Ryanair, Eurowings, Lufthansa

„Zeit der Ultrabilligtickets ganz klar vorbei“: Wie viel müssen wir ab dem Winter für Flüge zahlen?

Ein Billigflugticket für unter 10 Euro? Diese Zeiten sind laut einigen Airlines vorbei.

Ein Billigflugticket für unter 10 Euro? Diese Zeiten sind laut einigen Airlines vorbei.

Zusätzlich zum Jahresurlaub mal eben übers Wochenende nach London, Madrid oder in andere Metropolen Europas fliegen – das war aufgrund von Billigflügen lange möglich. Vor der Corona-Pandemie ist die Anzahl der Flüge jährlich massiv gestiegen: alleine von 2014 von 36,9 Millionen Flügen bis 2019 auf 46,8 Millionen. Ist diese Ära nun vorbei? Ryanair und Eurowings kündigen das Ende der Ultrabilligtickets an, auch Lufthansa spricht von Preissteigerungen.

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Ryanair: keine Flüge mehr für 9,99 Euro

Über Jahrzehnte mischte Ryanair den europäischen Markt mit Billigflügen für zum Teil 99 Cent auf – und konkurriert mit anderen Billigairlines um die günstigsten Angebote. Nun will Ryanair-Chef Michael O’Leary auf eine neue Preisstrategie setzen: „Es besteht kein Zweifel daran, dass unsere billigen Sondertarife wie die Ein-Euro-Tarife, die 99-Cent-Tarife und auch die 9,99-Euro-Tarife in den nächsten Jahren nicht mehr zu finden sein werden“, sagte er in einem Interview mit der BBC.

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Bereits Anfang Juli sprach O’Leary davon, dass die Flugpreise „zu billig“ geworden seien und in den nächsten fünf Jahren steigen. Die derzeit durchschnittlichen Preise bei Ryanair hebe die Airline auf mittelfristig 50 bis 60 Euro pro Flugticket an. Grund dafür sei eine Kombination aus steigenden Treibstoffkosten und Inflation. Aber auch Umweltabgaben, steigende Personalkosten und Flugsicherungsgebühren würden dazu beitragen.

Höhere Preise bei Eurowings: Ära der „Ultrabilligtickets“ endet

Auch Eurowings spricht von Preissteigerungen in der Branche. „Aus unserer Sicht ist die Zeit der Ultrabilligtickets ganz klar vorbei“, betont Eurowings-Sprecher Florian Gränzdörffer gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Fliegen wird teurer und muss auch teurer werden – da reicht ein Blick auf die Rekordstände des Ölpreises jenseits der 100-Dollar-Marke.“

Alleine bei Eurowings würden die Kostensteigerungen einen dreistelligen Millionenbetrag ausmachen. Entsprechend werde die Airline Tarife, die bereits etwa 10 Prozent teurer sind als 2019, um mindestens weitere 10 Prozent nach oben anpassen müssen. Anders sei die Belastung des Ölpreisschocks nicht zu schultern.

Man wolle weiterhin und auch im Winter für erschwingliche Flüge sorgen, so Gränzdörffer, doch angesichts dieser Belastungen könne es nicht mehr so günstig bleiben. In dem Zuge kritisiert er auch das Preisdumping in der Vergangenheit: „Ökonomisch wie ökologisch war es in diesem Kontext dabei wenig sinnstiftend, dass aggressive Wettbewerber mit Flugpreisen zum Wert eines Kinotickets ein völlig falsches Bild unserer Branche und dem komplexen Produkt ‚Flug‘ gezeichnet haben.“

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Eurowings kritisiert Ultrabilligtickets in der Vergangenheit der Flugbranche.

Eurowings kritisiert Ultrabilligtickets in der Vergangenheit der Flugbranche.

Fluggastrechtsexperte: Airlines wollen sich „wirtschaftlich wieder gesundstoßen“

Laut Oskar de Felice, Leiter der Rechtsabteilung beim Fluggastrechteportal Flightright, hätten sich tatsächlich viele Passagierinnen und Passagiere in den letzten Jahren vor der Pandemie an immer günstigere Flugpreise gewöhnt, die besonders von Billigairlines wie Ryanair und Easyjet vorangetrieben wurden. Dieser Preiskampf habe erst durch die Pandemie und jetzt auch die gesamte Wirtschaftskrise an Fahrt verloren, da die Kostenbasis der Airlines sich erhöht habe.

