Kommentar zum Urteil im MH17-Prozess

298 Tote: Die letzte Verantwortung bleibt ungeklärt

Beim Abschuss des Fliegers mit der Flugnummer MH17 kamen alle Passagiere ums Leben.

Beim Abschuss des Fliegers mit der Flugnummer MH17 kamen alle Passagiere ums Leben.

Es war Mord. Es gab 298 Tote, darunter 80 Kinder. Die meisten Opfer stammen aus den Niederlanden und aus Australien, auch vier Deutsche waren an Bord der Boeing, deren Absturz niemand überlebte.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Drei Mörder müssen dafür hinter Gitter, urteilte an diesem Donnerstag ein niederländisches Gericht am Flughafen Amsterdam-Schiphol. Wenn man diese drei jemals fasst. Ein Mann wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Die zwei russischen Verurteilten und ein Ukrainer sowie der freigesprochene Russe waren dem ersten MH17-Prozess wohlweislich ferngeblieben. Die Separatisten gelten als Mitverantwortliche und halten sich mutmaßlich alle in Russland auf. Russland schützt sie. Warum, ist klar.

Elefant im Raum

Der Aggressor in der Ukraine ist in allen Prozesstagen der Elefant im Raum gewesen:

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
  • Die Rakete, mit der die Passagiermaschine von Malaysia Airlines am 17. Juli 2014 bei einer Flughöhe von 10.000 Metern über der Ostukraine vom Himmel geschossen wurde, stammt zweifelsfrei von einer russischen Einheit.
  • Anvisiert und den Abschussknopf des Luftabwehrgeräts Buk gedrückt haben höchstwahrscheinlich russische Soldaten, die jedoch Gericht und Ermittlern unbekannt sind.
  • Drei der vier Angeklagten waren russische Staatsbürger, die völkerrechtswidrig auf ukrainischem Gebiet operierten.

Kam auch der Befehl zum Abschuss von MH17 aus Russland?

Mörder auf freiem Fuß

Das ist die Frage, die wohl allein die in Abwesenheit Verurteilten und der Kreml beantworten können. Indizien fanden die Ermittler in Telefonaufzeichnungen und in Zeugenaussagen. Beweise sind es jedoch nicht. Und Moskau erkennt das Gericht ohnehin nicht an, weist jegliche Mitverantwortung an dem Abschuss zurück.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Diese losen Enden, die Spekulationen, die Zweifel lassen manche Hinterbliebenen und auch Beobachter ohnmächtig und vielleicht sogar wütend zurück.

So haben die Hinterbliebenen nun zwar die Genugtuung, dass mehr als acht Jahre nach dem Tod ihrer Lieben ein Gericht zumindest drei Verantwortliche zu Gefängnisstrafen wegen Mordes verurteilte. Dass die Mörder sich auf freiem Fuß befinden, ist jedoch schmerzvoll.

Russlands Verantwortung

Letztlich konnte im Prozess auch nicht geklärt werden, ob Flug MH17, der von der Luftraumüberwachung klar als zivile Maschine auszumachen war, absichtlich oder in einer Verkettung unglücklicher Umstände abgeschossen wurde. Dahinter steht letztlich die Frage, warum die 298 Menschen sterben mussten.

Diese losen Enden, die Spekulationen, die Zweifel lassen manche Hinterbliebenen und auch Beobachter ohnmächtig und vielleicht sogar wütend zurück.

Klar ist allerdings: Die 298 Toten gehören zu den ersten Opfern des Krieges, den Russland seit 2014 mit Waffen in der Ukraine führt, die aus völlig unbeteiligten Staaten stammen. Russland ist zumindest moralisch schuldig an ihrem Tod.

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen