Anteilnahme und Trauer

Gedenken an die Flutopfer vor einem Jahr

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l) und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD -r) sprechen mit dem Gastronomenpaar Andrea und Wilfried Laufer. Der Bundespräsident informiert sich ein Jahr nach der Flut über den Stand des Wiederaufbaus.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l) und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD -r) sprechen mit dem Gastronomenpaar Andrea und Wilfried Laufer. Der Bundespräsident informiert sich ein Jahr nach der Flut über den Stand des Wiederaufbaus.

Euskirchen, Bad Neuenahr. In Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben Vertreter aus Politik, Kirchen, Hilfsorganisationen gemeinsam mit Betroffenen der Opfer der Flutkatastrophe vor einem Jahr gedacht.

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte am Donnerstag das Engagement und Durchhaltevermögen der Menschen in den Flutgebieten. Im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr-Ahrweiler sicherte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) den betroffenen Regionen weitere Aufbauhilfen zu. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hob nach einem Gedenkgottesdienst in Euskirchen den großen Einsatz der Helfer hervor.

Unbürokratische Hilfe für die Flutgebiete

Bundespräsident Steinmeier rief zu unbürokratischer Hilfe für die Flutgebiete auf. Er könne sich vorstellen, dass viele Menschen „das Gefühl haben, dass vieles zu lange dauert, zu langsam vorangeht“, sagte Steinmeier nach einem ökumenischen Gottesdienst in Euskirchen.

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Es sei jedoch sichtbar, was die Menschen trotz des unermesslichen Schmerzes und der Verzweiflung angesichts der vielen Verluste geleistet hätten, „und davor habe ich enormen Respekt.“

In Bad Neuenahr erinnerte Ministerpräsidentin Dreyer an die 135 Fluttoten aus Rheinland-Pfalz und die zwei bis heute vermissten Menschen.

Sie versicherte den Betroffenen im Ahrtal, dass die Region wieder aufgebaut werde. Inzwischen gebe es bereits wieder zahlreiche „Lichtblicke“. Der Aufbauwille der Talbewohner zeige auch deren außerordentliche Heimatliebe, erklärte die Regierungschefin bei der Gedenkfeier, zu der auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) angereist war.

Die Dimension der Verletzung an Leib und Seele ist ohnehin unfassbar.

Cornelia Weigand, Landrätin des Kreises Ahrweiler

„Die Dimension der Verletzung an Leib und Seele ist ohnehin unfassbar“, sagte Landrätin des Kreises Ahrweiler, Cornelia Weigand (parteilos). „Am Ende aller Worte bleibt noch so viel Trauer.“ Auf eine für die Menschen an der Ahr unvorstellbare Weise habe sich „unser vertrautes Flüsschen in ein Monster verwandelt“.

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Ukrainer im Ahrtal: Geflüchtete helfen Flutopfern

Ein Kriegsflüchtling hilft Hochwasseropfern: Valentyna Ridvanskaya verteilt Kartoffelsalat an Anwohner mit flutgeschädigten Häusern.

Mehrere Flutopfer schilderten bei der Gedenkfeier ihre Erlebnisse in der Unglücksnacht, ihre Erschöpfung aber auch die erlebte Hilfsbereitschaft. Michaela Sebastian aus Altenburg berichtete, wie sie die Bewohner eines Seniorenheims ins Dachgeschoss der Einrichtung rettete und dort zwei Tage lang auf Rettung und auf ein Lebenszeichen ihres Lebensgefährten wartete.

„Auch wenn das Wasser so viel Schaden angerichtet hat, habe ich vom ersten Moment an erfahren, dass Menschen in bestimmten Situationen sofort zusammenwachsen“, sagte sie. Unter den vielen ehrenamtlichen Helfern habe sie „Freunde fürs Leben“ gefunden.

Bundespräsident Steinmeier hatte am Donnerstag ebenfalls das Ahrtal besucht und in den stark zerstörten Ortschaften Altenahr und Dernau Flutopfer getroffen. Anschließend reiste er zur zentralen nordrhein-westfälischen Gedenkfeier nach Euskirchen weiter.

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier (l) und Hendrik Wüst, Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, bei der Ankunft an einer Euskirchener Kirche.

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier (l) und Hendrik Wüst, Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, bei der Ankunft an einer Euskirchener Kirche.

Dort kündigte Ministerpräsident Wüst an, das Land werde einen Gedenkort mit einem Baum für jeden der 49 Toten in NRW errichten. Die Katastrophe im vergangenen Sommer sei „ein Einschnitt in der Geschichte unseres Landes“, sagte er nach dem Gottesdienst.

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Der rheinische Präses Thorsten Latzel betonte in dem ökumenischen Gottesdienst, dass neben unbürokratischen Aufbauhilfen auch die persönliche Anteilnahme wichtig bleibe.

Wir brauchen die Ruhe, um innezuhalten und umzukehren, um wirklich anders zu leben.

Thorsten Latzel,

„Wir brauchen die Ruhe, um innezuhalten und umzukehren, um wirklich anders zu leben. Wir brauchen eine Gemeinschaft, in der wir einander beistehen“, sagte Latzel vor Angehörigen und Helfern.

Bei der Hochwasserkatastrophe am 14. und 15. Juli 2021 wurden mehr als 180 Menschen getötet, 800 teils schwer verletzt und ganze Orte verwüstet. Vor allem im Ahrtal richtete die Flut massive Schäden an.

In Nordrhein-Westfalen sind unter anderem die Orte Hagen, Erftstadt und Euskirchen besonders betroffen. Viele Kirchen läuteten am Donnerstagabend in den Flutgebieten die Glocken.

RND/epd

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