25 Jahre Mitternachtsbus: Ein Lichtblick in der kalten Stadt

Obdachlose Menschen warten in der Innenstadt vor dem Mitternachtsbus auf die Essensausgabe. Rund 2000 Menschen schlafen in Hamburg auf der Straße, auch im Winter. Der Mitternachtsbus bringt seit 1996 Hilfe vor Ort. Neben Kaffee, Tee und Brötchen sorgt er auch für menschliche Wärme.

Obdachlose Menschen warten in der Innenstadt vor dem Mitternachtsbus auf die Essensausgabe. Rund 2000 Menschen schlafen in Hamburg auf der Straße, auch im Winter. Der Mitternachtsbus bringt seit 1996 Hilfe vor Ort. Neben Kaffee, Tee und Brötchen sorgt er auch für menschliche Wärme.

Hamburg. Es ist kalt und dunkel draußen. Nur die Schaufenster der Geschäfte leuchten hell, in einigen funkelt schon Weihnachtsdekoration. Der Mitternachtsbus wird bereits sehnsüchtig erwartet: Rund 20 Menschen stehen in einer Schlange, als der Bus an einer Bushaltestelle in der Hamburger Innenstadt hält. Einige obdachlose Menschen haben ihre Habseligkeiten dabei – einer sogar ein Fahrrad.

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Schnell stellen die beiden ehrenamtlichen Helferinnen Berit und Anne zwei Klapptische und gelbe Hütchen für den Abstand auf, dann kann es losgehen: „Hallo, herzlich willkommen! Wer möchte zuerst?“, fragt Berit freundlich und nimmt die erste Bestellung entgegen. „Ich hätte gerne ein Brötchen mit Wurst!“, kommt die Antwort.

 Der obdachlose Peter sitzt nach der Essensausgabe des Mitternachtsbusses an seinem Schlafplatz in der Innenstadt.

Der obdachlose Peter sitzt nach der Essensausgabe des Mitternachtsbusses an seinem Schlafplatz in der Innenstadt.

Ein Bus für Wärme - und menschlichen Kontakt

Seit 25 Jahren fährt der Mitternachtsbus der Diakonie durch die Hamburger Innenstadt. Jeden Abend von 20 bis 24 Uhr besucht ein Team von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern die obdachlosen Menschen dort, wo sie leben: in Fußgängerzonen, unter Brücken und an Kirchen. An Bord haben sie Kaffee, Tee, Kakao, Brötchen, Kuchen, Decken und Schlafsäcke - aber vor allem menschliche Wärme. „Neben der Grundversorgung geht es vor allem um den Kontakt und die Zuwendung zu den Menschen, die in der Öffentlichkeit leben, mit denen aber kaum jemand spricht“, sagt Projektleiterin Sonja Norgall. Bis zu 160 obdachlose Menschen können die Helfer so bei jeder Tour erreichen.

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Einer von ihnen ist Peter, 51. Er trägt einen schwarzen Trainingsanzug, Kapuzenpulli und eine gestreifte Mütze. Auf seinen Händen sind die Worte „HASS“ und „LOVE“ tätowiert. „Es sollte ein bisschen mehr Liebe geben“, meint der Mann, der einst als Elektroinstallateur gearbeitet hat und den eine Psychose aus dem „normalen“ Leben gerissen hat. Seit Juli schläft er nun auf einer Isomatte in einem Hauseingang. Neben Getränken und selbst gedrehten Zigaretten liegen auch eine Bibel und Bücher neben seinem Schlafsack. Zum Mitternachtsbus kommt er regelmäßig. „Ich bin dankbar dafür, dass es dieses Angebot gibt. Die Leute sind sehr nett“, sagt er.

Damit keine Menschen in einer reichen Stadt erfrieren

Gegründet wurde der Mitternachtsbus, der zu 100 Prozent aus Spenden finanziert wird, vom damaligen Landespastor Stephan Reimers. „Anfang der 1990er waren viele Obdachlose in der Stadt. Die große Wohnungsnot war auch eine Folge der Wende“, erinnert sich Reimers im Interview auf der Homepage. Er und ein Team aus Ehrenamtlichen rund um das Spendenparlament wollten den Obdachlosen helfen und gründeten das Straßenmagazin „Hinz&Kunzt“, die „Rathauspassage“ und den „Mitternachtsbus“. „Die Idee zum Mitternachtsbus hatte ich aus einem Zeitungsartikel. In dem wurde über einen Bus in Frankfurt berichtet, der nachts unterwegs zu den Obdachlosen war, um sie zu versorgen. Diese Idee brachte ich nach Hamburg mit“, sagt Reimers.

Bereits seit 20 Jahren ist die Hamburgerin Anne dabei. „Es hat mich getroffen, dass in einer so reichen Stadt Menschen auf der Straße erfrieren“, erzählt die 69-Jährige. Da habe sie helfen wollen. Die ehemalige Berufsschullehrerin ist eine von rund 130 Ehrenamtlichen, die sich einmal im Monat in einem festen Team um den Mitternachtsbus und seine Gäste kümmern. Ihre Kollegin Berit, die tagsüber in einem großen Energiekonzern in der Marketingabteilung arbeitet, freut sich vor allem über die Reaktionen der Menschen, die ihr bei den Touren begegnen. „Da kommt so viel zurück! Ich bin sehr dankbar, dass ich hier helfen kann“, sagt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern.

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RND/dpa

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