55 Russen im Tausch

205 Ukrainer und zehn ausländische Kämpfer frei: Organisator berichtet vom Gefangenenaustausch

Auf diesem Bild der Pressestelle des ukrainischen Sicherheitsdienstes lächeln ukrainische Soldaten, die im Rahmen eines Gefangenenaustauschs zwischen Russland und der Ukraine freigelassen wurden, in der Nähe von Tschernihiw, Ukraine. Die Ukraine kündigte am frühen Donnerstag einen viel beachteten Gefangenenaustausch an, der den Höhepunkt der monatelangen Bemühungen um die Freilassung vieler ukrainischer Kämpfer darstellt, die während der langen russischen Belagerung ein Stahlwerk in Mariupol verteidigt hatten.

Auf diesem Bild der Pressestelle des ukrainischen Sicherheitsdienstes lächeln ukrainische Soldaten, die im Rahmen eines Gefangenenaustauschs zwischen Russland und der Ukraine freigelassen wurden, in der Nähe von Tschernihiw, Ukraine. Die Ukraine kündigte am frühen Donnerstag einen viel beachteten Gefangenenaustausch an, der den Höhepunkt der monatelangen Bemühungen um die Freilassung vieler ukrainischer Kämpfer darstellt, die während der langen russischen Belagerung ein Stahlwerk in Mariupol verteidigt hatten.

Berlin. Es war der größte Gefangenenaustausch seit Beginn des brutalen russischen Angriffskrieges auf die Ukraine, der Mitte dieser Woche über die Bühne ging. Nach ukrainischen Angaben sind 205 Ukrainer und zehn ausländische Staatsbürger von den Russen freigelassen worden. Im Gegenzug kam unter anderem der ukrainische Multimillionär und prorussische Politiker Viktor Medwedtschuk frei, der als Vertrauter von Russlands Präsident Wladimir Putin gilt, sowie 55 russische Soldaten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

+++ Alle aktuellen News und Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine lesen Sie in unserem Liveblog +++

Organisiert wurde der Austausch von ukrainischer Seite durch ein vierköpfiges Team, dem neben dem Leiter des Präsidialamtes, Andrij Jermak, und zwei Geheimdienstchefs auch Rustem Umerov, der Chef des Staatlichen Vermögensfonds der Ukraine, angehörte. Von ihm erfuhr das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) Einzelheiten zu dem Austausch, der auch mit Hilfe der Türkei und Saudi-Arabiens zustande kam.

„Wir haben 215 Menschen aus der russischen Gefangenschaft geholt, darunter zehn ausländische Staats­bürger – das ist der bislang größte Austausch und ein großer Erfolg für uns“, sagte Umerov. Es sei eine große Rettungsaktion gewesen, denn Russland hatte angekündigt, ein „schreckliches Tribunal mit öffentlicher Folter“ über diese Menschen zu veranstalten und Todesurteile über einige von ihnen zu verhängen, einschließlich der ausländischen Staatsangehörigen, sagte Umerov.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ausländische Gefangene aus Großbritannien, USA, Schweden, Kroatien und Marokko

Bei den Ausländern handelte es sich laut unterschiedlichen Quellen um fünf Briten, zwei US‑Amerikaner und je einen Schweden, Kroaten und Marokkaner, die zum Teil an der Seite der ukrainischen Armee gekämpft hatten. Sie wurden unter Vermittlung Saudi-Arabiens in die Hauptstadt Riad ausgeflogen. „Wir danken dem Kronprinzen von Saudi-Arabien, Mohammed bin Salman, und dem Präsidenten der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, für ihre Hilfe bei der Aktion“, sagte Umerov.

Die Überstellung von Bürgern aus Drittstaaten sei von entscheidender Bedeutung, da es sich um einen gemeinsamen Krieg der Demokratien gegen die Autokratie handelt, unterstrich der ukrainische Politiker. Nach seinen Angaben wurden bei dem Austausch 188 ukrainische Soldaten freigelassen, die an der wochenlangen Verteidigung des Asow-Stahlwerks in der Hafenstadt Mariupol beteiligt gewesen waren, darunter 108 Angehörige des Assow-Regiments.

Umerov stellte die „großartige Zusammenarbeit und die Bemühungen des ukrainischen Teams“ heraus. „An Anfang sollten nur 50 Kriegsgefangene freigelassen werden, aber dank unserer zähen Verhandlungen konnten wir die Zahl der Freigelassenen auf 215 erhöhen.“

„Protestiert! Kämpft! Lauft weg!“: Selenskyj ruft Russen zum Protest gegen Mobilmachung auf

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die russischen Staatsbürger dazu aufgerufen, sich gegen die Teilmobilmachung im Land zu stellen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Mit dem Austausch, so Umerov, habe die ukrainische Seite Russland gezwungen, sich an die Genfer Konven­tion zu halten. Dies sei ein Erfolg an der politischen, diplomatischen und militärischen Front. „Wir setzen große Hoffnungen auf einen weiteren Austausch. Unsere Behörden arbeiten 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche daran, jeden Bürger aus der Gefangenschaft zurückzubringen.“

Die Genfer Konvention wurde seit ihrer ersten Fassung von 1864 mehrfach überarbeitet und regelt den humanitären Umgang mit Kriegsgefangenen.

Austausch, keine Friedensgespräche

Trotz dieses Erfolgs müssten die internationalen Partner die Ukraine weiterhin mit mehr Waffen versorgen, mahnte Umerov. „Unser Militär und unsere Nation haben mutig bewiesen, dass die Russen nur eine Sprache verstehen – die Sprache der Macht.“ Russland habe dem Austausch der Kriegsgefangenen nur wegen der militärischen Niederlagen während der erfolgreichen Gegenoffensive der Streitkräfte der Ukraine zugestimmt.

Umerov unterstrich, dieser Austausch habe nichts mit Friedensgesprächen zu tun. Das seien zwei verschie­dene Dinge, sagte er und gab sich siegessicher: „Unser Gegenangriff und unser Vormarsch werden weiter­gehen, bis wir alle unsere Gebiete befreit haben.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

SBU-Chef Malyuk sagte laut dem Onlineportal „Ukrainska Prawda“, dass seit Beginn der russischen Invasion insgesamt 802 ukrainische Kriegsgefangene aus russischer Gefangenschaft zurückgeholt werden konnten. Unter den zuletzt Freigelassenen seien auch Grenzschutzbeamte, Polizisten, Marinesoldaten, National­gardisten, Mitglieder der Territorialverteidigung, Zollbeamte und Zivilisten gewesen. Nach einer von dem Portal veröffentlichten Namensliste war der jüngste befreite Ukrainer der 2003 geborene Nasarij Grintze­witsch.

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken