Kommentar zur CDU-Frauenquote

Friedrich Merz – kein Mann von gestern

CDU-Chef Friedrich Merz, hier Anfang Juni bei einer Wahlveranstaltung in Sachsen, hat sich zu einem Ja zur Frauenquote durchgerungen.

CDU-Chef Friedrich Merz, hier Anfang Juni bei einer Wahlveranstaltung in Sachsen, hat sich zu einem Ja zur Frauenquote durchgerungen.

Berlin. Es ist mindestens eine kleine Revolution: Bei der CDU gilt ab kommendem Jahr wohl eine Frauenquote. Nach monatelangem Zögern hat sich Parteichef Friedrich Merz zu einem Jawort durchgerungen.

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Er hatte eigentlich keine andere Wahl: Die Quote ist längst zum Symbolthema für die Modernisierung der CDU geworden. Und wenn man, wie Merz, gegen den Ruf eines Mannes von gestern ankämpft, ist ziemlich klar, wohin man sich wenden muss – zumal, wenn man schlichtweg keinen besseren Vorschlag hat.

CDU-Chef Friedrich Merz (m) und die beiden durch die Landtagswahlen gestärkten CDU-Ministerpräsidenten Daniel Günther (l) und Hendrik Wüst (r).

Und plötzlich ist er Friedrich, der Große

Friedrich Merz musste viele Jahre kämpfen, um seine CDU von sich zu überzeugen. Doch nach den gewonnenen Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sieht sich der Oppositionsführer erstmals unangefochten an der Spitze. Wie lange hält der Frieden?

Denn dass die Partei als fast reiner Männertrupp nicht auf Dauer wird punkten können, hat auch Merz erkannt. Und dass es dabei mit gutem Zureden nicht getan ist, schwant ihm nun wohl. Und dann ist es nun mal auch so: Nein sagen, wenn man außen steht, ist doch einfacher, als wenn man einen Parteivorsitz übernommen hat.

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Frauenquote: einst ein Instrument der Grünen

Zwar kann der Parteitag im Herbst die Quote noch ablehnen – und der Widerstand des Wirtschaftsflügels darf nicht unterschätzt werden. Aber die Delegierten werden sich vermutlich hüten, Merz gleich bei erster Gelegenheit eine Niederlage zu bescheren. Das gilt erst recht kurz vor der niedersächsischen Landtagswahl, bei der mit Spitzenkandidat Bernd Althusmann ein weiterer Quotenbefürworter antritt.

So wird es wohl so sein, dass ausgerechnet die Galionsfigur der Konservativen ein Instrument durchsetzt, für das die Partei die Grünen lange belächelt und verspottet hat.

Merz bestellen und die Frauenquote bekommen – eine gewisse Produktenttäuschung wird da bei seinen Fans schon mitschwingen. Sie kommt vermutlich auf die Rechnung derer, die jetzt schon darüber nachdenken, wie lange der neue Chef Chef bleiben kann.

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Als Besänftigungsversuch hat Merz die Quote mit einem Überprüfungsdatum versehen. Das ändert nicht viel, es dient mehr der eigenen Rechtfertigung. Denn sollte die CDU die Quote 2030 wieder abschaffen, weil sie immer noch nicht genügend Frauen hat, hat sie ohnehin ganz andere Probleme.

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