Inwiefern Airlines Preissteigerungen durch höhere Kerosinpreise und Co. an ihre Kundinnen und Kunden weitergeben dürfen, sei nicht reguliert, „sodass die Höhe der Ticketkosten allein in der Verantwortung der Airlines liegt“, so de Felice. „Sie bestimmen den Preis, den Passagierinnen und Passagieren in diesen Tagen zahlen müssen, um in ihren wohlverdienten Urlaub zu fliegen.“

Gleichzeitig würden die Airlines die aktuelle Reiselust der Reisenden ausnutzen, „um sich wirtschaftlich wieder gesundzustoßen“, moniert der Fluggastrechtsexperte. „Insbesondere bei Lufthansa tritt diese Taktik deutlich zutage. Die Airline storniert in erheblichem Maße günstig gebuchte Flüge und bietet dann nur noch deutlich teurere Tickets an – nur die höchsten Buchungsklassen waren verfügbar“, sagt de Felice dem RND.

„Dabei ist jede Airline verpflichtet, bei einer Flugstreichung ohne weiteren Aufpreis eine alternative Beförderung anzubieten. Es kann nicht sein, dass die Fluggesellschaften die Unwissenheit der Reisenden ausnutzen, um mehr Geld für Tickets zu erhalten.“

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Lufthansa: gestrichene Flüge in Frankfurt und München

Lufthansa wehrt sich gegen den Vorwurf, absichtlich günstige Tickets storniert zu haben, um sie teurer zu verkaufen. „Diese Annahme ist nicht korrekt“, sagt eine Airlinesprecherin dem RND. Es seien vor allem Flüge in Frankfurt und München gestrichen worden, um das System während des Flughafen-Chaos im Sommer zu entlasten. Die Anpassungen beträfen im Wesentlichen innerdeutsche und innereuropäische Flüge, für die es überwiegend alternative Beförderungsmöglichkeiten gebe – beispielsweise andere Flüge oder die Bahn.

In dem Fall, dass Lufthansa einen Flug storniert, würden Passagierinnen und Passagiere kostenlos auf den nächstmöglichen Flug in der gleichen Reiseklasse und zum gleichen Ziel umgebucht. Der ursprünglich gebuchte Tarif bleibe bestehen, einen Aufpreis müssen sie Passagierinnen und Passagiere nicht zahlen.

Lufthansa: höhere Ticketpreise aufgrund Preisentwicklung des Kerosins

Wie teuer die Tickets künftig werden könnten, dazu äußert sich Lufthansa nur vage und spricht von zu erwartenden Preisanstiegen „in einem gewissen Maße“. Weiter heißt es gegenüber dem RND: „Grundsätzlich werden unsere Preise durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Lufthansa nimmt dabei regelmäßig Preisanpassungen vor, jedoch richten wir uns hierbei nach den Markgegebenheiten.“ Hinzu käme zwar als wesentlicher Kostendruck für Airlines die Preisentwicklung des Kerosins, dessen Preisanstieg an die Kundinnen und Kunden weitergegeben werde. Dennoch sei es der Markt, der den Preis vorgibt.

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„Dieser Markt zeichnet sich durch starken Wettbewerb aus, der einen Preisanstieg nur bedingt zulässt“, heißt es. Von einer kompletten Weitergabe des Kostenanstiegs an Kundinnen und Kunden könne laut Lufthansa also nicht gesprochen werden. Preise würden sich somit je nach Region und Flug unterscheiden. Zusätzlich würden weitere Faktoren wie zum Beispiel die Auslastung der Flüge bei der Preissetzung eine Rolle spielen.

Fliegen trotz teurerer Tickets? Expertinnen und Experten sehen Fluglust ungebrochen

Unabhängig davon, wie teuer das Fliegen künftig sein wird, scheint nach der langen Pandemiezeit und dem Verzicht auf Urlaubsreisen die Fluglust ungebrochen. „Wir sehen, dass sich die Passagierzahlen schneller erholen als gedacht und sich dem Vor-Corona-Niveau langsam angleichen“, so de Felice. „Daran werden auch höhere Ticketpreise nicht so schnell etwas ändern.“ Der Flightright-Experte vermutet, dass die Menschen eher in anderen Lebensbereichen Abstriche vornehmen werden, als auf das Reisen und somit Fliegen zu verzichten.

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