Expertin ist skeptisch

Xavier Naidoo: Was eine Expertin zu seiner Distanzierung von Verschwörungstheorien sagt

Teilnehmer einer Corona-Demo halten im Mai 2020 das Bild von Xavier Naidoo hoch.

Teilnehmer einer Corona-Demo halten im Mai 2020 das Bild von Xavier Naidoo hoch.

Xavier Naidoo hat sich in einem am Dienstagabend veröffentlichten Video überraschend von Rechtsextremismus und Verschwörungstheorien distanziert. „Ich habe erkannt, auf welchen Irrwegen ich mich teilweise befunden habe und dass ich in den letzten Jahren viele Fehler gemacht habe“, sagte der 50-Jährige in dem rund dreiminütigen Video. „Ich habe mich Theorien, Sichtweisen und teilweise auch Gruppierungen geöffnet, von denen ich mich ohne Wenn und Aber distanziere und lossage. Ich war von Verschwörungserzählungen geblendet und habe sie nicht genug hinterfragt“, so Naidoo weiter.

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Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass sich der ehemalige Frontman der Söhne Mannheims von seinen Aussagen distanziert. Schon 2009 wurden ihm in seinen Liedtexten antisemitische Chiffren vorgeworfen. Naidoo bestritt das. 2012 musste er sich dann mit dem Vorwurf der Homophobie befassen, es ging um den Text des Songs „Wo sind sie jetzt?“. Wieder betonte Naidoo anschließend, er sei fehlinterpretiert worden. Die Liste der Vorwürfe ließe sich weiterführen, meistens folgte jeweils eine Zurückweisung oder Relativierung des Sängers.

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Dass sich Naidoo jetzt von Verschwörungserzählungen distanziert und um Entschuldigung bittet, kommt für viele überraschend, schien der Sänger in den letzten Jahren doch immer tiefer in krude Theorien abgerutscht zu sein. Seit Beginn der Corona-Pandemie radikalisierte er sich und verschwand weitestgehend von der Bildfläche der Musikwelt. Stattdessen suchte er sich ein neues Publikum, verbreitete seine Verschwörungserzählungen auf dem Messengerdienst Telegram und nahm unter anderem mit dem rechtsextremen Sänger Hannes Ostendorf einen Song und ein Video auf.

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Ist die Distanzierung glaubwürdig?

Was ist also jetzt von seiner Distanzierung zu halten? „Beim Fall Xavier Naidoo handelt es sich nicht um eine kurze Phase der Radikalisierung, sondern um ein radikal ausgeprägtes, verschwörungsideologisches Weltbild mit starken Feindbildern“, erklärt die Bürgerrechtlerin und Publizistin Katharina Nocun im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Sie forscht zu Verschwörungsmythen und hat gemeinsam mit der Sozialpsychologin Pia Lamberty zwei Bücher dazu veröffentlicht. „Wenn jemand wie Xavier Naidoo von einem sehr radikalen Arm der Bewegung so lange als Aushängeschild genutzt wurde, und selbst sehr radikale Inhalte verbreitet hat, dann reicht ein kurzes, unkonkretes Video als Distanzierung nicht aus.“

Nocun argumentiert, dass in dem Video nicht deutlich wird, von was sich der Sänger genau distanziert. „Er nennt keine konkreten Gruppierungen oder Personen.“ Ob es sich wirklich um eine umfängliche Distanzierung handele, bleibe abzuwarten. „Erfahrung macht vorsichtig“, sagt sie. „In der Szene gibt es sehr viele Distanzierungen. Von Rechtsextremen zum Beispiel. Aber gleichzeitig macht man sich mit ihnen gemein.“

Ist ein Weg zurück möglich?

Nocun gibt zu bedenken, dass Xavier Naidoo als Prominenter eine besondere Verantwortung habe, „weil er für viele eine Türöffnerfunktion in die radikalen Milieus erfüllt hat“. Dort wieder rauszukommen könne schwierig sein. „Menschen können sich sehr stark in kurzer Zeit in ihrem Glauben radikalisieren“, sagte Nocun bereits im vergangenen Jahr in einem RND-Interview. Daher sei es wichtig, so früh wie möglich zu intervenieren.

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Freunden oder Angehörigen empfiehlt sie, sich an professionelle Beratungsstellen zu wenden. „In Berlin gibt es mit Veritas eine Stelle, die sich auf Verschwörungsglauben spezialisiert hat. Ansonsten sind die Sektenberatungen auch eine gute Adresse.“ Außerdem habe die mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Erfahrung im Umgang mit rechtsextremen und antisemitischen verschwörungsideologischen Gruppierungen.

Musikproduzent Thomas M. Stein, der selbst bei der ersten „DSDS“-Staffel in der Jury saß und auch Xavier Naidoo persönlich kennengelernt hat, glaubt, dass der Sänger musikalisch nun wieder durchstarten könnte. „Die ganze Situation ist ihm aus der Hand geglitten. Das ist blöd gelaufen. Aber er hat sich über die Jahre seine Kreativität bewahrt“, sagte Stein im Gespräch mit dem RND. „Ich glaube, er hat eine reelle Chance, wieder in der Öffentlichkeit stattzufinden.“

Auf eine Anfrage des RND tellt das Management von Xavier Naidoo mit: „In der Hoffnung, dass die aktuelle Notsituation rasch ein Ende findet, wird es sicherlich zu einem späteren Zeitpunkt Gelegenheit für weitere Erläuterungen zu den Hintergründen von in der Stellungnahme getroffenen Aussagen geben.“ Für Naidoo hätten gerade „private Hilfsmaßnahmen für Familie, Freunde und andere Hilfsbedürftige aus der Ukraine“ oberste Priorität.

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