Aktien: Das sind die Inflationsgewinner an der Börse

Aktienhandel an der Börse.

Aktienhandel an der Börse.

Stuttgart. Auf Tagesgeldkonten und Sparbücher gibt es keine Zinsen mehr, die Anlegerinnen und Anleger veranlassen könnten, dort noch langfristig Geld anzulegen. Der Weg zur Rendite und zum Vermögensaufbau führt deshalb eigentlich über die Börse. Am Aktienmarkt jedoch macht sich derzeit das Thema Inflation breit – und sorgt für gehörig Unruhe bei den Investoren.

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„Derzeit zeigt sich, dass die Steuerung der Inflation kein so einfaches Unterfangen ist, schon gar nicht das Erreichen eines bestimmten Inflationsniveaus“, sagt Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner und Reuschel. So stieg in den USA im September die Jahresinflationsrate von 5,3 Prozent im Vormonat auf 5,4 Prozent und erreichte damit wieder den höchsten Wert seit 2008.

„Zuerst sind in den vergangenen Monaten die Preise für diverse Rohstoffe und Vorprodukte deutlich angestiegen, unter anderem aufgrund anhaltend gestörter Lieferketten. Dies hat für teils explodierende Produktionskosten in der Industrie gesorgt“, analysiert Mumm weiter. Allein in den USA haben sich laut offiziellen Stellen im September (im Jahresvergleich) die Energiepreise im Schnitt um 25 Prozent erhöht.

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Inflationssorgen drücken Kurse

Genau diese höheren Preise für Rohstoffe, Dienstleistungen und zusätzlich steigende Energiepreise lassen bei vielen Unternehmen die Produktionskosten steigen. Sie können aber nicht gänzlich an die Kundinnen und Kunden weitergegeben werden. Das heißt, die Marge sinkt, die Gewinne werden geschmälert, und am Ende steht eine Schar von enttäuschten Aktionärinnen und Aktionären, die mit schwächeren Bilanzen und Dividendenausschüttungen konfrontiert ist.

Wegen der Inflationssorgen den Aktienmärkten den Rücken zu kehren, wäre dennoch ein Fehler. Die Börsen haben zwar zuletzt stark nachgegeben und eine Korrektur wurde eingeläutet, „nach den Höhenflügen der vergangenen Monate ist das durchaus gesund und eröffnet danach neue Performancechancen“, analysiert Carsten Gerlinger vom Asset-Manager Moventum AM.

Diejenigen, die ein niedrigeres Kursniveau zum Einstieg nutzen wollten, kommen nun zum Zug, so der Finanzprofi. Investoren sollten allerdings immer ein Auge darauf haben, ob sich die Inflation verstetigt oder nur einen kurzen Höhepunkt bezeichnet, mahnt Gerlinger. „Eine Verstetigung sollte zur Vorsicht mahnen.“

Unternehmen mit solider Bilanz im Fokus

Das Thema Inflation könnte die Börse länger beschäftigen. Darum gilt es, die Geldanlage auf Unternehmensaktien zu fokussieren, die sich als Inflationsgewinner erweisen können. Dazu gehören Unternehmen, die mit starken Marken seit vielen Jahrzehnten auf dem internationalen Markt sind und dort über eine starke Stellung sowie eine solide Wachstumsstrategie verfügen. Sie haben den Ruf, sich auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten überdurchschnittlich zu entwickeln.

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Zu finden sind solche Unternehmen oft im Bereich des Handels und Konsums, aber auch in anderen Branchen. Apple, der Marktführer für hochpreisige Smartphones, ist zweifellos Mitglied dieses illustren Kreises von Unternehmen. Der US-Konzern kann seit vielen Jahren auf Nettoumsatzrenditen verweisen, die in der Branche einmalig sind. Apple schafft es hier, Werte von 20 bis 30 Prozent zu liefern. Auf Sicht der vergangenen zehn Jahre haben Aktionärinnen und Aktionäre viele Freude mit den Apple-Wertpapieren gehabt. So wurden aus einem Apple-Investment von 10.000 Euro binnen einer Dekade knapp 120.000 Euro.

