Spiele sollen Chinas Image aufpolieren

Paralympics in Peking sind eröffnet: alles fürs Prestige

Das chinesische Team bei der Eröffnungsfeier der Paralympics.

Peking. Die Paralympischen Winterspiele haben offiziell begonnen. Um 21.02 Uhr Ortszeit erklärte Chinas Staatspräsident Xi Jinping die Spiele am Freitag im Olympiastadion für eröffnet. Bei der vermeintlichen Behindertensportnation China klafft zwischen Wunsch und Wirklichkeit indes eine große Lücke.

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Bei Paralympischen Spielen schneidet China gemessen an seinem ökonomischen Entwicklungsniveau auffallend stark ab. Dahinter steckt eine Strategie, deren Früchte nun erstmals auch bei Winterspielen sichtbar werden dürften. Mit Inklusion ist dies allerdings nicht zu verwechseln.

„Wir wissen, dass über die letzten Jahre 300.000 Anlagen barrierefrei geworden sind“, sagte Andrew Parsons jüngst gegenüber chinesischen Medien. Der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) wirkte euphorisch: „Was die Paralympics angeht, haben die Spiele von Peking 2008 die Art und Weise geändert, wie Sommerspiele aufgezogen werden.“ Als Chinas Hauptstadt Peking vor 14 Jahren erstmals Sommerspiele veranstaltete, seien die Paralympics größer, professioneller und spektakulärer als je zuvor geworden.

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Behindertensport: China ist ein untypischer Fall

Einen entsprechenden Sprung erwartet IPC-Präsident Parsons nun auch für die Winterausgabe der weltweit größten Behindertensportveranstaltung. Und das Ganze dürfte mit entsprechenden Medaillengewinnen für das Gastgeberland einhergehen. Schließlich sind in Vorbereitung auf diese Spiele nicht nur Straßen, Busse, U-Bahnen, Gebäude und Websites zugänglich für Personen mit diversen Behinderungen geworden. Es wurde auch kräftig in den Behindertensport investiert. So wird China wohl ähnlich wie bei den Olympischen Spielen nun auch bei den Paralympics historische Erfolge einfahren.

Prinzipiell ist das zwar nicht besonders schwer. Doch das bevölkerungsreichste Land der Welt hat bei Paralympischen Winterspielen erst eine Medaille gewonnen. Bei den Spielen vor vier Jahren in Pyeongchang holte das Rollstuhlcurlingteam überraschend Gold. Aber an dieser bisherigen Bestmarke wird sich die Gastgeberdelegation ohnehin kaum messen. Eher wird man sich am Abschneiden bei Sommerspielen orientieren. Und da ist China seit 2004 in Athen eine Weltmacht: Bei den vergangenen fünf Sommerspielen hat China jeweils die Medaillenwertung gewonnen.

Ein Blick auf jene Staaten der Welt, deren Athletinnen und Athleten am häufigsten gewinnen, macht deutlich: China ist ein untypischer Fall. Fast ausschließlich sind es ansonsten wohlhabende Industriestaaten, die bei den materialintensiven Paralympics erfolgreich sind.

„Olympic Glory Plan“

Demnach zeichnen sich die stärksten Behindertensportnationen durch einen gut ausgebildeten Wohlfahrtsstaat aus, in dem Menschen mit Behinderung nicht nur relativ guten Zugang zu Sportanlagen haben, sondern vermehrt auch Krankenkassen, Vereine und Arbeitgeber die Ausrüstung und das Training finanzieren. China dagegen verfügt über die mit Abstand größte Bevölkerung dieser Länder, ist allerdings bis heute auch das mit Abstand ärmste Land pro Kopf. Warum ist es seit knapp 20 Jahren trotzdem so stark bei Paralympischen Spielen?

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Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping im Olympiastadion.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping im Olympiastadion.

Eine wichtige Erklärung liegt im sogenannten „Olympic Glory Plan“ der nationalen Sportkommission aus dem Jahre 1995. In Anbetracht der damals noch deutlich knapperen finanziellen Mittel suchte die Regierung nach Wegen, um das internationale Prestige Chinas mit sportlichen Erfolgen zu befördern.

Dabei sind die Erfolge im Behindertensport bis heute nicht mit Gleichstellung im Alltagsleben zu verwechseln. Im Jahr 2020 berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch davon, dass allein in der Provinz Heibei rund 100.000 Personen mit einer Behinderung in Käfigen gehalten werden. Die Paralympischen Spiele sollen nun helfen, in Behinderungen nicht nur Schlechtes zu sehen. Chinesische Siege – mit denen auch Parasportler wie geplant Chinas Prestige in der Welt einen Sprung verpassen sollen – wären hierbei wohl besonders nützlich.

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