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Oxfam klagt an

Pandemie und Krieg treiben Krisengewinne

Armut ist in vielen Ländern wie hier in Afghanistan präsent.

München. Das Fazit ist eindeutig. „Weltweit explodieren Ungleichheit und Armut“, fasst Manuel Schmitt den Tenor einer Studie mit dem Titel „Profiting from Pain“ (vom Schmerz profitieren) zusammen. Im Vorfeld des Weltwirtschafts­forums in Davos veröffentlicht hat sie die Nothilfe- und Entwicklungs­organisation Oxfam, deren deutscher Referent für soziale Ungerechtigkeit Schmitt ist.

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Die Studie untersucht vor allem die Pandemiejahre und endet am Stichtag 11. März, also rund zwei Wochen nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine, der Armutsspiralen auch außerhalb des Kriegsgebiets weiter verschärft habe. Zeitbedingt sind damit nur erste Kriegsauswirkungen erfasst. Auch so sind die von Oxfam gesammelten Daten bedrückend.

263 Millionen weitere Menschen weltweit drohen 2022 in extreme Armut abzurutschen, während viele Konzerne verdienen wie nie. Zugleich hätten Vermögen von Superreichen in den vergangenen 24 Monaten so sehr zugenommen wie in den 23 Jahren zuvor. „Während die Pandemie für einen Großteil der Menschheit Sorgen und Nöte brachte, waren sie eine der besten Zeiten für Milliardäre“, schreibt Oxfam und versteht das vor allem auch in finanzieller Hinsicht.

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Dürre und Krieg: Hilfsorganisation Oxfam befürchtet Hungerkrise in Ostafrika

Die Entwicklungs­organisation Oxfam warnt vor einer Hungerkrise in Ostafrika. Grund dafür sei unter anderem der Krieg in der Ukraine und eine anhaltende Dürre.

So sei die Zahl der Milliardäre in zwei Corona-Jahren weltweit um 573 auf 2668 gestiegen. Deren addiertes Vermögen habe um 42 Prozent auf rund 12 Billionen Euro zugenommen. Regierungen weltweit hätten während der Pandemie viele Milliarden in die Stabilisierung ihrer Wirtschaften gepumpt, die vor allem Konzernen und Superreichen zugutegekommen seien, erklärt Oxfam die Entwicklung. Was die Armen dieser Erde parallel dazu besonders getroffen habe, sei das Steigen der Lebensmittel­preise. Die hätten 2021 global um gut ein Drittel zugenommen und dürften dieses Jahr, vor allem auch befeuert durch den Krieg in der Ukraine, um ein weiteres Viertel steigen. Allein im März dieses Jahres haben die Vereinten Nationen (UN) den größten jemals gemessenen Sprung der Lebensmittel­preise festgestellt, was eine klare Auswirkung des Ukraine-Kriegs ist.

Die Oxfam-Studie verarbeitet nicht nur UN-Daten oder solche des Weltwirtschafts­forums, sondern auch Vermögens­schätzungen des US-Magazins „Forbes“, die sich schwer verifizieren lassen. Daran, dass der Trend der Aussagen in der Studie stimmt, zweifeln aber die wenigsten.

Reiche leben 16 Jahre länger als arme Menschen

Speziell im Pharmasektor prangert Oxfam an, dass dortige Konzerne mit Impfstoffen pro Sekunde weltweit gut 1.000 Dollar Gewinn einfahren würden und die Pandemie allein in der Pharmabranche 40 neue Milliardäre hervorgebracht habe. Zugleich seien bei 11,7 Milliarden weltweit verabreichten Corona-Impfdosen nur 13 Prozent der Menschen in Ländern mit niedrigem Einkommen vollständig geimpft. Wegen der Pandemie seien in ärmeren Ländern viermal mehr Menschen gestorben als in reicheren. Die Lebenserwartung dort liege um 16 Jahre über der von den Armenhäusern der Welt. „Es ist eine Ungleichheit, die tötet“, schreibt Oxfam.

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Ökonomisch seien vor allem Frauen die großen Verlierer der Pandemie. 2021 seien global 13 Millionen Frauen weniger erwerbstätig gewesen als 2019. Männer hätten dagegen das Beschäftigungs­niveau von vor der Pandemie wieder erreicht. Das hat Auswirkungen auf Geschlechter­gerechtigkeit, also den Zeitpunkt, ab dem Frauen bei Fortschreibung bestehender Trends für gleiche Arbeit gleichen Lohn bekommen. Den hat das Weltwirtschafts­forum von 100 Jahren vor der Pandemie auf nun 136 Jahre in die Zukunft verschoben. Weil die Pandemie Armut bis hin zum Hungertod verstärkt hat, beziffert Oxfam die Zahl der weltweiten Corona-Toten auf 20 Millionen Menschen und damit ein Mehrfaches der direkt durch das Virus Verstorbenen.

Um die explodierenden Ungleichheiten infolge der Pandemie, aber auch des Ukraine-Kriegs auszugleichen, fordert Oxfam eine globale Übergewinnsteuer für Krisengewinne. Aktuell betreffe das Mineralöl­konzerne, die im Zuge der von Russland ausgelösten Energiepreis­sprünge enorme Zusatzgewinne einfahren, betont ein Oxfam-Sprecher. In der deutschen Ampelregierung wird eine solche Steuer von den Grünen gefordert, während ihr die FDP eine Absage erteilt. Oxfam fordert auch eine einmalige Abgabe für sehr hohe Milliardärs­vermögen und ein Aussetzen des Patentschutzes für Corona-Impfstoffe.

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