Versteckte Teuerung

Gleicher Preis und trotzdem teurer: Mogelpackung heißt jetzt Shrinkflation

Wegen steigender Kosten ist der Inhalt im Rama-Becher geschrumpft.

Wegen steigender Kosten ist der Inhalt im Rama-Becher geschrumpft.

Wenn sich Preise nicht ändern, ist das im Moment schon eine gute Nachricht. Dann empfiehlt sich allerdings der Blick auf eine andere Stelle der Packung: das Gewicht der Füllung. Die schrumpft nämlich im Moment bei einigen Konsumartikeln, damit die Hersteller trotz steigender Kosten nicht am Preis drehen müssen.

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Und weil das ein weltweites Phänomen von Europa über die USA bis Japan ist, gibt es dafür inzwischen einen internationalen Begriff: Was man in Deutschland schlicht Mogelpackung nennen würde, heißt Shrinkflation – Inflation durch schrumpfen (shrink) des Inhalts.

Rama kassiert Beschwerden wie noch nie

Ein Beispiel liefert die Verbraucherzentrale Hamburg: Im klassischen Rama-Becher befänden sich nur noch 400 statt bisher 500 Gramm Margarine. Der Preis sei dagegen bei vielen Händlern mit 2,19 Euro konstant geblieben – das entspricht einer Verteuerung von 25 Prozent. „So viele Beschwerden zu einer Mogelpackung haben wir in so kurzer Zeit noch nie erhalten“, berichten die Verbraucherschützer.

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Sie beobachten das Thema seit Jahren und sammeln auf ihrer Webseite auch Hinweise von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Nach Angaben der Verbraucherzentrale ist Rama seit 2008 um insgesamt 150 Prozent teurer geworden – während die allgemeine Inflation zwischen null und 2 Prozent jährlich pendelte.

Der Rama-Hersteller Upfield begründe den Schritt mit „dramatischen Kostensteigerungen in unserer gesamten Lieferkette, einschließlich unserer Rohstoffe“, zitiert die Verbraucherzentrale aus einer Stellungnahme. Die Produkte sollten erschwinglich bleiben, „deshalb haben wir die Grammatur einiger unserer Produkte leicht reduziert“. Die Änderung sei auf der Verpackung deutlich erkennbar. Außerdem sei die Rezeptur weiterentwickelt worden, erklärt Upfield die Verteuerung.

Upfield gehört dem amerikanischen Finanzinvestor KKR. Er hat 2018 dem Unilever-Konzern für 6,8 Milliarden Euro dessen Geschäft mit Brotaufstrichen abgekauft und in der neu gegründeten Upfield mit Sitz in Amsterdam zusammengefasst. Zum Unternehmen gehören auch Marken wie Lätta und Becel, wo der Packungsinhalt ebenfalls schrumpft.

Haribo feiert mit extrakleiner Tüte

Haribo hat sich die Shrinkflation-Vorwürfe mitten im Jubiläumsjahr eingefangen. „100 Jahre Goldbären“ wird vielfältig gefeiert – aber nicht mit extragroßen Packungen: Die Füllmenge der Standardtüte schrumpfte von 200 auf 175 Gramm. Bei unverändert 99 Cent Preisempfehlung bedeutet das eine Verteuerung um gut 14 Prozent. Haribo legt allerdings Wert darauf, dass gleichzeitig die Verpackung verkleinert worden sei: „So ist die Reduktion der Füllmenge für Verbraucherinnen und Verbraucher klar erkennbar“, sagt ein Unternehmenssprecher.

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Das Bonner Unternehmen berichtet von „außergewöhnlich steigenden Kosten“ in fast allen Bereichen. Von den Zutaten über Verpackungsmaterial und Energie bis zum Transport sei alles im zweistelligen Prozentbereich teurer geworden. „Dies zwingt uns dazu, unsere Verpackungsgrößen und Preise anzupassen.“ Welche Maßnahme jeweils gewählt wird, hängt von der Wettbewerbssituation ab.

Unbedingt unter der Ein-Euro-Marke

Bei den Gummibärchen wollte man nicht über die auffällige Ein-Euro-Marke gehen. Stattdessen wurde die Menge reduziert, „da in unserer impulskaufbetonten Kategorie, die von der Vielfalt lebt, der aktuelle unverbindliche Verkaufspreis im Handel bei 0,99 Euro möglichst gehalten werden soll“, sagte der Sprecher. Anfang Juli hat die Umstellung begonnen, die für die verschiedenen Haribo-Produkte mehrere Monate dauern wird. Über die Verkaufspreise in den Geschäften entscheide aber allein der Handel, betont das Unternehmen.

Upfield und Haribo sind auf der „Mogelpackungsliste“ der Verbraucherzentrale nicht allein. Funny Frisch Ofen Chips werden dort ebenso aufgelistet wie Knorr Rinderbouillon. Inzwischen finden sich dort auch die Eigenmarken von Discountern. So habe Aldi Nord zeitweise Grünen Tee mit 150 statt 250 Gramm Inhalt verkauft. Der scheinbar niedrigere Preis sei bezogen auf die Menge in Wahrheit um 22 Prozent höher gewesen. Lammsteaks von Aldi wurden im Juni zur „Mogelpackung des Monats“ gekürt, weil der Inhalt bei unverändertem Preis von 400 auf 300 Gramm geschrumpft sei. Auch Aldi verweist auf die stark gestiegenen Kosten.

Gang vor Gericht zeigt Wirkung

Wer es mit der Luft im Beutel übertreibt, kann allerdings juristischen Ärger bekommen. Denn während die Unternehmen bei Menge und Preissetzung frei sind, kann eine übertriebene Verpackung als Täuschung gewertet werden. So zog die Verbraucherzentrale gegen Lidl vor Gericht, weil Dosen mit Müsli nur rund zur Hälfte gefüllt waren. Der Händler habe eine Unterlassungserklärung abgegeben, und bei Stichproben haben die Verbraucherschützer nach eigenen Angaben zuletzt deutlich mehr Müsli in den Dosen gefunden.

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