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Freischießen 2022

,,Das beste Freischießen des Universums", so der Herold des Peiner Freischießens 2022

,,Das beste Freischießen des Universums", so der Herold des Peiner Freischießens 2022

Herold verstärkt seit 25 Jahren die Trommelboes

Peine. Anno 1997, zum 400. Peiner Freischießen stellten die Organisatoren des Jubiläumsfestes den Trommelboes, die seit 1961 vom Spielmannszug des TSV Bildung gestellt werden, einen Herold zur Seite, der dem Trommelspiel durch seine Worte besonderen Nachdruck verleihen sollte.

So hat der damalige Bürgermeister Ulrich Biel anfangs drei Herolde ,,bestallt", die das Fest in würdiger Weise ankündigen sollen. Das waren Klaus Schuster, Hubertus Gäbler und Kai Schild. Dazu gab es eine entsprechende Urkunde. Den alten Peinern war der Brauch des Trommelboes noch bekannt, vielen Neu-Peinern jedoch kam es seltsam vor, dass zwei Spielleute abends trommelnd durch die Stadt liefen. Deshalb hielten wir es für eine gute Idee, nach dem Jubiläum einen Herold bei den Trommelboes beizubehalten, der die Erklärung dazu liefert“, erzählt Uwe Kruppa, der seit dem Jubiläumsjahr als Trommelboes nicht einen Tag versäumt hat.

Die ersten Kostüme haben wir uns im Fundus des Staatstheaters Halberstadt geliehen. Später haben wir dann selbst welche aus Leder gefertigt, das uns von der Firma Kühnel zur Verfügung gestellt wurde“, erinnert sich Herold Kai Schild, der von Beginn an mit viel Spaß und Engagement dabei ist.

Schließlich übernahm eine gelernte Schneiderin die Gestaltung der Uniformen. Die Entwürfe dafür, die historischen Vorbildern nachempfunden wurden, stammten von Kai Schild und wurden von Eleonore Köpke in der bis heute getragenen Form umgesetzt.

Die Tourenplanung ist jedes Jahr durchaus aufwendig. Kai Schild, Uwe Kruppa, Tim Mehrmann, Adrian Mau und Torsten Deda sind dieses Jahr im Juni ständig aktiv - vom Start bei den Stadtwerken sind sie in der ganzen Stadt auf ihrer Verkündungstour unterwegs, um am 30. Juni dann traditionell zunächst im Börsenzelt bei vielen Feiernden, den Schaustellern und den Bürgerschaffern aufzutreten. Dazwischen liegen etwas mehr als 100 Stationen, die sie an fünf Tagen absolvieren.

"Die allerletzte Station ist traditionsgemäß immer das Junggesellenzelt. Dort machen wir Meldung beim Hauptmann des Corps der Bürgersöhne, dass die Touren ordnungsgemäß, oder wie wir Peiner sagen, akkerat durchgeführt wurden", berichtet Schild, ... und dass es uns wieder gelungen ist, stellvertretend für alle Korporationen die Vorfreude auf ein harmonisches Freischießen bei allen Bürgern und Bürgersöhnen, Häuslingen und Inwohnern, Frauen und Kindern" - kurz: bei allen Peinern zu wecken", so der Herold.

Wertvolle Erlebnisse gab es im zurückliegenden Vierteljahrhundert natürlich einige. „Jede Tour hat ihre Besonderheiten. Bis heute ist es für alle Wirte, die wir besuchen, Ehrensache, ein "Quartier" Bier zu spendieren. Das sind ungefähr 1,4 Liter ... eigentlich pro Person, aber meist teilen wir das durch drei, sonst wird es irgendwann doch ein bisschen viel", scherzt Kruppa.

Ab und an sei es auch schon vorgekommen, dass die Polizei ein pünktliches Ende der Touren angemahnt habe. Eine Strafe oder gar die Festsetzung ist aber noch keinem widerfahren. „Falls es uns doch mal erwischt, haben wir immer eine Zahnbürste und einen Kamm dabei", erklären Kruppa und Schild.

Doch nicht nur zur Ankündigung des Freischießens sind die Trommelboes und der Herold unterwegs. Bei besonderen Anlässen wie dem Reformationsjubiläum, der Feier zum 1000-jährigen Bestehen Vöhrums oder ganz aktuell dem Tag der Niedersachsen lassen sie es sich nicht nehmen, die Farben der Stadt würdig zu vertreten.

„Besonders schön ist es immer, wenn wir bei Privatleuten zu Gast sind. Viele freuen sich ein ganzes Jahr auf unseren Besuch und laden Nachbarn und Freunde zu diesem Ereignis ein. Manchmal bekommen wir auf einer Tour mit, dass in einem Garten ein Geburtstag oder ein Hochzeitsjubiläum gefeiert wird, dann sind wir selbstverständlich dabei. Legendär ist auch die Pfeilerfete im Eulenring, zu der sich die ganze Nachbarschaft trifft und zu der auch die Junggesellen ihren Übungsmarsch lenken. Das kann schon mal eine lange Nacht werden", berichtet Schild.

Stets werden auch die Zelte der Korporationen besucht und das Königsschießen auf dem Sundern-Schießstand lassen sich die Trommelboes und der Herold in keinem Jahr entgehen. Die Rede, die der Herold hält, wird - zumindest im letzten Satz - gern mal von ihm individuell erweitert.

„Kai ist da sehr kreativ. Zum Ende der Touren hin ist der letzte Satz manchmal länger als die ganze Rede", scherzt Kruppa.

Die vergangenen beiden Jahre durften die Trommelboes und der Herold leider nur die Absage des Freischießens verkünden. Auch dabei haben sie aber immer der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass es bald wieder möglich sein werde, gemeinsam und ausgelassen zu feiern. Recht hatten sie - freuen wir uns in diesem Sinne auf das Freischießen 2022 - das beste in Deutschland, Europa, der Welt, wenn nicht sogar des ganzen Universums" -, wie der Herold sagen würde.