Nach Lauterbach-Vorstoß

Neustart für das Corona-Medikament Paxlovid?

Das Medikament Paxlovid gegen Covid-19.

Das Medikament Paxlovid gegen Covid-19.

Berlin. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) drückt auf den Neustartknopf für das Corona-Medikament Paxlovid. Kürzlich hieß es aus Ministeriumskreisen, Medikamentenbehandlungen bei Infizierten sollen häufiger genutzt werden. Dafür sollen zukünftig auch Ärzte das Präparat abgeben dürfen und nicht nur Apotheken: Der sperrige Begriff dafür heißt Dispensierrecht – nach Willen von Lauterbach müssen Patientinnen und Patienten nicht mehr zur Apotheke gehen, um das Medikament zu erhalten. Ein Gang zum Hausarzt soll reichen.

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Ankündigung stößt auf geteiltes Echo

Die Ankündigung stößt auf geteiltes Echo – die Apotheker üben Kritik. „Wir lehnen die Überlegungen des Ministeriums im Ergebnis ab“, teilen die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände auf Anfrage des RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) mit. „Es gibt keinerlei Anlass, den bewährten Weg des Arzneimittels über die Apotheke zu verlassen.“ Die Verordnungskette funktioniere schnell und ohne jegliche Probleme. „Paxlovid kann inzwischen unbegrenzt von Apotheken bevorratet werden, sodass auch die ehemalige Einzelbestellung beim Großhandel entfallen ist“, heißt es weiter. Die Patientinnen und Patienten könnten auch über die Botendienste der Apotheken versorgt werden.

Die Apotheker machen einen anderen Vorschlag: So sei die Abgabe in Apotheken auch ohne ärztliche Verordnung erwägenswert. Dieser Vorschlag würde hingegen die Ärztinnen und Ärzte ausschließen.

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Mit konkreten Äußerungen hält sich die Ärzteschaft derweil zurück. Offenbar hatte das Ministerium die Ankündigung zum Dispensierrecht gemacht, bevor die Verhandlungen dazu überhaupt abgeschlossen waren. „Die konkrete Ausgestaltung ist aktuell noch Gegenstand der Gespräche“, sagt ein Sprecher des Deutschen Hausärzteverbandes dem RND. „Zu den Details können wir derzeit keine weiteren Auskünfte geben.“ Bei den Gesprächen würde die Frage erörtert, wie Patientinnen und Patienten, für die eine Behandlung mit Paxlovid in Frage kommt, möglichst effizient und zielgenau versorgt werden könnten.

Das Medikament, das zu Anfang des Jahres noch als Hoffnungsträger galt, hat sich als Ladenhüter entpuppt. Dabei wirkt es gut: Wenn Corona-Infizierte das Präparat einnehmen, kann die Wahrscheinlichkeit im Krankenhaus zu landen laut Pfizer um knapp 90 Prozent sinken. Bei der Ärzteschaft gibt es jedoch eine gewisse Zurückhaltung, unter anderem auch weil das Präparat in einem kurzen Zeitraum nach Infektionsbeginn verschrieben werden muss. „Paxlovid kann für eine kleine Gruppe an Hochrisikopatientinnen und Patienten sehr hilfreich sein, es ist jedoch kein ‚Gamechanger‘ für die breite Bevölkerung“, sagte Hausärzteverbandschef Ulrich Weigeldt vor einigen Wochen dem RND. Das Medikament habe eine Reihe an Wechselwirkungen, müsse außerdem bereits sehr früh in der Erkrankung eingenommen werden.

Eine Million Packungen gekauft

Für die Deutsche Stiftung Patientenschutz ist das Medikament eher kein Wundermittel. „Angesichts der Wechsel- und Nebenwirkungen ist eine ärztliche Beratung zwingend. Vor Einnahme muss aber ebenso das Alter des Patienten, der Impf- und Genesenenstatus sowie eine mögliche Resistenzbildung in den Blick genommen werden“, sagt der Vorstand Eugen Brysch dem RND. „Von einem Wundermittel gegen Covid-19 kann deshalb kaum die Rede sein.“ Der Bundesgesundheitsminister vertrete den Einsatz von antiviralen Therapien offensiv. „Doch Paxlovid ist keine Vitamintablette“, mahnt Brysch. „Verwunderlich sind deshalb auch einzelne Empfehlungen, das Präparat im hauseigenen Medikamentenvorrat vorsorglich bereitzuhalten.“

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Doch das Thema Paxlovid ist wohl auch ein finanzielles: Der Bund hat eine Million Packungen gekauft – mit Millionen Euro Steuergeldern. Erst kürzlich hatte es Kritik an Lauterbachs Umgang mit Steuergeldern bei der Impfstoffbeschaffung gegeben: Vor allem die Opposition wirft ihm vor, zu viele Impfdosen bestellt zu haben, sodass nun Millionen im Müll landen.

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