Vier Menschen in Potsdamer Wohnheim getötet: Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre Haft

Vor dem Landgericht Potsdam ist eine 52-jährige Pflegekraft (rechts) wegen Mordes und versuchten Mordes angeklagt.

Vor dem Landgericht Potsdam ist eine 52-jährige Pflegekraft (rechts) wegen Mordes und versuchten Mordes angeklagt.

Potsdam. Gewaltfantasien und Suizidgedanken – ihr Leben lang: Im Prozess um die Tötung von vier Bewohnern eines Potsdamer Wohnheims für Menschen mit Behinderung stand am Donnerstag die Psyche der Angeklagten im Mittelpunkt. „Die Tat steht im Zusammenhang mit ihrer psychischen Störung“, sagte die Gerichtspsychiaterin Cornelia Mikolaiczyk im Landgericht Potsdam am Donnerstag.

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Aus Sicht der Gutachterin hatte die Angeklagte die Tat im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit begangen. „Die Steuerungsfähigkeit war erheblich heruntergefahren – aber nicht aufgehoben.“ Anders als bei einer Schuldunfähigkeit, bei der der Täter nicht bestraft werden kann, kann die Strafe hier nur milder ausfallen. Die Einschätzung der Gutachterin ist für das Urteil daher wichtig.

Angeklagter wird Mord und versuchter Mord vorgeworfen

Die ehemalige Pflegekraft, die viele Jahre in der diakonischen Einrichtung Oberlinhaus in Potsdam-Babelsberg arbeitete, ist wegen Mordes und versuchten Mordes angeklagt. Sie soll im April vier wehrlose Bewohner im Alter zwischen 31 und 56 Jahren mit einem Messer auf ihren Zimmern getötet haben. Eine 43 Jahre alte Bewohnerin überlebte nach einer Notoperation.

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Nach Angaben der Gutachterin soll die 52-jährige Deutsche schon zuvor eine Bewohnerin habe töten wollen. Die Psychiaterin hatte mehrmals in der psychiatrischen Klinik, in der die Angeklagte nach ihrer Festnahme untergebracht worden ist, mit ihr gesprochen. Die 52-Jährige habe mitgeteilt, dass sie eine Woche vor der Tat im April eine Bewohnerin mit Medikamenten habe vergiften wollen. Sie habe schon mehrfach Gewaltfantasien gegenüber anderen Menschen gehabt; so habe sie bereits 2012 während eines Klinikaufenthalts angegeben, sie habe davon geträumt, Bewohner der Einrichtung umzubringen. Davon sollen sie damals Medikamente abgehalten haben. Auch gegenüber ihrem Sohn und ihrer Mutter habe sie Gewaltfantasien gehabt.

Gutachterin: Angeklagte sei selbstmordgefährdet

Die Angeklagte habe zunächst keine Reue gezeigt, habe sich auch auf Anraten ihres Anwalts nicht für die Tat entschuldigen wollen, so die Gutachterin. Zwischendurch habe sie ihr gegenüber einmal gesagt, dass es ihr leid tue. Während ihres Klinikaufenthalts soll sie sich selbst verletzt haben. Auch habe sie Pflegepersonal angegriffen. Die Gutachterin sagte, die Angeklagte sei stark selbstmordgefährdet.

Die 52-Jährige soll gesagt haben, dass sie sich während der Tat wie in einem „Vakuum“ befunden habe; „ein leerer Raum. Wie in einem Luftballon. Nichts mehr gesehen, nichts mehr gehört“, schilderte die Gutachterin die Worte der Angeklagten. Sie habe die Tat nicht geplant. Die 52-Jährige hat sich im Prozess bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Auslöser dafür, dass sie mit einem Messer auf die Bewohner losgegangen sei, sei das Lachen eines Bewohners gewesen, nachdem sie versucht habe, ihn zu erwürgen und ihr dies nicht gelang. Laut der Gutachterin habe die Angeklagte gesagt, er habe „die Frechheit besessen, noch zu leben“.

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Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre Haft

Die Staatsanwaltschaft hat für die angeklagte ehemalige Pflegekraft 15 Jahre Haft gefordert. Die 52-Jährige habe sich des vierfachen Mordes und Mordversuchs schuldig gemacht, erklärte Staatsanwältin Maria Stiller am Freitag in ihrem Plädoyer. Zudem forderte sie die Unterbringung der 52-Jährigen in einer psychiatrischen Klinik.

Die hat Verteidigung die Unterbringung der Angeklagten in der Psychiatrie gefordert. Seine Mandantin sei von einem „inneren Monster“ beherrscht, was zu einem tödlichen Gewaltausbruch geführt habe, erklärte Verteidiger Henry Timm am Freitag in seinem Plädoyer vor der 1. Strafkammer des Potsdamer Landgerichts. Einen konkreten Strafantrag stellte er nicht. Aus seiner Sicht sei die 52-Jährige aber schuldunfähig, betonte Timm.

RND/dpa

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