Hennig-Wellsow sieht eine letzte Chance: Wie geht es weiter mit den Linken?

Die beiden Parteivorsitzenden der Linken, Janine Wissler (l.) und Susanne Hennig-Wellsow, mit Fraktionschef Dietmar Bartsch am Montag in der Bundespressekonferenz in Berlin.

Die beiden Parteivorsitzenden der Linken, Janine Wissler (l.) und Susanne Hennig-Wellsow, mit Fraktionschef Dietmar Bartsch am Montag in der Bundespressekonferenz in Berlin.

Berlin. Für die Linke war schon am Wahlabend klar: Ein „Weiter so“ kann es nicht geben. Das Wahlergebnis, das Parteiurgestein Gregor Gysi „desaströs“ nannte, erfordert einen kompletten Neustart. „Die Partei muss sich neu erfinden – aus meiner Sicht“, sagte Co-Chefin Susanne Hennig-Wellsow am Montag in Berlin.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Gemeinsam mit den beiden Spitzenkandidaten Janine Wissler und Dietmar Bartsch stellte sie sich auf der Bundespressekonferenz Fragen nach den Ursachen der „flächendeckend schmerzlichen Verluste in allen Altersgruppen“, wie Wissler es nannte. „Liegt es an unserem Auftreten oder an unseren Inhalten, darüber müssen wir jetzt sprechen“, fügte sie hinzu.

Auf der Suche nach Erklärungen war von Problemen die Rede, die sich über viele Jahre aufgebaut hätten. Bartsch sprach von „Ursachen, die grundsätzlicher Natur“ seien, und darüber, dass „einige Grundfragen gestellt und beantwortet werden müssen“. Man sei nicht immer als geschlossene Formation aufgetreten und habe leider häufig auch ein Bild der Zerrissenheit abgegeben, sagte der Fraktionsvorsitzende. Er räumte zugleich ein, dass die „Ostkomponente“ verloren gegangen sei. „Wir sind nur noch in drei Bundesländern zweistellig, das müssen wir analysieren.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Wohin diese Analyse gehen wird, blieb weitestgehend unklar. Die Spitzenkräfte der Linken schienen selbst noch schwer verwundert, dass ihre „Partei der sozialen Gerechtigkeit“ statt mit Themen wie Kinderarmut, höherer Mindestlohn oder Rentenangleichung Ost-West stärker zu punkten, sogar unter die Fünf-Prozent-Hürde gerutscht ist.

Nur dank der drei Direktmandate von Gregor Gysi und Gesine Lötzsch in Berlin und Sören Pellmann in Leipzig zieht die Partei mit 4,9 Prozent trotzdem als Fraktion in den Bundestag ein und darf insgesamt 39 Sitze beanspruchen. Das sind drei Sitze für die drei Direktkandidaten und 36 weitere anteilig berechnet nach dem Zweitstimmenergebnis. Alle drei Spitzenkräfte, wie sie da vor der Hauptstadtpresse saßen, haben ihren Verbleib im Bundestag nur diesen Direktmandaten zu verdanken.

Bartsch verpasste sein Direktmandat in Rostock ebenso wie Wissler in Frankfurt am Main. Entsprechend dankbar zeigten sich denn auch alle drei, und Hennig-Wellsow sagte, der neuerliche Einzug in den Bundestag biete „die letzte Chance, unsere Partei nach vorn zu entwickeln“. Stand im Wahlkampf kurzzeitig noch das Projekt Rot-Grün-Rot im Raum, ist jetzt die Rolle der Linken für die nächsten vier Jahre klar abgesteckt: „Wir werden das soziale Gewissen im nächsten Bundestag sein“, sagte Bartsch, und es klang ein wenig so, als hätten andere Parteien keine soziale Agenda.

Dabei hat die Linke in der Wählerwanderung gerade in Richtung Mitte-links massiv Stimmen abgegeben. Laut Infratest Dimap wanderten 640.000 Stimmen von der Linken zur SPD und 480.000 Stimmen zu den Grünen. „Man hat uns wohl die Durchsetzungskompetenz nicht zugetraut, und viele wollten wohl auch die CDU mit Armin Laschet verhindern“, kommentierte Bartsch die Wanderungsverluste. Aber, so Wissler, links von der SPD sei noch immer eine Menge Platz, „den wir füllen müssen“.

Eine Klausurtagung des Parteivorstands am Wochenende soll über Konsequenzen aus dem Wahlergebnis und erste Zukunftsstrategien beraten. Ob es dabei auch um personelle Fragen gehen wird, ließ das Spitzentrio offen. Aber Bartsch hatte schon am Vorabend auf der Wahlparty gesagt, dass es an der neuen, erst seit einem halben Jahr im Amt befindlichen Parteiführung der beiden Co-Vorsitzenden Wissler und Hennig-Wellsow nicht gelegen habe. Bleibt die Frage nach seinem Posten, dem Fraktionsvorsitz. „Wir werden über alles diskutieren“, sagte Bartsch und fügte hinzu, dass sich die Fraktion am Dienstag erstmals treffen wird.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Sahra Wagenknecht gehört ihr auch wieder an, obwohl auch ihr Team in Nordrhein-Westfalen nur 3,7 Prozent geholt hat. Sie hatte am Wahlabend gesagt, die Linke habe sich immer weiter von dem entfernt, wofür sie eigentlich einmal gegründet wurde, nämlich als Interessenvertretung für normale Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken