Iran schickt Putin Drohnen

Krieg der Drohnen: In der Ukraine beginnt das Rennen um die schlaueren Systeme

Eine neue Drohne mit dem Namen "Gaza" aus dem Iran.

Eine neue Drohne mit dem Namen "Gaza" aus dem Iran.

Kiew. Die ersten Raketen, die von einer US-Drohne abgefeuert wurden, richteten sich gegen die Taliban in Afghanistan. Das war 2001. Seitdem sind die unbemannten Luftfahrzeuge zu einem integralen Bestandteil moderner Kriegsführung geworden. Aber niemals zuvor hat man Drohnen in Konflikten so intensiv genutzt wie jetzt in der Ukraine: So klein sie auch sind, spielen sie oft eine große Rolle dabei, wer lebt und wer stirbt. Sowohl die russischen Invasoren als auch die Ukrainer stützen sich stark auf die Fluggeräte, um feindliche Stellungen auszumachen und ihre Artillerie-Angriffe entsprechend auszurichten.

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Aber nach monatelangen Kämpfen sind die ukrainischen und russischen Drohnen-Flotten stark ausgedünnt, und beide Seiten befinden sich nun in einer Art Wettlauf, jene Art von elektronisch schwer zu störenden fortschrittlichen Fluggeräten zu bauen oder zu kaufen, die ihnen einen entscheidenden Vorteil bescheren könnten.

So enthüllte das Weiße Haus kürzlich, dass es über Informationen verfüge, denen zufolge der Iran Moskau im Eiltempo mit „bis zu mehreren Hundert“ Drohnen versorgen will. Sie haben militärisch einen guten Ruf: Aus dem Iran stammenden Fluggeräten ist es gelungen, von den USA gelieferte Luftverteidigungssysteme Saudi-Arabiens und der Emirate im Nahen Osten zu durchdringen.

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„Die russische Drohnen-Streitmacht mag weiter leistungsfähig sein, aber sie ist erschöpft“, sagt Samuel Bendett, ein Analyst der auf militärische Sicherheitsfragen spezialisierten US-Denkfabrik CNA. Die iranischen Drohnen seien bewährte Systeme und daher attraktiv für die Russen. Derweil strebten die Ukrainer nach Mitteln, „um aus einer bedeutenden Entfernung russische Kommando- und Kontrolleinrichtungen treffen zu können“, sagt der Experte.

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Unter den Opfern sollen auch Kinder sein, teilten die ukrainischen Behörden mit.

Die Nachfrage nach serienmäßig produzierten Modellen ist in der Ukraine weiterhin stark, und so sind es auch die Bemühungen, Amateur-Drohnen derart zu modifizieren, dass sie widerstandsfähiger gegen Störmaßnahmen werden. „Die Zahl, die wir benötigen, ist immens“, sagte Juri Schtschygol, ein hochrangiger ukrainischer Offizieller, am Mittwoch Journalisten.

Das Land hat eine neue Internet-Kampagne namens „Army of Drones“ gestartet, um Geld für die Anschaffung neuer Drohnen zu sammeln. Auch die Russen versuchen, via Crowdfunding Mittel zusammenzubekommen, um auf dem Schlachtfeld verlorene Systeme zu ersetzen.

Schtschygol zufolge strebt die Ukraine erst einmal den Kauf von 200 militärischen Drohnen der Nato-Güteklasse an, aber benötigt die zehnfache Menge. Ukrainische Kämpfer klagen, dass sie einfach nicht über die militärtauglichen Fluggeräte verfügten, die nötig seien, um russischen Störmaßnahmen und ferngesteuertem Hijacking standhalten zu können. Die zivilen Modelle, auf die sich die Ukrainer zumeist stützen, lassen sich relativ leicht aufspüren, und es kommt nicht selten vor, dass die Drohnen-Piloten, die sie fernsteuern, kurz nach der Entdeckung ihrer Fluggeräte von den Russen unter Beschuss genommen werden.

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Bendett sieht jetzt im Vergleich zu den ersten Kriegsmonaten auch weniger Hinweise darauf, dass russische Drohnen abgeschossen werden. „Die Ukrainer hängen in den Seilen“, sagt er. Erschwerend kommt hinzu, dass der ukrainische „Held“ der frühen Kriegswochen, die laser-gelenkte Bomben abwerfende Drohne Bayraktar TB-2 aus türkischer Schmiede, angesichts der dichteren russischen Luft- und elektronischen Verteidigung weniger wirksam geworden ist. Die Drohne war der Star vieler patriotischer ukrainischer Videos.

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Die Russen seien in einer viel besseren Position, weil sie Drohnen mit großer Reichweite einsetzten, die darauf angelegt seien, elektronischen Gegenmaßnahmen zu entgehen, sagte kürzlich der Leiter einer ukrainischen Luftaufklärungseinheit Reportern der Nachrichtenagentur AP.

Am Boden verfügen die Russen über deutlich mehr Einheiten für elektronische Kampfführung, die Kommunikationen von Drohnen-Piloten sowie Live-Video unterbrechen und die Drohne zum Absturz bringen können. Daher der Bedarf der Ukrainer an fortschrittlichen Fluggeräten, die weniger anfällig für elektronische Störungen sind und über bessere Technologien für Kommunikation und Navigation verfügen.

Am dringendsten braucht die Ukraine aber Drohnen, die neu gelieferter, weit reichender westlicher Artillerie helfen können, entfernte Ziele zu treffen, wie Maksym Musyka, ein Gründer des ukrainischen Drohnen-Herstellers UA Dynamics, sagt. Ein Topberater von Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach Mitte Juni von 1000 Drohnen, die das Land benötige, um den Krieg zu beenden.

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Das russische Arsenal an militärischen Drohnen großer Reichweite übertrifft das ukrainische, aber ist auch geschrumpft. So hat Russland Bendett zufolge etwa 50 Orlan-10-Drohnen - das häufigste Modell in seinem Arsenal - verloren. Juri Borissow, ein russischer Vizeministerpräsident, beklagte unlängst, dass die Entwicklung von Drohnen vor dem Krieg nicht robust genug gewesen sei. Nach seinen Angaben treibt Russland die Herstellung einer Vielfalt an Drohnen voran, aber das lasse sich nicht „von heute auf morgen machen“.

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Laut einem jüngsten Bericht der britischen Denkfabrik Rusi hat eine ukrainische Drohne derzeit eine Lebensdauer von etwa einer Woche. Russische Einheiten zur elektronischen Kriegsführung setzten der ukrainischen Aufklärung „bedeutende Grenzen“, hieß es weiter, und die Ukraine benötige dringend Killer-Drohnen, um sie auszuschalten. Nach derzeitigem Stand seien die russischen Streitkräfte generell in der Lage, ukrainische Ziele drei bis fünf Minuten nach ihrer Entdeckung durch eine Aufklärungsdrohne unter präzisen Beschuss zu nehmen.

Die USA und Verbündete haben der Ukraine Hunderte von Drohnen geliefert, darunter eine unbekannte Zahl von „Kamikaze“-Fluggeräten des Typs Switchblade-600, deren Sprengköpfe Panzer penetrieren können. Schtschygol zufolge zählen „Kamikaze“-Drohnen und Modelle, die den dichten russischen Vorhang elektronischer Kriegsführung überleben können, zu den Prioritäten auf der ukrainischen Wunschliste für weitere westliche Lieferungen.

Begehrt sein dürfte auch mehr an Anti-Drohnen-Ausrüstungen, wie sie die Ukraine bereits von westlichen Unternehmen erhalten hat. Dazu zählen Technologien, die nicht nur den Ort eines Fluggeräts ausmachen können, sondern auch, um welches Modell es sich handelt. Das macht es leichter, die Drohne auszuschalten - Teil des komplexen Katz-und Maus-Spiels im Krieg der Drohnen in der Ukraine.

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RND/AP

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