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Frohe Weihnachten aus Peine - Liebe Leserinnen und Leser II

Frohe Weihnachten aus Peine - Liebe Leserinnen und Leser II

seit Wochen schon fordert uns die vierte Welle der Corona-Pandemie heraus, und ein Ende scheint weit entfernt. Unser Lebensalltag wird immer mehr durch Einschränkungen beeinträchtigt, „eine Zeit der Erschütterungen“, wie es der Jesuit Alfred Delp für seine Zeit so treffend beschrieb. Trotz aller Sorgen und Ängste, die uns diese Gesundheitskrise bereitet, beginnt für uns Christen mit dem Advent auch eine Zeit der Hoffnung und des Wartens auf Weihnachten. Licht, das Momente, die uns düster und dunkel erscheinen, ein wenig heller macht.

  

Als Christin glaube ich, dass Gott meinem Leben mit seiner Gegenwart Licht schenken möchte, dass er mir aus den alltäglichen Dunkelheiten heraushilft, aus der manchmal empfundenen Sinnlosigkeit, den scheinbaren Unveränderlichkeiten. Ja, er ist da, auch wenn seine Hilfe sich oft unverhofft und ganz anders ereignet, als ich es erwartete. Schon Meister Eckhart, ein mittelalterlicher Mönch und Mystiker, beschrieb in einer seiner Predigten: „Gott ist allzeit bereit, wir aber sind sehr unbereit; Gott ist uns ‚nahe‘, wir aber sind ihm fern; Gott ist drinnen, wir aber sind draußen; Gott ist (in uns) daheim, wir aber sind in der Fremde.“ Ich bin sehr dankbar, Gottes Nähe in mir zu spüren, aus dieser Gabe lebe ich und dafür brenne ich … dafür bin ich von Köln nach Peine aufgebrochen … um meinen Glauben zu teilen … und Lebenssinn weiter zu schenken … einem christlichen Menschenbild Ausdruck zu verleihen … So wünsche ich mir zu Weihnachten und auch darüber hinaus Lichtpunkte in der Dunkelheit des Lebens so vieler Menschen, möchte mich bemühen um kulturelle, religiöse und gemeinschaftliche Vielfalt. Denn das „WIR“ ist Gott eine Herzensangelegenheit. So können Frieden und sozialer Dialog möglich werden – nicht nur zu Weihnachten. Ist es nicht wunderbar, dafür zu brennen und Licht für die Menschen in unserer oft so dunklen Welt zu sein?

Die Geschichte eines unbekannten Verfassers von dem Gespräch zwischen einem Zündholz und einer Kerze nimmt diesen Gedanken in einer sehr schönen Art und Weise auf. Es kam der Tag, da sagte das Zündholz zur Kerze: „Ich habe den Auftrag, dich anzuzünden.“ „Oh nein“, erschrak die Kerze, „nur das nicht. Wenn ich brenne, sind meine Tage gezählt. Niemand wird mehr meine Schönheit bewundern.“ Das Zündholz fragte: „Aber willst du denn ein Leben lang kalt und hart bleiben, ohne zuvor gelebt zu haben?“ „Aber brennen tut doch weh und zehrt an meinen Kräften“, flüsterte die Kerze unsicher und voller Angst. „Es ist wahr“, entgegnete das Zündholz. „Aber das ist doch das Geheimnis unserer Berufung: Wir sind berufen, Licht zu sein. Du bist eine Kerze. Du sollst für andere leuchten und Wärme schenken. Alles, was du an Schmerz und Leid und Kraft hingibst, wird verwandelt in Licht. Du gehst nicht verloren, wenn du dich verzehrst. Andere werden dein Feuer weitertragen.“ Da spitzte die Kerze ihren Docht und sprach voller Erwartung: „Ich bitte dich, zünde mich an!“

Eine schöne Geschichte, die auch uns entzünden kann. Ja, so können auch wir aufmerksam sein und im Dunkel unserer Nacht ein Licht entzünden, das nie mehr erlischt und das Gesicht unserer Welt verändert. Dieses Licht kann Lebensfreude und Hoffnung spenden. Denn Gott schickt uns einen Retter aus der Dunkelheit, der uns ein ganz besonderes Licht verspricht. Wir hören dies in den Worten des Propheten Jesaja (Jes 9,1–5). Viele Menschen hoff en und warten auf dieses Licht, das Gott uns schenkt. Sein Sohn, Jesus Christus, kam als (Hoffnungs-)Licht für alle Menschen in unsere Welt und möchte auch heute durch uns für andere leuchten! Erhellen wir unsere Welt mit seinem Licht …

GOTT WIRD MENSCH … eine Botschaft – keine Hiobsbotschaft, GOTT WIRD MENSCH … ein Traum – kein Alptraum. GOTT WIRD MENSCH – das hat Folgen – das bringt alles in Bewegung – das eröffnet Möglichkeiten, GOTT WIRD MENSCH – damit sieht alles anders aus. GOTT WIRD MENSCH – und jedermann könnte aufatmen – niemand müsste abseitsstehen. GOTT WIRD MENSCH und der MENSCH WIRD MENSCH. (nach Werner Schaube: „Weihnachts-Puzzle“. 2. Auflage, Freiburg 1983, Seite 107)

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein bewusstes Zugehen auf dieses ganz besondere Geburtsfest, die Geburt Jesu, des Gottessohnes, der in uns Heimat finden möchte. Und natürlich … ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest 2021!

Monika Migge
Pastoralassistentin der Kath. Kirche im Pastoralen Raum „Zu den Heiligen Engeln“ Peine und „St. Bernward“ Ilsede