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Intel-Fabrik in Magdeburg: Wie die Bundesregierung den Milliardendeal an Land gezogen hat

Eine Computergrafik zeigt die in Magdeburg geplante Chipfabrik des US-Konzerns Intel. Die Hauptstadt von Sachsen-Anhalt setzte sich gegen eine Reihe anderer deutscher Bewerber durch.

Eine Computergrafik zeigt die in Magdeburg geplante Chipfabrik des US-Konzerns Intel. Die Hauptstadt von Sachsen-Anhalt setzte sich gegen eine Reihe anderer deutscher Bewerber durch.

Berlin. Überraschend kam die Nachricht nicht mehr, und doch war die Freude am Dienstag groß, als der US-Halbleiter-Gigant Intel offiziell verkündete, wo künftig das Herz der europäischen Chipproduktion schlagen soll: in Magdeburg.

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Als „idealen Platz“ bezeichnete Intel-Chef Pat Gelsinger die Landeshauptstadt in einer Videokonferenz. 17 Milliarden Euro wolle man investieren und damit gleich zwei Fabriken bauen. Es sind die ersten des US-Konzerns auf dem europäischen Kontinent.

Der Magdeburger Stadtrat hatte eigens für die Großansiedlung die Ausweisung eines neuen Industriegebietes in die Wege geleitet. Spätestens in einem Jahr sollen die Bauarbeiten beginnen. 2027 soll die Produktion starten und 3500 Menschen in Lohn und Brot bringen. Wohlgemerkt: allein im ersten Schritt.

Weitere Milliardeninvestitionen winken

Denn Intel-Chef Gelsinger denkt eigentlich noch viel größer. Bis zu 80 Milliarden Euro will er bis Ende des Jahrzehnts in Europa investieren, von bis zu sechs zusätzlichen Werken ist die Rede. Magdeburg als dann größte Intel-Fertigungsstätte auf dem Kontinent dürfte darauf hoffen, den Löwenanteil zu bekommen und zu einem der führenden Chip-Standorte der Welt zu werden.

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Zum Vergleich: Der US-Autobauer Tesla hat in sein neues Werk im brandenburgischen Grünheide bislang gut 6 Milliarden Euro investiert. Die Ansiedlung von Intel in Magdeburg habe ein deutlich größeres Potenzial, heißt es in deutschen Regierungskreisen.

Auch andere Standorte in Bayern, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und in mehreren europäischen Ländern hatten sich beworben. Dresden und Schwerin waren zuletzt als mögliche Kandidaten genannt worden. Die finale Entscheidung soll im Februar gefallen sein.

Weil Intel aber erst das „Chip-Gesetz“ der EU-Kommission abwarten wollte und wegen des Kriegs in der Ukraine hatte sich das Unternehmen Zeit mit der Kommunikation gelassen.

Merkel und Scholz waren sich einig

Die Bundesregierung hat die Ansiedlung lange und im Stillen vorangetrieben. Schon in der vergangenen Legislaturperiode sollen die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie ihr damaliger Finanzminister und heutiger Nachfolger Olaf Scholz (SPD) übereingekommen sein, dass man alle Hebel in Bewegung setzen müsse, um die Fabrik nach Deutschland zu holen.

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Bei den Koalitionsverhandlungen für das Ampelbündnis sorgte Scholz dafür, dass mögliche Subventionszahlungen im Koalitionsvertrag verankert werden.

„Wir wollen Deutschland zum globalen Standort der Halbleiterindustrie machen“, heißt es auf Seite 26. „Dazu soll die deutsche Halbleiterbranche entlang der gesamten Wertschöpfungskette auch finanziell hinreichend unterstützt werden, um diese Schlüsseltechnologie in Europa zu sichern, zu stärken und zukunftssicher auszubauen.“

Die Folgen dieses Satzes lassen sich auch im Entwurf der Regierung für den aktuellen Bundeshaushalt nachlesen. Die „Förderung von Projekten im Bereich Mikroelektronik“ wird dort als „besonderen Ausgabenschwerpunkt“ genannt, die dafür veranschlagten Mittel werden von einer Milliarde auf 2,72 Milliarden Euro erhöht. Ein Großteil des Geldes soll für die Ansiedlung der Intel-Fabriken bestimmt sein.

Weitere Milliarden werden fließen

In den nächsten Haushaltsjahren dürften weitere Milliarden fließen. 30 bis 40 Prozent teurer soll der Bau einer Fabrik in Deutschland im Vergleich zu Asien sein. Man darf deshalb davon ausgehen, dass der Bund noch deutlich tiefer in die Tasche greifen musste, um den Zuschlag zu bekommen. Aus Sicht der Regierung sind die Milliarden aber gut investiertes Geld.

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Bundeskanzler Scholz würdigte die Ansiedlung am Dienstag als wichtigen Schritt, um die globalen Siliziumkapazitäten wieder ins Gleichgewicht zu bringen und widerstandsfähige Lieferkette zu schaffen. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sprach von einem „zentralen Sprung für die digitale Souveränität Europas“ sowie einem „wichtigen und starken Impuls für die Wirtschaft in schwieriger Zeit“.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider, der für die SPD das Wirtschaftskapitel im Koalitionsvertrag verhandelte hatte, bewertete die Entscheidung als Chance für Deutschland, zur „Weltspitze in der Halbleiterindustrie“ aufzuschließen, und betonte die große Bedeutung speziell für die ostdeutsche Wirtschaft. „Für Ostdeutschland ist es ein gewaltiges Aufbruchssignal, denn es bedeutet eine Reindustrialisierung“, sagte Schneider dem RND. „Die wirtschaftsgeografische Landkarte kann neu gezeichnet werden.“

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