Dividendenwerte bieten einen Risikopuffer

Auch wenn Apple ein rühmliches Beispiel ist und eine kleine Dividende an seine Aktionäre ausschüttet – viele Technologieunternehmen zahlen aus Prinzip keine Dividenden und stecken lieber ihr gesamtes Kapital in Wachstumsinvestitionen. Wenn es an den Börsen gut läuft und die Investitionen genügend Wachstum generieren, wirkt sich dies entsprechend positiv auf die Kursentwicklung aus. Allerdings fehlt ein Risikopuffer, wenn es an den Börsen turbulent zugeht – wie eben in Zeiten von Inflation.

Einen solchen Puffer bieten dagegen klassische Dividendenwerte. Diese Unternehmen bieten Aktionärinnen und Aktionären auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine attraktive Ausschüttung an und spielen damit ihre Stärken aus. Eine davon heißt Konstanz. Die Dividende sorgt dafür, dass mögliche Kursverluste (zum Teil) abgefedert werden.

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Nach Ansicht von Andreas Gilgen von der Bank Alpinum ist schlussendlich bei Anlagen die Qualität der entscheidende Faktor: „Unternehmen, die mit einem guten Produktangebot im Markt breit diversifiziert sind und jährlich gute Gewinne einfahren, bleiben gute Unternehmen, auch wenn der Aktienkurs kurzfristig deutlich fällt oder ein Quartalsresultat nicht ganz den Erwartungen entspricht.“

Einige Konzerne schaffen es, das eigene Kapital derart effizient einzusetzen, dass sie den Aktionärinnen und Aktionären seit über 100 Jahren ohne Unterbrechung jährlich eine Dividende zahlen. Einer aus diesem Kreis ist der US-Konsumgüterkonzern Colgate-Palmolive, der seit 1895 ununterbrochen eine Dividende gezahlt hat.

Die Dividendenaristokraten

Andere haben es sogar geschafft, jahrzehntelang nicht nur kontinuierlich eine Dividende auszuschütten, sondern diese auch Jahr für Jahr anzuheben. Zu den Firmen, die ihre Ausschüttungen mehr als 50 Jahre in Folge anheben konnten, gehören, neben Colgate-Palmolive, der Getränkehersteller Coca-Cola oder der Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson.

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Sie gehören in den Kreis der sogenannten Dividendenaristokraten und haben sogar ihren eigenen Index. Im S&P 500 Dividend Aristocrats Index sind nur US-Unternehmen gelistet, die es mindestens 25 Jahre hintereinander geschafft haben, die Dividende zu erhöhen.

Beim Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (P&G) dürften sich derweil Anlegerinnen und Anleger seit Jahrzehnten gut aufgehoben füllen. Die US-Amerikaner mit bekannten Marken wie Pampers oder Ariel zahlen seit 130 Jahren eine Dividende und seit mehr als 60 Jahren stiegen die Ausschüttungen jedes Jahr. Der P&G-Konzern ist ein gutes Beispiel für Marktmacht: Der Konzern konnte durch seine Stellung in der Vergangenheit sehr gut durch alle Inflationsphasen durchkommen und höhere Preise beim Verbraucher durchsetzen.

Auch außerhalb der USA gibt es Kandidaten, die über 25 Jahre hinweg ihre Dividende jedes Jahr erhöht haben. Einer ist der Bad Homburger Gesundheitskonzern Fresenius aus dem Dax. Er hat die jährlichen Ausschüttungen an seine Aktionäre 27 Mal hintereinander erhöht.

Bei anderen europäischen Unternehmen kann sich die Serie von Dividendenerhöhungen ebenfalls sehen lassen: Der französische Kosmetikkonzern L‘Oréal bringt es auf 34, während die 31 Anstiege beim Schweizer Pharmaunternehmen Roche oder die 28 Dividendenerhöhungen beim britischen Telekommunikationskonzern Vodafone auch nicht zu verachten sind.

Aussichtsreiche Fonds und ETFs

Wer als Anlegerin oder Anleger in den kommenden Quartalen an der Börse das Thema Inflation berücksichtigen will, sollte sich entsprechend einmal näher mit Fonds und ETFs beschäftigen, die ihren Fokus beispielsweise auf den amerikanischen Dividend Aristocrats Index oder die Themen defensive Wachstumswerte sowie Dividende als Anlagemittelpunkt haben. In den meisten Fällen ist es sogar möglich, schon mit einem monatlichen Sparplan und kleinen Summen als Anleger über ein Konto bei einem Onlinebroker aktiv zu werden.

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