aus, dass die Dynamik im Januar spürbar nachlassen wird, auch weil der Mehrwertsteuereffekt sowie der Basiseffekt bei den Energiepreisen dann in der Statistik nicht mehr auftauchen. „Im Januar ist mit einem deutlichen Rückgang der Inflationsrate auf spürbar weniger als 5 Prozent zu rechnen“, sagt Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.

Die Dezemberinflation in Deutschland sei nur nach nationaler Messung noch einmal leicht gestiegen, betont der Volkswirt. Nach harmonisierter europäischer Messung habe sie sich bereits von 6,0 auf 5,7 Prozent verlangsamt. „Damit dürfte der Höhepunkt der deutschen Inflationsentwicklung nun überschritten sein“, vermutet Dullien.

Auch 2022 dürfte die Kaufkraft sinken – wenn auch weniger stark

Er erwartet, dass die Inflation in den folgenden Monaten langsam weiter nachgeben wird und rechnet für das Gesamtjahr 2022 mit einer Teuerungsrate unterhalb von 3 Prozent. „Da die Lohnabschlüsse bislang sehr moderat ausgefallen sind, gibt es von der Lohnseite derzeit keine Gefahr einer Preis-Lohn-Spirale“, so Dullien.

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Andere Wirtschaftsforscher sind etwas pessimistischer. Das Münchner Ifo-Institut und Kieler Institut für Weltwirtschaft etwa erwarten eine Jahresinflation oberhalb der Drei-Prozent-Marke.

Verbraucher müssen sich also in jedem Fall auf eine weiter schwindende Kaufkraft einstellen. Ob die Europäische Zentralbank EZB angesichts der deutlich oberhalb ihres Inflationsziels von 2 Prozent liegenden Teuerungsrate ihre ultralockere Geldpolitik strafft, wird sich frühestens im März zeigen. Dann legt die EZB ihre nächste Inflationsprognose vor.

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