Konkurrenz für das Wahrzeichen Oper?

Aufsehenerregender Museumsbau in Sydney: Ein leuchtender Vogelkäfig mit hängenden Gärten

Der Erweiterungsbau der Art Gallery of New South Wales vor der Skyline der australischen Stadt Sydney.

Der Erweiterungsbau der Art Gallery of New South Wales vor der Skyline der australischen Stadt Sydney.

Sydney. Die Oper in Sydney ist das Aushängeschild der Stadt. Ihre weißen Dächer am Hafen der Stadt ziehen den Blick magisch an. Ihr Architekt, der Däne Jørn Utzon, hat mit dem Gebäude, das 2023 seinen 50. Geburtstag feiern wird, Architekturgeschichte geschrieben.

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Doch nun soll die Oper Platz machen für ein neues architektonisches Wahrzeichen: Eine Erweiterung der Art Gallery of New South Wales – ein neuer Museumsbau, der sich mehr als Campus sieht und weniger als klassische Galerie – will der Oper Konkurrenz machen. Der Bau sei das „größte kulturelle Projekt“ seit dem Bau der Oper, bestätigten zumindest einige lokale Medien.

Erweiterung der Art Gallery of New South Wales in Sydney

Erweiterung der Art Gallery of New South Wales in Sydney

Tatsächlich haben die Architekten des neuen Museumscampus, das japanische Büro Sanaa, ein ganz besonderes Gebäude geschaffen. Letzteres ist im Vergleich zur Oper weitaus weniger „spektakulär“, doch die einzelnen Kunstpavillons, die sich wie ein Wasserfall an den Hang hinunter zum Hafen schmiegen, scheinen im Panorama nun ein wenig das Fundament der Innenstadt Sydneys zu bilden. Diese türmt sich im Hintergrund mit stählernen Hochhausbauten auf und wird am Hafen von Harbour Bridge und Oper eingerahmt.

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Ein „besonderer Ort“

Insgesamt besteht der neue Museumsbau aus drei mit Kalkstein verkleideten Kunstpavillons, die sanft zum Hafen hin abfallen, aus 3400 Quadratmeter großen, begehbare Dachterrassen und mehreren Innenhöfen. Ein stillgelegten Öltank aus dem Zweiten Weltkrieg, ein 2200 Quadratmeter großer Raum, hat als Kunstraum eine Zweitverwertung gefunden. Durch den Ausbau wird die Museumsfläche nahezu verdoppelt: Werke von über 900 Künstlern aus aller Welt sind in den Ausstellungen zu sehen. Eine große Fläche wird der indigenen Kunst der Aborigines und der Torres-Strait-Insulaner gewidmet.

Innenansicht des Erweiterungsbaus der Art Gallery of New South Wales in Sydney.

Innenansicht des Erweiterungsbaus der Art Gallery of New South Wales in Sydney.

Sie hätten ein Kunstmuseum entwerfen wollen, „das sich harmonisch in seine Umgebung einfügt und mit der Stadt, dem Park und dem Hafen atmet“, sagten die beiden Architekten Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa. Ihr Tokioter Büro Sanaa, das für frühere Projekte bereits mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet worden war – eine Art Nobelpreis für Architekten – wollte einen „besonderen Ort“ schaffen, an dem sich Besucher mit der Kunst verbunden fühlen können.

Etliche Stolpersteine überwunden

Wie einst das heute weltberühmte Opernhaus war auch der neue Museumscampus über Jahre hinweg ein Streitthema. „Es war sicherlich die umstrittenste Erweiterung einer staatlichen Galerie, die je in Australien gebaut wurde“, schrieb der Kunstgeschichtsprofessor Sasha Grishin in einer Analyse im akademischen Fachmagazin „The Conversation“.

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Der Direktor der Galerie, Michael Brand – ein in Canberra geborener, an der Australischen Nationaluniversität und in Harvard ausgebildeter Kunsthistoriker mit einer langen Museumskarriere in Australien und Amerika – gab den Bau 2013 in Auftrag. 2015 gewann das Tokioter Büro Sanaa den Architekturwettbewerb und der Bau begann 2019 mit einem Budget von 344 Millionen Australischen Dollar, umgerechnet rund 225 Millionen Euro.

Ein früherer Premierminister Australiens nannte das Projekt eine „gigantische Parodie“, andere kritisierten das Design, ein ehemaliger Galerieangestellter veröffentlichte sogar ein Buch, das das Projekt angriff. Auch der Bau selbst war – ähnlich wie einst das Opernhaus – mit Problemen belastet. Es gab Fehler in der ursprünglichen architektonischen Gestaltung und vor Baubeginn mussten laut Grishin erhebliche Änderungen vorgenommen werden.

Rekordregenfälle sorgen für Überschwemmungen in Australien

Westlich von Sydney kam innerhalb eines Tages so viel Regen runter, wie seit fast 120 Jahren nicht. Dutzende Menschen mussten per Hubschrauber gerettet werden.

Auch die äußeren Umstände – schwierige Politiker, die großen Buschbrände, die Sydney zum Jahreswechsel 2019/20 in Rauchschwaden hüllten, die Covid-19-Pandemie sowie anhaltende Regenfälle über die vergangenen Jahre hinweg – halfen nicht. Doch jetzt, wo der neue Museumsbau eröffnet sei, sei er „eine spektakuläre Leistung“, urteilte der Kunsthistoriker, der den Bau als einen „dreistöckigen, leuchtenden Vogelkäfig mit hängenden Gärten“ beschreibt.

Nicht „instagrammable“

Auch der Architekturprofessor Anthony Burke gab dem Neubau in der lokalen Tageszeitung „Sydney Morning Herald“ seinen Segen. Allerdings sei der Museumscampus nicht für Instagram konzipiert, warnte der Akademiker. Social-Media-Fans kämen hier nicht auf ihre Kosten – stattdessen sei der neue Bau ein Angebot, Kunst hautnah zu erleben und neu zu interpretieren. Die Architekten hätten gelernt, einen Schritt zurückzutreten und sich damit zufrieden zu geben, die Bühne für dieses besondere Stück Kulturtheater zu schaffen, „anstatt das Rampenlicht zu suchen“. Ein Beispiel dafür ist der offene Raum, der die teils grotesken Bronzeskulpturen der neuseeländischen Bildhauerin Francis Upritchard gekonnt in Szene setzt.

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Selbstverständlich will der neue Komplex aber auch nachhaltig sein. 100 Prozent des Energiebedarfs werden durch erneuerbare Energien abgedeckt, wobei mehr als 10 Prozent durch Sonnenkollektoren auf dem Dach des Eingangspavillons erzeugt werden. Regenwasser wird aufgefangen und zur Wiederverwendung in Bewässerungs- und Kühltürmen gesammelt. Und mehr als 8000 Quadratmeter begrünte Dach- und Landschaftsflächen sind mit einheimischen australischen Arten bepflanzt.

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