Enge, Durst und Hitzestress

Tiertransporte bei großer Hitze: Wenn es im Anhänger 40 Grad werden

Mastschweine sind in einem Lkw für den Transport zum Schlachthof zu sehen.

Mastschweine sind in einem Lkw für den Transport zum Schlachthof zu sehen.

Während sie über die heißen Straßen rollen, spielen sich an Bord oft grausame Szenen ab: Dutzende Schweine tummeln sich dicht an dicht. Zwar sind draußen 40 Grad, doch im Inneren ist es oftmals heißer. Die spärlichen Trinkmöglichkeiten sind hart umkämpft.

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In der aktuellen Hitzewelle leiden Millionen Tiere auf Europas Straßen. Die Bedingungen der Transporte sind oft nicht artgerecht: keine Klimaanlage, viel zu lange Fahrten, Enge und Durst können mitunter lebensgefährlich sein, teilt die Tierschutzorganisation Animals‘ Angels mit. Die Tiere würden bei hohen Temperaturen massiv unter sogenanntem Hitzestress leiden, heißt es weiter.

Mehr noch: Schweine hätten bereits bei unter 30 Grad Celsius erhebliche Probleme, ihre Körpertemperatur zu regulieren. In den engen Anhängern mit ihren niedrigen Decken hätten sie oft unfreiwilligen, engen Kontakt zu Artgenossen. Noch schlimmer mache es die schlechte Luftzirkulation: Die Schweine können überhitzen.

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Qualvolle Fahrt: In der aktuellen Hitzewelle leiden Millionen Tiere auf Europas Straßen.

Qualvolle Fahrt: In der aktuellen Hitzewelle leiden Millionen Tiere auf Europas Straßen.

Legal ist das, solange die Temperatur an Bord 30 Grad nicht übersteigt. So schreibt es eine EU-Verordnung für Tiertransporte über acht Stunden vor. Die Fahrzeuge müssen allerdings zusätzlich mit Ventilatoren ausgestattet sein, um die Temperatur zu halten, während das Fahrzeug fährt oder steht. Allerdings: Für kurze Tiertransporte unter acht Stunden gelten diese Anforderungen nicht. Nur bei über 30 Grad gilt ein Limit von viereinhalb Stunden – vorausgesetzt es handelt sich um Schlachttiere.

Trinkvorrichtungen teils hart umkämpft

Oftmals blieben die Tiere zudem durstig und würden dehydrieren. Die Trinkvorrichtungen in den Fahrzeugen seien regelmäßig leer, defekt oder ausgeschaltet. Auch seien sie manchmal nicht für die transportierte Tierart geeignet oder den Tieren fremd, nicht erreichbar, oder von anderen Tieren versperrt, heißt es von Animals‘ Angels. In anderen Fällen seien sie sporadisch platziert und deshalb hart umkämpft oder mit Exkrementen verschmutzt.

Einige EU-Agrarminister wollen dem jetzt ein Ende setzen. In einem gemeinsamen Positionspapier fordern sie schärfere Regeln für Tiertransporte. Das Papier ist eine geeinte Erklärung der zuständigen Ministerinnen und Minister in Belgien, Dänemark, Deutschland, den Niederlanden und Schweden. In diesem Positionspapier fordern die Staaten einen besseren Tierschutz beim Transport. „Tiere sind fühlende Wesen – dass immer noch so viele von ihnen auf langen Transporten leiden, können wir nicht länger hinnehmen“, sagte Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) am Montag.

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Am Montag stellte der dänische Landwirtschaftsminister Rasmus Prehn im Namen aller EU-Staaten ein Positionspapier auf der Tagung des Europäischen Rates für Landwirtschaft und Fischerei vor. „Die geltenden EU-Tierschutzvorschriften sind veraltet, und ich bin daher froh darüber, dass die EU-Kommission eine Überarbeitung bis Ende 2023 zugesagt hat.“

Neu geplant ist zum Beispiel die Festlegung von Temperaturbereichen, die speziell auf die einzelnen Tierarten zugeschnitten sind und die innerhalb des Transportmittels eingehalten werden müssen. Auch Empfehlungen zur Fahrzeugdeckenhöhe sind in Arbeit.

Ein Video zeigt den Polizisten aus Hannover bei der Manipulation des Verkehrsschildes.

Was wurde aus dem Polizisten, der ein Verkehrsschild in Hannover manipulierte?

Aus Sicht von Animals‘ Angels ist die Überarbeitung der Verordnung längst überfällig. „Das gemeinsame Positionspapier an die EU-Kommission greift Themen auf, deren Umsetzung wir seit Jahren fordern“, so Helena Bauer, Projektmanagerin bei Animals‘ Angels gegenüber dem RND.

„Besonders unterstützen wir die Forderungen nach einer generellen Transportzeitbegrenzung sowie einer Beschränkung der Exporte von Tieren in Drittländer ohne vergleichbare EU-Tierschutzstandards.“ Jetzt sei es wichtig, dass auch die übrigen EU-Mitgliedsstaaten dieses Positionspapier unterstützen und die EU-Kommission Vorschläge erarbeite, die vor allem im Sinne der Tiere seien.

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