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Niedersachsen

Sprit-Krise: Tanklastwagen dürfen jetzt auch sonntags fahren

Tanklastwagen dürfen in Niedersachsen vorübergehend auch am Sonntag fahren, um die Autofahrer zu versorgen.

Tanklastwagen dürfen in Niedersachsen vorübergehend auch am Sonntag fahren, um die Autofahrer zu versorgen.

Hannover.Die durch die lang anhaltende Trockenheit ausgelöste Sprit-Krise spitzt sich offenbar zu. Die Bundesregierung spricht von einer „angespannten Mineralölversorgungslage“ und hat die Bundesländer aufgefordert, dass Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Tanklastwagen auszusetzen. Niedersachsen hat am Freitag als zweites Bundesland nach Nordrhein-Westfalen eine generelle Ausnahmegenehmigung erteilt – damit können zunächst bis zum 7. April 2019 Tanklaster auf allen Straßen fahren.

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Das Land habe damit eine rechtssichere Lösung geschaffen, um „Engpässe in der Mineralölversorgung zu vermeiden“, sagte Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) der HAZ. „Dies ist gerade mit Blick auf die Funktion des Transitlands Niedersachsen in der Logistikkette von Bedeutung.“

Niedrige Wasserstände führen zu Spritmangel

Grund für die zunehmenden Versorgungsprobleme mit Treibstoff sind niedrige Wasserstände in den Flüssen, vor allem im Rhein. Schiffe dürfen nicht mehr so viel transportieren, weil sie sonst auf Grund laufen könnten. Die Beförderung von Mineralöl wird deshalb zunehmend auf Schiene und Straße verlagert.

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Normalerweise gilt das Sonntagsfahrverbot an allen Sonntagen in der Zeit von 0 bis 22 Uhr für das gesamte Streckennetz in Deutschland. An Feiertagen gelten die gleichen Uhrzeiten, die Regelungen sind aber aufgrund der unterschiedlichen Feiertage in den Bundesländern differenzierter.

Vom Verbot
betroffen sind alle Lkw über 7,5 Tonnen, Lkw mit Anhänger, unabhängig vom zulässigen Gesamtgewicht – und Sattelzüge, sofern das zulässige Gesamtgewicht von Zugmaschine und Auflieger 7,5 Tonnen überschreitet. Transporte von frischen oder leicht verderblichen Waren sind ausgenommen.

Von der Krise betroffen war bisher vor allem der Süden und Westen Deutschlands, wo die Spritpreise stark angestiegen sind. Inzwischen geht offenbar auch ersten Tankstellen im Osten der Diesel aus. Die Preise für Heizöl ziehen wegen der schwierigen Versorgungslage und der damit verbundenen Aufschläge wieder an. Im bundesweiten Durchschnitt waren in dieser Woche teilweise mehr als 84 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern) zu bezahlen.

„Frühzeitig reagieren, um echte Engpässe zu vermeiden“

Nach dem Erlass des Verkehrsministeriums dürfen Tanklastwagen in den kommenden Monaten die Tankstellen in Niedersachsen auch ohne Ausnahmegenehmigung beliefern. Die zuständigen Behörden werden aufgefordert, Tanklastwagen an Sonn- und Feiertagen nicht mehr zu kontrollieren.

Die niedersächsische Wirtschaft begrüßte den Schritt. „Das Land ist gut beraten, frühzeitig zu reagieren, um echte Engpässe zu vermeiden“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Niedersachsen-Metall, Volker Schmidt. Die deutsche Wirtschaft hänge ganz maßgeblich an der Mobilität.

„An diesem Beispiel kann man sehr gut sehen, dass man nicht blauäugig auf nur einen Verkehrsträger setzen kann“, erklärte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN), Volker Müller. „Ohne unsere Straßen, Spediteure und deren LKW hätten wir jetzt ein ernstes Problem.“

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Kann Regen Abhilfe schaffen?

„Die Situation bleibt weiter angespannt“, sagte Alexander von Gersdorff vom Mineralölwirtschaftsverband Deutschland (MWV). Eine Verbesserung sei in diesem Jahr nicht mehr in Sicht. Von Gersdorff begrüßte die Freigabe der Sonn- und Feiertagsfahrten von Tanklastwagen in Niedersachsen. Dadurch sei eine „bessere Versorgung von leer laufenden Tankstellen“ möglich.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) macht immerhin etwas Hoffnung auf Regen. „Das Wetter hat sich umgestellt, jetzt können Tiefdruckgebiete Deutschland erreichen“, sagte Lars Kirchhübel vom DWD. Ob der Regen reiche, um die Flüsse wieder zu füllen, sei aber unklar.

Von Marco Seng

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