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HWG Kurier

Das Nullenergiegebäude? – Was auf Immobilieneigentümer zukommt

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Ilustration: © elenabsl/123RF

Klimaschutz und das Problem der Energiegewinnung sind – nicht zuletzt durch die Geschehnisse in der Ukraine – in aller Munde. Insbesondere Immobilieneigentümer mussten und müssen sich auch in naher Zukunft noch intensiver mit der Thematik auseinandersetzen. Grund dafür sind die Bestrebungen der Europäischen Union, dass Gebäude in den Mitgliedstaaten bis zum Jahr 2050 emissionsfrei seien sollen. Um dies zu erreichen, hat die Kommission einen Vorschlag unterbreitet, der ein umfassendes Regelungspaket vorsieht.

Kernstück des Vorschlags ist der Begriff des „Nullenergiegebäudes“. Darunter versteht die EU solche Gebäude, die ohne externe Energie auskommen, also ihren gesamten Energiebedarf aus eigenen Quellen, wie beispielsweise Photovoltaikanlagen auf dem Dach, decken. Ab 2030 soll das Nullenergiegebäude Standard für alle Neubauten und tiefgreifenden Renovierungen sein.

Änderungen sollen auch im Bereich der Energieausweise Einzug halten: Bis 2025 sollen alle Energieausweise auf einer in Europa einheitlichen Skala beruhen. Entscheidender Parameter für die Einteilung in Energieklassen wird weiterhin der Primärenergieverbrauch sein. Ergänzt wird dieser durch weitere Indikatoren, nämlich die Treibhausgasemissionen des Gebäudes und den Einsatz erneuerbarer Energien. Energieausweise der Klassen D bis G sollen künftig eine Gültigkeit von nur noch fünf Jahren besitzen, jedoch vereinfacht aktualisiert werden können.

Energieineffiziente Gebäude, die die Energieklasse G besitzen, müssen mittelfristig renoviert und saniert werden, sodass sie mindestens Klasse F erreichen. Dies muss bei öffentlichen Gebäuden und Nichtwohngebäuden bis 2027 erfolgen. Bis 2030 sollen diese Gebäude sogar den Standards der Energieeffizienzklasse E entsprechen. Eigentümer von Wohngebäuden haben bis 2030 Zeit, ihre Immobilie auf Klasse F zu modernisieren. Klasse E müssen diese Gebäude im Jahr 2033 erreicht haben.

Darüber hinaus sollen die Mitgliedstaaten eine Datenbank einrichten, die alle Energieausweise führt. Die Ausweise sollen künftig auch digital ausgestellt werden können.

Auch der Bereich der Elektromobilität ist Gegenstand des Vorschlags aus Brüssel: So sollen alle neu errichteten Gebäude Vorverkabelungen für Ladestationen haben. So ist es später leichter, entsprechende Wallboxen nachzurüsten. Bürogebäude, die neu errichtet oder renoviert werden, sollen ihre Parkplätze mit intelligenten Ladestationen ausstatten.

Für das Klima ist es zweifelsohne wichtig, Gebäude energieeffizienter auszugestalten. Auf die Eigentümer können jedoch hohe Kosten zukommen. Daher sollten sich diese rechtzeitig über anstehende Renovierungsmaßnahmen informieren. Finanzielle Anreize und Unterstützungen sind jedoch bereits angekündigt. Auch Mieter sollen vor unverhältnismäßigen Mieterhöhungen nach einer Modernisierung geschützt werden. Isabell Neumann