Nach Rücktritt von Draghi

Italien: Präsident Mattarella löst Parlament auf

Sergio Mattarella, Präsident von Italien (Archivbild)

Sergio Mattarella, Präsident von Italien (Archivbild)

Rom. Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella hat nach dem Rücktritt von Regierungschef Mario Draghi die Auflösung der beiden Parlamentskammern verfügt. Er habe ein entsprechendes Dekret unterschrieben, sagte Mattarella am Donnerstagabend in Rom. Damit ist klar: Italien wird früher als geplant ein neues Parlament wählen. Eigentlich hätten die Wahlen erst im Frühjahr 2023 angestanden. „Das Auflösen der Parlamentskammer ist immer die letzte Wahl“, sagte Mattarella. Die politische Situation habe zu dieser Entscheidung geführt.

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Ministerpräsident Draghi bleibt vorerst im Amt

Auf die Menschen in Italien kommen daher mitten in der Ferienzeit wohl unruhige Wahlkampfwochen zu. Der Urnengang muss binnen 70 Tagen vollzogen sein. Als mögliches Wahldatum ist ein Sonntag Mitte bis Ende September oder Anfang Oktober wahrscheinlich. Draghis Regierung bleibt so lange im Amt, bis es einen neuen Ministerpräsidenten gibt. Wann das sein wird, ist unklar. Die Koalitionsverhandlungen könnten sich je nach Wahlausgang hinziehen. Experten zufolge könnte möglicherweise erst Anfang November eine neue Regierung an der Macht sein.

Ministerpräsident Draghi tritt zurück

Italiens Regierungschef Mario Draghi hat am Donnerstag seinen Rücktritt bei Staatspräsident Sergio Mattarella eingereicht. Das weitere Vorgehen ist nun unklar.

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Rechtsextreme Fratelli d‘Italia in Umfragen vorne

Jüngsten Umfragen zufolge lägen die rechtsextremen Fratelli d‘Italia unter Parteichefin Giorgia Meloni derzeit vorne. Zusammen mit den großen Mitte-Rechts-Parteien Forza Italia von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi und der rechten Lega von Matteo Salvini wäre unter Umständen eine Mehrheit im Parlament möglich. Unter anderem für die Migrationspolitik und auch die Beziehungen zur EU wäre eine solche Regierung wohl problematisch.

Der Schritt Mattarellas hatte sich kurz zuvor bereits mit der Einbestellung der beiden Parlamentspräsidenten Maria Elisabetta Casellati (Senat) und Robert Fico (Abgeordnetenkammer) angekündigt, da er sie auf Grundlage des Artikels 88 der Verfassung einberief, in dem es um die Auflösung der beiden Kammern geht. Zuvor bot Draghi dem 80 Jahre alten Sizilianer Mattarella seinen Rücktritt an.

dpatopbilder - 21.07.2022, Italien, Rom: Mario Draghi, Ministerpräsident von Italien, winkt am Ende seiner Rede im Parlament. Draghi ist nach der Unterbrechung der Sitzung in der Abgeordnetenkammer bei Staatsoberhaupt Mattarella eingetroffen. Das berichteten mehrere Medien am Donnerstag. Er wolle dem Präsidenten seine Entscheidung mitteilen, sagte Draghi zuvor in der größeren der beiden Parlamentskammern. Es gilt als wahrscheinlich, dass der 74-Jährige wie schon vor einer Woche seinen Rücktritt einreicht. Foto: Andrew Medichini/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Experte erklärt: Warum Regierungen in Italien so häufig scheitern

Draghi bat erneut um seinen Rücktritt und Staatschef Mattarella hat diesmal akzeptiert. Es ist nicht die erste Regierung in Rom, die scheitert. Denn die italienische Politik habe viele grundsätzliche Probleme, sagte Politikwissenschaftler Roman Maruhn dem RND.

Drei Regierungsparteien nahmen an Vertrauensvotum nicht teil

Für Draghi ist klar, dass seine Regierung vor dem Ende steht. Drei seiner Regierungsparteien sprachen ihm am Mittwoch im Senat nicht das Vertrauen aus und nahmen nicht an dem Votum teil. Der 74-jährige Römer verfehlte damit sein gefordertes Ziel einer breiten Parlamentsmehrheit - obwohl er das Vertrauensvotum eigentlich gewann.

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Bereits eine Woche zuvor wollte er schon zurücktreten, als die linkspopulistische Fünf-Sterne-Bewegung im ebenfalls im Senat nicht das Vertrauen aussprach. Damals lehnte Mattarella dies jedoch noch ab und schickte Draghi zum Berichterstatten ins Parlament - es war quasi der Versuch, seine Regierung doch noch am Leben zu erhalten.

Roms politische Parteien zerstritten

Das politische Rom ist seither zerstritten, die Parteien beschuldigen sich gegenseitig, Schuld am Fall von Draghis Kabinett und der Eskalation der Regierungskrise Krise gewesen zu sein. Politisch dürfte es für Draghi jetzt noch schwieriger werden, wichtige von der EU vorgegebene Reformen, die eigentlich anstünden, im Parlament durchzusetzen. Das Land muss diese umsetzen, um die milliardenschweren Corona-Wiederaufbau-Gelder aus Brüssel zu bekommen.

Für Italiens Wirtschaft steht viel auf dem Spiel

Draghi galt auch im Ausland als Stabilitätsgarant für das sonst mitunter turbulent regierte Italien. Er machte das Land mit fast 60 Millionen Einwohnern wieder auf der internationalen Bühne sichtbar, reiste etwa mit Bundeskanzler Olaf Scholz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nach Kiew.

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Ökonomisch steht für Italien damit einiges auf dem Spiel. Die Märkte reagierten am Donnerstag bereits negativ. Die Mailänder Börse fiel zwischenzeitlich deutlich ins Minus und schloss rot. Der Risikoaufschlag (Spread) für zehnjährige italienische Staatsanleihen im Verhältnis zu deutschen Staatsanleihen stieg deutlich nach oben.

RND/dpa

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