Kommentar

Hungersnot in Afrika: Der Krieg ist keine Ausrede fürs Wegsehen

Das von der Hilfsorganisation Save the Children herausgegebene Foto zeigt tote Nutztiere in Südsomalia.

Vielleicht kann der Mensch nur ein gewisses Maß an Krisen aushalten, ehe er abschaltet oder abstumpft. Vielleicht ist unser Mitgefühl von Natur aus eine erschöpfliche Ressource, und wenn sie für Kriegsopfer in unserer Nachbar­schaft gebraucht wird, reicht sie nicht mehr für Menschen, die in größerer Entfernung leiden. Vielleicht fühlen wir uns denen, die aussehen und leben wie wir, auch einfach näher.

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Es mag also nachvollziehbar sein, dass wir dieser Tage angesichts des Schreckens und der Horrorbilder aus dem Ukraine-Krieg keinen Blick mehr haben für die Krisenherde außerhalb Europas.

Baerbock: Es steigt die Gefahr für neue Konflikte

Außenministerin Annalena Baerbock warnte vor dem Risiko von neuen Konflikten durch gravierende Lieferausfälle, die der Krieg in der Ukraine verursacht.

Doch auch wenn wir wegsehen: Ausgerechnet jetzt zieht in einer ohnehin geschwächten Weltregion eine ebenso bestürzende Krise auf, die Hundert­tausende ihr Leben kosten kann: Im Schatten des Krieges in Europa bedroht in Ostafrika die schlimmste Dürre seit 40 Jahren die Existenz von Millionen Menschen.

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Drei Regenzeiten bleiben aus – Millionen Menschen vom Hunger bedroht

Drei Regenzeiten sind am Horn von Afrika ausgeblieben, die Vereinten Nationen sprechen schon jetzt von der schlimmsten Dürre seit 1981. In Teilen Somalias, Äthiopiens und Kenias sind mehr als 13 Millionen Menschen von akutem Hunger bedroht. Mindestens 140 Millionen Dollar werden gebraucht, um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern. Zugesagt sind bislang nur 57 Millionen.

Allein in Somalia brauchen fast fünf Millionen Kinder dringend humanitäre Hilfe. Nicht ausgelöst, aber verschlimmert wurde die Lage durch ausbleibendes Getreide aus der Ukraine und steigende Lebensmittel­preise infolge des Krieges.

„Dass wir nun seit einem guten Monat nach Wegen suchen, die Menschen in der Ukraine zu unterstützen, entbindet uns nicht von unserer Verantwortung gegenüber anderen Weltregionen.“

Es ist klar, dass wir das eine Leid nicht mit dem anderen vergleichen oder gar aufrechnen können. Ebenso klar muss aber sein: Dass wir nun seit einem guten Monat nach Wegen suchen, die Menschen in der Ukraine zu unterstützen, entbindet uns nicht von unserer Verantwortung gegenüber anderen Weltregionen.

Denn diese Verantwortung erwächst nicht nur moralisch daraus, dass es uns im Wohlstand des Nordens auch nach einer Pandemie und trotz steigender Energie- und Rüstungskosten zu gut geht, um tatenlos zuzusehen, wie anderswo Hunderttausende verhungern. Vielmehr trugen und tragen wir mit unserem Lebensstil eine Mitschuld am Klimawandel, der solche Dürren verstärkt und vermehrt.

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Noch ist es nicht zu spät

Vor allem aber muss es darum gehen, dass wir endlich vorausschauend agieren und auf Warnungen hören, ehe es zu spät ist: Noch können wir Ostafrika helfen, ehe die große Hungersnot ausbricht. Noch können wir eine weitere Verschärfung der Erderwärmung abwenden.

Und noch kann die westliche Welt sich endlich einmal darum kümmern, dass sie eine gerechte Verteilung des unglaublichen, ja des größten Reichtums hinbekommt, den die Menschheit je erwirtschaftet hat. In einer Welt, die die private Raumfahrt als Zeitvertreib und fast 3000 Milliardäre hervorgebracht hat, ist Geldmangel jedenfalls keine gute Ausrede für Tatenlosigkeit.

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