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750 Jahre Plockhorst: 100-jährige Ortschronik zum Jubiläum

Ortschronik erzählt Geschichte und Geschichten aus 100 Jahren

750 Jahre Plockhorst: 100-jährige Ortschronik zum Jubiläum Bildunterschrift anzeigen Bildunterschrift anzeigen

Freuen sich über ihr Dorfjubiläum (v. I.): Roland Toll, Heimatpflegerin Silke Freund, Bürgermeisterin Christine Malig, Mareike Marks und Günter Scharfschwerdt. Foto: Ralf Büchler

Jedes Jahr, am 4. April, wird in Plockhorst der Geburtstag der Ortschaft gefeiert. Seit 1974 als Gemeinschaftsfest und 2022 als Jubiläum, denn 750 Jahre ist es mittlerweile her, dass das Dorf erstmals urkundlich erwähnt worden ist. Bekanntlich sind Chroniken lebendige Geschichtsbücher und so hat sich bei den Nachforschungen zur neuen Ortschronik "Plockhorst - 100 Jahre" ergeben, dass eine Platztaufe eigentlich längst überfällig ist.

Denn: „In der Dorfstraße wurde 1933 eine sogenannte ,Hitlereiche' gepflanzt. Der Platz wurde damals Adolf-Hitler-Platz getauft. Bei Recherchen für unsere Ortschronik haben wir festgestellt, dass der Platz nie einen neuen Namen bekommen hatte", sagt Ortsheimatpflegerin Silke Freund. Grund genug, das endlich nachzuholen. So hat der Ortsrat Plockhorst-Eickenrode beschlossen, zum 750-jährigen Dorfjubiläum die offizielle Taufe des Platzes vorzunehmen. Die Veranstaltung findet mit Rücksicht auf die Ansteckungsgefahr durch die Coronalage im Freien statt. „Am kommenden Montag wird er Eichenplatz getauft“, freut sich Silke Freund.

Aufführung „Die zertanzten Schuhe" des "Kleinen Theaters" (von links): Elke Wiersdorff, Rita Ruthe, Uschi Krischer, Rosemarie Voiges, Bärbel Surburg, Gudrun Siemt, Ilse Siedentopp und Marlene Soest. Foto: privat
Urkunde aus dem Jahr 1272, 4. April Quelle: Staatsarchiv Wolfenbüttel

Sie hat die neue Ortschronik zusammengestellt, die dann ebenfalls erscheinen wird. Viele Bürgerinnen und Bürger aus Plockhorst hatten ihr dafür Fotos und Texte aus den letzten 100 Jahren zur Verfügung gestellt. Ehemalige Ortsansässige teilten ihre Erinnerungen in Erlebnisberichten. So entstand ein buntes Buch mit Geschichten, die zeigen, wie das Dorf zu seinem heutigen Erscheinungsbild gelang. Der Sinn für gestern mit den heutigen Möglichkeiten, die Vergangenheit für morgen aufzubewahren, zeigt sich auf vielen Seiten.

PLOCKHORST

„Mit dem Pfluge bearbeitete Horst"

Plockhorst entstand vermutlich in der Karolingerzeit als Rodung in der Bimgrabenniederung. Urkundlich wurde es 1272 zuerst erwähnt, als sechzehn Hufen zu Plockhorst mit Leuten und Knechten an das Blasienstift zu Braunschweig verkauft wurden.

Der Name Plockhorst leitet sich aus der Bezeichnung Horst für eine gerodete Waldfläche - Wald auf erhöhtem Grund neben abschüssigem, feuchtem Gelände - ab. Der Name kann "die mit dem Pfluge bearbeitete Horst" bedeuten oder stammt von der Bezeichnung"plog" für zinspflichtige Hofstelle.

Die früheste Siedlungsstelle war östlich des heutigen Dorfes näher an der Erse und wurde Lütjen Plockhorst genannt. Mitte des 16. Jahrhunderts als nach dem 30-jährigen Krieg Räuberbanden durch die Lande zogen, siedelten die Bewohner der zwei Höfe nach Eickenrode und Groten Plockhorst um, in die Sicherheit einer größeren Dorfgemeinschaft.

Als ein Meilenstein der Dorfgeschichte gilt das Jahr 1871. Seinerzeit wurde nördlich die Bahnstrecke Hannover-Berlin vorbeigeführt die Wandlung zum Eisenbahnerdorf begann. Ab 1910 wurde an der Bahnstrecke von Celle nach Braunschweig und Peine gebaut. Diese Kreuzung der Bahnlinien machte das Dörfchen Plockhorst berühmt und zum Bahnknotenpunkt mit Turmbahnhof, den Reisende aus fünf Richtungen nutzten. Zudem siedelten sich viele Bahnbeamte im Dorf an. Es entstanden Gebäude an der Bahnhofstraße und im Kruebusch.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Siedlungshäuser von Flüchtlingen und Vertriebenen hinzu. Mit der erweiterten Siedlungsfläche stieg die Einwohnerzahl 1950 auf 503. Zum Vergleich: 1905 lebten 116 Menschen in Plockhorst, 1924waren es bereits 192 Einwohner. Heute wohnen 776 Menschen in Plockhorst. Aus dem Bauerndorf wurde eine moderne Wohngemeinde mit Grundschule, Kindergarten und einem regen Vereinsleben. „Der ständige Zuzug in den letzten 100 Jahren bereicherte das kulturelle Leben und brachte eine freundliche Offenheit für Neues mit sich, die auch heute noch das Dorfleben ausmacht“, betont die Ortsheimatpflegerin.

In den 1950er Jahren war Plockhorst für eine Laienspielgruppe bekannt, die sich „Das kleine Theater" nannte. Junge und ältere Leute, Alteingesessene und als Flüchtling Zugezogene schlossen sich aus Freude am Theaterspiel zusammen und wurden bis nach Hannover bekannt für ihr Spiel. Der Erfolg der Gruppe vereinfachte so manchem Flüchtlingskind die Integration.

Wer den Ort erwandert, findet im ursprünglichen Dorf 300 Jahre alte Eichenhaine. Sie sind älter als die nach 1811 erbauten und zum Teil denkmalgeschützten Fachwerkgebäude. Die neueren Ortsteile werden durch den ehemaligen Bahndamm der Bahnstrecke Celle-Peine/Braunschweig getrennt. Diese geschützten Landschaftsteile betonen den grünen Charakter der Ortschaft. Auch die umliegende Landschaft bietet interessante Spazier- und Wanderwege.

Rund um den alten Kiesteich zwischen Plockhorst und Eickenrode führt ein Naturlehrpfad. Es lassen sich viele Wasservögel am Angelsee beobachten. Nördlich von Plockhorst fließt die Erse im FFH Gebiet, südlich des Ortes zeigt das Landschaftsschutzgebiet feuchte Wiesen und Waldstücke, in denen Störche und Reiher auf Futtersuche gehen. bik

WEITERE JUBILÄUMSVERANSTALTUNG:

Dorfflohmarkt am 28. Mai. 

Noch bis zum 11. April kann ein Stand angemeldet werden, per E-Mail bei:guenter.scharfschwerdt@web.de.

Nach zweijähriger coronabedingter Zwangspause ist ein feierliches Schützenfestwochenende 2022 geplant.

Mit "Plockhorst aktiv" soll im August ein Fest der Vereine begangen werden. Auch hierfür läuft die Planung.