Deutschland im Winter

Hohe Kosten, weniger Einnahmen: Dehoga sieht jedes fünfte Hotel vor dem Aus

Geschlossen ist dieses Hotel in Rüdesheim.

Geschlossen ist dieses Hotel in Rüdesheim.

Seit 25 Jahren kocht Björn Wolters im urigen Gasthaus „Zur Börse“ an der niedersächsischen Nordseeküste. Seine bürgerlich-regionale Küche wurde mehrfach ausgezeichnet, die „Börse“ in den „Guide Michelin“ aufgenommen. „Wir haben uns einen Namen erkocht“, sagt der Gastronom selbstbewusst. Doch wie lange er das rote Fachwerkhaus in Wremen noch halten kann, weiß er aktuell nicht. Es bleibe immer weniger hängen. „Ich sehe das kommende Jahr mit Bauchschmerzen“, so Wolters. Und damit ist er in der Branche nicht allein.

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Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) berichtet von einer angespannten Stimmung unter den Gastronomen und Hoteliers. „Wenn jetzt nicht gehandelt wird, geht für immer das Licht aus“, warnt der Dehoga-Verbandsvorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern, Lars Schwarz. Zwar sei die Buchungslage in den Sommermonaten gut gewesen, doch die Sorge vor dem Winter wächst. „Drei oder vier gute Monate reichen uns nicht. Es ist entscheidend, was in der Zeit bis Ostern passiert“, so Schwarz gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Der Dehoga hat unter seinen Mitgliedern eine Blitzumfrage gestartet. Das Ergebnis: Nachdem sich über den Sommer die Krisensituation leicht entspannt hatte, bangen nun im gesamten Bundesgebiet sechs von zehn Gastbetrieben um ihre Existenz. Grund seien vor allem die gestiegenen Kosten für Energie, Lebensmittel und Personal. So seien allein die Energiekosten ab Oktober durchschnittlich um 55 Prozent gestiegen, ab Januar werden es 96 Prozent sein. „Einen Teil der Kosten können wir an die Gäste weitergeben, aber sie lassen sich nicht komplett umlegen“, sagt Schwarz.

Gäste sparen beim Urlaub

Die Folgen der Krise zeigen sich auch im fehlenden Geschäft. „Die Gäste sind verunsichert. Sie wissen ja selbst nicht, wie sie in ein paar Monaten finanziell dastehen“, sagt Renate Mitulla vom Dehoga in Niedersachsen. Da fallen als erstes Kurzurlaube weg, beim Essengehen werde gespart. Und so meldet die Branche für die Zeit von Januar bis September ein Umsatzminus von 10 Prozent, verglichen mit dem Zeitraum im Vor-Corona-Jahr 2019. Aller Voraussicht nach wird 2022 damit zum dritten Verlustjahr in Folge für das Hotel- und Gaststättengewerbe werden.

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Viele Betriebe haben sich der neuen Herausforderung bereits angepasst. „Die Öffnungszeiten wurden verkürzt, Gerichte so geändert, dass weniger Energie verbraucht wird“, erklärt Mitulla. Glück haben die Betriebe, die bereits vor der Krise auf autarke Energiegewinnung umgestiegen sind. „Es ist eine ungewisse Zeit. Wir erzeugen mit Fotovoltaik und einem Blockheizkraftwerk selber Strom. Aber für Kollegen, die kurzfristig Verträge abschließen müssen, sieht es schlecht aus“, weiß Florian Buchebner vom Hotel Birke in Kiel.

Hoteliers und Gastronomen hoffen auf Energiepreisbremse

Hilfe erhoffen sich die Hoteliers und Gastronomen von der Energiepreisbremse. „Die muss schnell kommen. Ansonsten wird es für große Teile der Branche zu spät sein“, so Schwarz. Ohne Entlastung durch die Politik sehen sich laut der Dehoga-Umfrage schon jetzt 19 Prozent der Betriebe zur Aufgabe gezwungen. Die Betriebe bräuchten Planungssicherheit, damit Betriebsaufgaben und Insolvenzen verhindert werden können. „Das muss jetzt oberste Priorität haben.“

RND/mat

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