Corona-Gefahr: Die Bahn muss sich entscheiden

Passagiere beim Einsteigen in einen ICE.

Passagiere beim Einsteigen in einen ICE.

Berlin. Überfüllte Züge können ein Risiko für Corona-Infektionen sein. Trotzdem lehnt es die Deutsche Bahn ab, mithilfe einer Reservierungspflicht die Anzahl der Fahrgäste zu begrenzen. Auf viel befahrenen Strecken ist es deshalb kaum noch möglich, Abstand zu halten.

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Ohne Frage ist die Abwägung bei der Bahn nicht ganz so leicht wie auf anderen Feldern: Der Besuch eines Fußballspiels oder eines Popkonzerts, worüber auch gerade gestritten wird, lässt sich unter Aspekten des Infektionsschutzes leicht verbieten. Es handelt sich um kurzfristig verzicht- und ersetzbare Vergnügungen. Die Mobilität innerhalb des Landes einzuschränken – nichts anderes würde die Begrenzung von Sitzplätzen bedeuten – ist etwas ganz anderes.

Guter Wille, mangelhafte Praxis

Insofern hat die Bahn einen Punkt, wenn sie darauf beharrt, in Corona-Zeiten Gäste auch ohne eine Reservierung zu befördern. Und der Konzern weiß selbst am besten, dass jeden Tag Reisende wegen Verspätungen ihre Anschlusszüge verpassen und deshalb spontan einen anderen Zug besteigen müssen. Eine Pflicht zur Reservierung wäre wohl auch nur vermittelbar, wenn sie vorübergehend kostenlos wäre. Die Furcht vor dem Verlust des Geschäfts mit den Reservierungen könnte auch ein Motiv des Konzern sein.

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Insgesamt ist der Bahn der gute Wille aber nicht abzusprechen. So wie es ist, kann es trotzdem nicht bleiben. Denn überfüllte Abteile sind ein Gefahrenherd. Politik und Bahn müssen ihre Konzepte nachbessern – und sich entscheiden. Wenn verpflichtende Reservierungen nicht infrage kommen, bleiben zwei Möglichkeiten: Die Bundespolizei erhält den Auftrag, Maskenverweigerer konsequent der Züge zu verweisen. Und die Bahn hängt auf viel befahrenen Strecken zusätzliche Waggons an, die Abstand ermöglichen und vor allem Reisenden aus Risikogruppen vorbehalten sein sollten. Beides wäre kompliziert und würde Geld kosten. Aber die Sicherheit in diesem zentralen Transportmittel ist es allemal wert.

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