Problematische Vereinigung

Neue Spitze des RBB: Ostbeauftragter Schneider für Ostfrau oder Ostmann auf Chefsessel

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD), im Bundestag.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD), im Bundestag.

Berlin. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD), hat gefordert, die Position der bisherigen Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb), Patricia Schlesinger, mit einer oder einem Ostdeutschen zu besetzen. Er reagiert damit auf die anhaltende Unterrepräsentanz Ostdeutscher in Führungspositionen, die sich zuletzt wieder in einer Studie zeigte und auch den Bereich der Medien betrifft.

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„Ostdeutsche sind mehr als 30 Jahre nach der formalen Wiedervereinigung in den Führungspositionen unseres Landes immer noch deutlich unterrepräsentiert“, sagte Schneider dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Das gilt für alle gesellschaftlichen Institutionen und auch innerhalb Ostdeutschlands. Und das gilt auch für die Medien, die zurecht als vierte Gewalt bezeichnet werden und eine entscheidende Bedeutung für die gesellschaftliche Diskussion und die Stabilität unserer Demokratie haben.“ Er fügte hinzu: „Bei der Neubesetzung der RBB-Intendanz plädiere ich deshalb für eine Nachfolge aus Ostdeutschland.“

Auch im Osten unterrepräsentiert

Eine Erhebung des Mitteldeutschen Rundfunks und der Universität Leipzig, die im Juni präsentiert wurde, hatte erneut ergeben, dass auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsche in Führungspositionen bezogen auf ihren Bevölkerungsanteil stark unterrepräsentiert sind, sowohl in Gesamtdeutschland als auch in Ostdeutschland selbst.

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In den Chefredaktionen der großen Regionalzeitungen ging der Anteil Ostdeutscher der Erhebung zufolge von 62 Prozent (2016) auf 43 Prozent zurück. In der jeweiligen Verlagsleitung stieg er von 9 auf 20 Prozent. In den Führungsgremien der drei öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die ihr Sendegebiet ganz oder teilweise in Ostdeutschland haben, stieg der Anteil Ostdeutscher zwar stetig an, liegt aber immer noch bei lediglich 31 Prozent.

Es wächst sich nicht raus

In den 1990er-Jahren hatte infolge der deutschen Vereinigung ein Elitentransfer von West- nach Ostdeutschland stattgefunden. Die DDR-Eliten galten oft als politisch belastet. Überdies wurde das System der alten Bundesrepublik auf die sogenannten fünf neuen Bundesländer und Ost-Berlin übertragen. Allerdings hat sich die Erwartung, die westdeutsche Elitendominanz würde sich später „rauswachsen“, nicht erfüllt. Stattdessen ist zu beobachten, was die Elitenforschung auch früher schon außerhalb Deutschlands beobachtet hat: Eliten rekrutieren sich aus sich selbst heraus. Sie ziehen Ihresgleichen nach.

Unter den Nachfolge-Kandidatinnen und -Kandidaten für Schlesinger gibt es drei in Ostdeutschland geborene Frauen: Susann Lange (RBB), Jana Brandt (MDR) und Ulla Fiebig (SWR).

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