„Das ist schon irre“: Milde Temperaturen und schwere Stürme ab Donnerstag – Was kommt da auf uns zu?

Spätestens ab Donnerstag wird ungemütlich: Mehrere Stürme werden erwartet, an der See und in den Bergen sind auch Orkanböen möglich.

Hannover. Normal ist das nicht, was da heranfegt: „Solche Windfelder sieht man auch als Meteorologin nicht alle Tage“, sagt Britta Siebert-Sperl vom Portal „Wetterkontor“ mit Blick auf die Wetterkarten. Sturmböen zwischen 110 und 130 km/h seien mancherorts in den nächsten Tagen möglich, berichtet sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) – vielleicht auch mehr. Hinzu käme das für den Februar ungewöhnlich milde Wetter: „Temperaturen bis 14 Grad im Februar – das ist schon irre.“

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Deutschland muss sich also auf ungemütliche Tage einstellen. Ab Mittwoch bis zum Ende des Wochenendes wird es im ganzen Land immer wieder zu schweren Sturmböen kommen, mancherorts werden sogar Orkanböen erwartet. Erst ab Montag kommender Woche beruhigt sich die Lage, wie die Expertin erklärt. Die milden Temperaturen gehören dabei zu den wenigen positiven Nachrichten: „So bleibt uns zum Sturm wenigstens die Glätte erspart“, sagt Siebert-Sperl.

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Stürme in Deutschland: Ein Sturmtief nach dem nächsten

„Hintergrund ist der hochreichende Jetstream in der Stratosphäre, der genau über Mitteleuropa gerade seine Arbeit verrichtet“, erklärt die Expertin. „Dabei werden immer wieder sehr kräftige Sturm- oder Orkantiefs vom Atlantik über Mitteleuropa nach Osteuropa weitergelenkt.“ Bei uns, in der Westwindzone, breche jetzt „wie an einer Perlenschnur“ ein Sturmtief nach dem anderen herein, erklärt Siebert-Sperl. Die windfreien Zeiten dazwischen seien nur von kurzer Dauer: „Wir müssen uns auf einige stürmische Tage einstellen.“

Am Dienstag sei die Lage noch weitestgehend entspannt. Deutschland hängt laut Siebert-Sperl aktuell zwischen zwei markanten Tiefdruckgebieten – aktuell befinde sich Tief Vera über Südschweden, während sich zwischen Grönland und Island schon das nächste Orkantief nähere. An der See, im Nordwesten, im westlichen Niedersachsen, im Ruhrgebiet und am Niederrhein könne es zum Abend aber durchaus schon stürmisch werden – hier seien Böen von etwa 70 km/h möglich.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt inzwischen vor Sturmböen in Norddeutschland. Ab dem späten Dienstagnachmittag gebe es zunehmenden Südwestwind und dann Sturmböen bis 80 km/h an der Nordsee und Windböen im Binnenland.

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Am Mittwoch weht der Wind schon am Morgen in vielen Regionen deutlich kräftiger. „Der ganze Westen, die Mitte und der Süden Deutschlands müssen sich auf stürmische Böen einstellen“, sagt Siebert-Sperl. Später sei dann auch der Norden betroffen.

Sturm: Am Donnerstag geht’s richtig los

Und am Donnerstag sei dann auch im Flachland Sturm angesagt: „Wir erwarten Sturmböen zwischen 80 und 100 km/h“, sagt die Meteorologin. An der deutschen Bucht, an der Ostsee und in den Hochlagen der Mittelgebirge sind auch Orkanböen möglich, zwischen 110 und 130 km/h – vielleicht auch mehr. In diesen Regionen seien laut Siebert-Sperl auch Sturmschäden denkbar. An der Küste, etwa zwischen Sylt und der Elbemündung, seien erhöhte Pegelstände möglich. Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor Unwettern mit Orkanböen (110 bis 140 km/h) aus West an der Küste; im Binnenland seien schweren Sturmböen orkanartige Böen (90 bis 110 km) zu erwarten.

Am Freitagvormittag beruhige sich die Lage nur für wenige Stunden – am Nachmittag und Abend werde es dann bis in den Samstag hinein weiter stürmisch. „Wir müssen immer wieder mit schweren Sturmböen bis 100 km/h rechnen, auch im Flachland“, sagt Siebert-Sperl. An der See und auf den Bergen seien Orkanböen bis 120 km/h zu erwarten. Betroffen seien hier vor allem der Harz, das Hochsauerland, der Thüringer Wald und das Erzgebirge.

Begleitet werden die stürmischen Tage laut der Meteorologin von ständigem Regen und ungewöhnlich hohen Temperaturen. „Der Februar ist meteorologisch noch Winter, bis zu 14 Grad sind viel zu mild“, sagt die Expertin.

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„Schnellläufer“ drohen: Erinnerungen an Orkan Lothar

Problematisch an der Wetterlage ist nach Ansicht von Meteorologinnen und Meteorologen die Gefahr sogenannter Schnellläufer. Darunter versteht man Randtiefs, die an einem Sturm- oder Orkantief ausgebildet werden und dann rasant über die jeweiligen Regionen hinwegziehen. Vor diesen warnt auch Dominik Jung von „wetter.net“ gegenüber den „Dresdner Neueste Nachrichten“. Für Details sei es noch zu früh – aber Beispiele aus der Vergangenheit hätten gezeigt, welche Schäden diese Schnellläufer anrichten könnten.

Ein besonders prägnantes Beispiel sei Jahrhundertsturm Lothar, der im Dezember 1999 durchs Land fegte. Vor allem im Südwesten wurden ganze Wälder zerstört, viele Gebäude in Mitleidenschaft gezogen – in Europa starben 110 Menschen an den Folgen des Sturms.

Ob es tatsächlich so dramatisch kommt, ist nicht ausgemacht. Es dürfte aber zu zahlreichen Einschränkungen kommen, etwa im Straßenverkehr. Die Sturmböen hätten das Zeug, Lastwagen auf Autobahnen umkippen zu lassen, so Meteorologin Siebert-Sperl. Auch Sturmschäden an Häusern seien nicht ausgeschlossen.

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Sturm wirkt sich auf Verkehr aus: Stehen Reisen auf der Kippe?

„Auch aus Wäldern sollte man sich in den nächsten Tagen besser fernhalten“, sagt die Expertin. Herabfallende Äste seien eine Gefahr.

Großbritannien, Nordfrankreich, die Benelux-Staaten und Dänemark seien ebenfalls vom Sturm betroffen. Wer am Wochenende eine Reise plane, müsse sich auf Ausfälle im Flugverkehr einstellen. „Das Problem ist, dass die Stürme sehr schnell durchs Land ziehen – zwischendurch gibt es aber auch wieder Pausen. Da können auch Flugzeuge starten. Es ist sicherlich ratsam, die Fluggesellschaft zu kontaktieren, ob der jeweilige Flug geplant stattfindet“, rät die Wetterexpertin.

Deutlich problematischer allerdings dürfte die Lage im Bahnverkehr werden. Ob es tatsächlich zu Ausfällen kommt, ist derzeit noch nicht klar. „Die Deutsche Bahn beobachtet die aktuelle Wetterentwicklung und bereitet sich auf diese vor“, erklärt ein Sprecher der Deutschen Bahn auf RND-Anfrage. „Mitarbeitende und Einsatzfahrzeuge werden in Bereitschaft versetzt, um eventuelle Sturmschäden schnell beseitigen zu können.“

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