Die Nacht im Überblick

Selenskyj: Moskau nutzt Gas zur Erpressung

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Moskau vor, Energie zur Erpressung zu nutzen. „Russland braucht diese Pipelines nur, um in Europa Probleme zu schaffen, nicht um mit Gas zu helfen“, sagte er am Freitag.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Moskau vor, Energie zur Erpressung zu nutzen. „Russland braucht diese Pipelines nur, um in Europa Probleme zu schaffen, nicht um mit Gas zu helfen“, sagte er am Freitag.

Kiew. Zu den deutschen Sorgen wegen der Gasversorgung kommt noch ein dreitägiger Lieferstopp für russisches Gas Ende August. Wegen Wartung einer Turbine werde vom 31. August bis 2. September kein Gas durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 nach Deutschland transportiert, kündigte der russische Gaskonzern Gazprom an.

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Moskau vor, Energie zur Erpressung zu nutzen. „Russland braucht diese Pipelines nur, um in Europa Probleme zu schaffen, nicht um mit Gas zu helfen“, sagte er am Freitag. Je eher die europäischen Staaten sich unabhängig von russischer Energie machten, desto eher würden sie ruhig durch die Winter kommen. Ohne FDP-Vize Wolfgang Kubicki zu nennen, sprach Selenskyj von „absurden Äußerungen“ in Deutschland, Nord Stream 2 in Betrieb zu nehmen.

+++ Alle Entwicklungen zum Krieg gegen die Ukraine im Liveblog +++

Auf der annektierten Halbinsel Krim war die russische Flugabwehr am Freitag den zweiten Abend in Folge aktiv und schoss angeblich Drohnen ab. Als Orte wurden Sewastopol, der Heimathafen der russischen Schwarzmeerflotte, und der Badeort Jewpatorija genannt. Beobachter schlossen nicht aus, dass die Ukrainer damit vor möglichen Angriffen die russische Luftabwehr testen.

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Für das osteuropäische Land ist Samstag der 178. Tag des Abwehrkampfes gegen die russische Invasion. UN-Generalsekretär António Guterres wollte nach Stationen in der Ukraine und der Republik Moldau am Samstag Istanbul besuchen. Dort werden die Schiffe kontrolliert, die Getreide aus ukrainischen Häfen ausführen.

Drei Tage Gasstopp zur Wartung einer Turbine

Wie Gazprom mitteilte, soll die einzige funktionierende Turbine der Kompressorstation Portowaja überprüft und überholt werden. Dies solle in Zusammenarbeit mit Spezialisten von Siemens Energy geschehen. Von Siemens Energy gab es keinen Kommentar zu der Ankündigung. Ein Sprecher der Bundesnetzagentur teilte mit, man beobachte die Lage im Austausch mit der Gaswirtschaft und dem Bundeswirtschaftsministerium. Die Ukraine bot ihr Pipeline-System als Ausweichmöglichkeit an.

Der Gasfluss über Nord Stream 1 liegt derzeit bei 20 Prozent der Kapazität. Diese Gasmenge, etwa 33 Millionen Kubikmeter am Tag, solle auch nach dem Stopp wieder fließen, versprach Gazprom.

Deutschland will wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine die Abhängigkeit von russischem Erdgas verringern. Um die Speicher für die Heizsaison zu füllen, wird nach anderen Lieferanten gesucht. Kubicki hatte am Freitag gefordert, trotzdem russisches Gas durch die fertige, aber brachliegende Leitung Nord Stream 2 zu beziehen. Dafür wurde er stark kritisiert, denn die Pipeline gilt als Moskauer Instrument, Deutschland abhängiger von Russland zu machen.

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Russische Flugabwehr auf der Krim aktiv

Die 2014 von Russland annektierte Krim wird als Rückraum für die in der Südukraine angreifenden russischen Truppen immer unsicherer. In der Nähe von Jewpatorija im Westen der Halbinsel Krim hatte es vergangene Woche verheerende Explosionen auf dem Fliegerhorst Saki gegeben, die zahlreiche russische Kampfflugzeuge zerstörten.

Über Sewastopol habe die Flugabwehr ihre Ziele getroffen, teilte der russische Verwaltungschef der Stadt, Michail Raswoschajew, mit. „Wie viele andere Einwohner haben ich Explosionen über dem Zentrum gehört“, schrieb er auf Telegram. „Vermutlich Drohnen.“ Nicht verifizierte Videos im Internet, die angeblich aus Sewastopol und Jewpatorija stammten, zeigten Leuchtspuren von Flugabwehrfeuer. Am Donnerstagabend waren angeblich Drohnen über der Stadt Kertsch und dem Militärflugplatz Belbek bei Sewastopol abgeschossen worden.

Ukrainer spenden ihrer Armee bessere Satellitenbilder

Die ukrainische Armee hat dank Waffenlieferungen aus dem Ausland seit einigen Wochen ihre Taktik geändert: Mit weitreichenden Mehrfachraketenwerfern schaltet sie russische Munitionsdepots, Transportwege und Kommandozentralen weit hinter der Front aus. Dank einer Spendenkampagne bekommt die ukrainische Armee nun schnellen Zugriff auf hochgenaue Satellitenbilder. Die Kombination der Aufklärungsbilder mit modernen Waffen eröffne neue Möglichkeiten im Kampf gegen Russland, sagte Verteidigungsminister Olexij Resnikow.

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Laut Vertrag mit dem finnischen Anbieter ICEYE darf die ukrainische Regierung rund um die Uhr einen Radarsatelliten nutzen, der auch bei Nacht oder Wolken Bilder liefert. Das Geld kam durch eine Spendenkampagne zusammen, die Fernsehmoderator Serhij Prytula in der Ukraine gestartet hatte.

Wolfgang Kubicki: „Wir sollten Nord Stream 2 jetzt schleunigst öffnen“

FDP-Vize Wolfgang Kubicki fordert im Interview mit RND-Korrespondent Tobias Peter die Öffnung von Nord Stream 2, um mehr russisches Gas ins Land zu bekommen.

USA stocken Militärhilfe auf

Die US-Regierung kündigte weitere Militärhilfen für die Ukraine von rund 775 Millionen US-Dollar (rund 772 Millionen Euro) an. Das geplante Hilfspaket soll unter anderem 15 Überwachungsdrohnen vom Typ ScanEagle, 40 minengeschützte Fahrzeuge und 16 Panzerhaubitzen umfassen. Auch Munition für die Mehrfachraketenwerfer Himars gehört dazu. Damit erhöht sich die US-Militärhilfe seit Beginn der Amtszeit von US-Präsident Joe Biden auf insgesamt 10,6 Milliarden US-Dollar.

Das wird am Samstag wichtig

UN-Generalsekretär Guterres will am Samstag das Koordinationszentrum für ukrainische Getreideexporte in Istanbul besuchen. Die Vereinten Nationen und die Türkei hatten im Juli eine Vereinbarung mit Russland und der Ukraine erzielt. Sie ermöglicht, dass seit Anfang August Schiffe aus drei ukrainischen Häfen wieder Getreide abtransportieren dürfen. Wegen des Krieges waren die Häfen seit Februar blockiert gewesen. Guterres besuchte am Freitag den Hafen Odessa. In Istanbul werden Schiffe und Ladung auf dem Hin- und Rückweg überprüft.

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RND/dpa

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