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200 Familien aus USA warten

Krieg in der Ukraine bremst Adoptionen aus dem Ausland aus

Ein aus der Ukraine geflüchtetes Kind in Polen

Die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine haben für viele Familien verheerende Folgen – darunter auch solche, die sich um die Adoption eines Kinds aus der Ukraine bemühen. Denn alle internationalen Adoptionsprozesse wurden von Kiew zwischenzeitlich ausgesetzt, zu groß ist das Chaos in Gerichten und bei Sozialdiensten. Zudem sind viele Kinder, auch Waisen, geflohen oder in andere Landesteile vertrieben worden.

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In der Vergangenheit war die Ukraine einer der engsten Partner der USA, was Adoptionen aus dem Ausland betrifft. Doch der Krieg änderte das. Zu Kriegsbeginn bemühten sich US-Familien um mehr als 300 ukrainische Kinder, die früher bereits einmal als Gast in ihrem Zuhause gelebt haben, wie Ryan Hanlon, Präsident des Nationalen Adoptionsrats, sagt. Vertreter von Adoptionsagenturen sagen, das bedeute, dass sich mindestens 200 Familien in einem Adoptionsprozess befänden, der schon unter idealen Bedingungen zwei bis drei Jahre dauert.

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Doch seien weder Zeit noch Umstände momentan für Adoptionen durch US-Bürger geeignet, erklärte der Rat. Denn dafür müssten rechtliche Fragen und der Familienstatus der Kinder geklärt werden, und das sei momentan vielfach nicht möglich.

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„Für uns ist es hart, aber nichts im Vergleich zu dem, was er erlebt“

Jessica Pflumm aus Kansas City ist eine der Betroffenen. Sie hat zwei eigene Töchter und möchte Maks adoptieren, einen jungen Teenager, der im Dezember und Januar vier Wochen in der Familie lebte. Jetzt ist er zurück in der Ukraine. Die Direktion seines Waisenhauses hat ihn in den Westen des Landes gebracht, wo es vergleichsweise sicher ist. „Für uns ist es hart, aber nichts im Vergleich zu dem, was er erlebt“, sagt Pflumm.

Kriege, Naturkatastrophen und andere destabilisierende Ereignisse waren auch in der Vergangenheit ein Hindernis für zwischenstaatliche Adoptionen, wie Ratspräsident Hanlon sagt. Die Zahl internationaler Adoptionen sei in den vergangenen Jahren zurückgegangen, jene aus der Ukraine aber relativ stabil geblieben. Im Fiskaljahr 2020 habe in den USA die Ukraine China als das Land mit den meisten Adoptionen abgelöst; sie hätten mehr als zehn Prozent ausgemacht. Europaweit zählt die Ukraine zu den Ländern mit den höchsten Raten von Kindern, die in Waisenhäusern leben. Russland hatte Adoptionen von Kindern durch US-Familien 2013 verboten.

Viele der Adoptionspläne entstünden, wenn US-Familien ältere ukrainische Kinder über ein Netz von Waisenprogrammen zeitweise bei sich aufnähmen, sagt Hanlon. „Es ist eine ganz andere Erfahrung, wenn man schon mit einem bestimmten Kind verbunden ist.“

Kommunikation über Google Translate

Pflumm sagt, zwischen ihrer Familie und Maks gebe es eine Sprachbarriere, denn er spreche nur Russisch. Sie kommunizierten deshalb über das Smartphone und Google Translate. Manchmal helfe ein Freund aus Belarus beim Dolmetschen. Doch trotz der Kommunikationsschwierigkeiten sei Maks ihrer Familie ans Herz gewachsen. In Kansas hätten sie gemeinsam Weihnachten gefeiert, und auch Sport sei ein Thema, das alle interessiere. Maks habe in Kansas das Baseball-Spielen kennengelernt.

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Dieser Tage höre Maks jede Nacht die Sirenen des Luftalarms und könne oft nicht schlafen, sagt Pflumm. „Er hat eine Familie verdient, und Chancen in Aussicht zu haben.“ Sie habe das Gefühl, dass die betroffenen Kinder die Verlierer der Weltlage seien.

In einem ländlichen Gebiet im Staat Maine nahmen Tracy Blake-Bell und ihre Familie über ein Gastprogramm 2020 einen Monat lang zwei ukrainische Brüder bei sich auf. Dann leitete die Familie den formellen Adoptionsprozess ein, der zunächst von der Corona-Pandemie und jetzt vom Krieg ausgebremst wurde. Die in Waisenhäusern aufgewachsenen Brüder seien nun in einer polnischen Einrichtung relativ sicher, sagen die Blake-Bells. Aber die Familie mit zwei Söhnen im Teenager-Alter und einem Hund hätte die Jungen gerne bei sich. „Mein Mann und ich lieben diese zwei Kinder“, sagt Tracy Blake-Bell.

Ukraine bremst aus

Doch die meisten Familien müssen sich auf weiteres Warten einstellen. US-Außenamtssprecherin Vanessa Smith sagt, das Ministerium bemühe sich bei der ukrainischen Regierung darum, laufende, weit fortgeschrittene Fälle zu lösen. Die ukrainische Regierung erklärte aber im März, unter den gegenwärtigen Umständen seien zwischenstaatliche Adoptionen unmöglich.

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Die Blake-Bells zählen zu etwa 15 Familien, die nur noch auf den letzten Schritt warten, die Freigabe durch ein ukrainisches Gericht. Und sie sagen, sie gäben nicht auf, egal, wie lange es dauere. Die Kinder müssten mehr erleben als ein Waisenhaus, sagt Nat, Tracy Blake-Bells Mann.

RND/AP

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