Kommentar zu Schröders Rosneft-Ausstieg

Der Altkanzler in einem fahlen Licht

Der ehemalige Bundeskanzler und damalige Aufsichtsratsvorsitzende des russischen Ölkonzerns Rosneft, Gerhard Schröder (SPD), nimmt 2018 an einer Pressekonferenz in der PCK-Raffinerie teil.

Endlich hört Gerhard Schröder auf mit einer Sache, mit der er nie hätte anfangen sollen. Das bizarre Beharren des Altkanzlers auf Posten in der russischen Energiewirtschaft ließ Freunde wie Feinde zuletzt gleichermaßen rätseln: Woher kam dieser Trotz, dieser Starrsinn? Der langjährige politische Skandal wurde auf den letzten Metern immer mehr zum Psychodrama: Langjährige Vertraute klagten, man erreiche „den Gerd“ schon nicht mehr.

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Wer ihm nur vorwirft, sich die Taschen vollgestopft zu haben, wird dem Menschen Gerhard Schröder nicht gerecht. Bis zuletzt hielt der Altkanzler an der Fiktion fest, es habe sein Gutes, wenn er eine Brücke baue zwischen Deutschland und Russland. Viele Deutsche sahen es lange Zeit ähnlich, doch da gingen Idealismus und Naivität Hand in Hand.

Ein einsamer Kampf gegen die Realität

In Wirklichkeit wurde Schröder von dem gelernten KGB-Offizier Wladimir Putin nach allen Regeln der Kunst manipuliert, schon in seinen Kanzlerjahren. Schröder wollte diese monströse Tatsache nicht wahrhaben, das kann man verstehen.

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Bis zuletzt warnte er vor einer Dämonisierung seines angeblichen Freundes im Kreml - der dann jedoch den größten Landkrieg in Europa seit 1945 anordnete, Zehntausende in Tod und Elend schickte und die Folterer und Mörder von Butscha auch noch mit Ehrenmedaillen auszeichnete.

„Gerd braucht Hilfe“

Gerhard Schröder ist isoliert wie nie. Weggefährten und alte Freunde des früheren Kanzlers sind mittlerweile verzweifelt und sorgen sich zunehmend. Das wahre Drama, sagen sie, sei weniger ein politisches als ein menschliches: „Man spürt ganz genau: Man erreicht ihn nicht mehr.“

Vor dieser lodernden Kulisse geriet der einsame Kampf des Altkanzlers um seine Ehre zu einem erbärmlichen Kampf gegen die Realität. Schröder hat sich getäuscht, nicht in irgendeinem Detail, sondern in einer für sein politisches Leben zentralen Frage.

Die Grünen machen sich an die Reparaturen

Welche Impulse es waren, die Schröders überfälligen Schritt jetzt bewirkten, bleibt vorerst im Dunkeln. War es die Entscheidung der Ampelkoalition in Berlin, ihm die Bezahlung seines Büros zu streichen? War es die am Donnerstag im Europaparlament beschlossene Aufforderung an die 27 EU-Staaten, ihn möglichst bald mit Sanktionen zu belegen? Oder haben sich einfach nur jene durchgesetzt, die ihm besonders nahe stehen und es ihm aus menschlichen, persönlichen Gründen dringend nahelegten, endlich Schluss zu machen mit seinen Russland-Jobs?

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Wie auch immer: Es ist zu spät. Ein irreversibler Schaden ist längst eingetreten, für Schröder selbst und auch für Deutschland als Ganzes.

Altkanzler Schröder legt Posten als Aufsichtsratschef bei Rosneft nieder

Schröder habe den Konzern informiert, dass er dem Aufsichtsrat nicht länger angehören könne, so der russische staatliche Öl-Konzern am Freitag.

Rückwirkend fällt jetzt ein fahles Licht auf Schröders gesamte Amtszeit: auf die damals gewachsene ökonomische Abhängigkeit Deutschlands von Russland ebenso wie auf die damals gewachsene politische Distanz Deutschlands zu den USA. An beiden Stellen, Außenpolitik und Energiepolitik, laufen jetzt Reparaturarbeiten, übrigens – und auch das ist für Schröder bitter – unter Leitung der von ihm einst verhöhnten Grünen.

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