Bis zu 41 Grad erwartet

Rekordtemperaturen in England: „Diese Hitze ist brutal“

Ein Polizeibeamter gibt einem britischen Soldaten, der eine traditionelle Bärenfellmütze trägt, während seines Wachdienstes vor dem Buckingham Palast in London Wasser.

Ein Polizeibeamter gibt einem britischen Soldaten, der eine traditionelle Bärenfellmütze trägt, während seines Wachdienstes vor dem Buckingham Palast in London Wasser.

London. Seit einigen Wochen verändert sich das Antlitz Londons. Wo einst grüne, saftige Rasenflächen der Stadt Frische verliehen, sind die Wiesen in den zahlreichen Parks nun vertrocknet und gelb. Dafür verantwortlich ist eine Hitzewelle, die die Metropole und weite Teile Englands schon seit Juni im Griff hat und sich jetzt drastisch zuspitzt. Großbritannien hat zum ersten Mal in der Geschichte die höchste Wetterwarnstufe ausgerufen. Damit besteht aufgrund der hohen Temperaturen Lebensgefahr. Am Dienstag werden bis zu 41 Grad erwartet. Das Problem: Das Vereinigte Königreich ist auf solche Wetterverhältnisse, anders als mediterrane Länder, in vielfacher Hinsicht nicht vorbereitet.

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Als sich Paul Davies, Chef des nationalen britischen Wetterdienstes „Met Office“, am Montag zur Situation äußert, wirkt er ernsthaft besorgt. „Ich bin seit 30 Jahren Meteorologe, aber solche Vorhersagen habe ich hierzulande noch nie gesehen.“ Vor allem der Dienstag bereite ihm große Sorgen. „Es ist erstaunlich, wie brutal diese Hitze ist.“ Und: Das Land müsse sich darauf einstellen, dass solche Temperaturen in Zukunft im Sommer die neue Normalität auf der sonst grünen Insel werden.

Hitzewelle hat Teile Europas fest im Griff

In Großbritannien und Frankreich wurden am Montag nach Einschätzungen der Wetterdienste noch nie gemessene Rekordtemperaturen erwartet.

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Auch der Bahn bereitet die Hitze Probleme

Während sich Länder im Süden Europas an Temperaturen über 40 Grad angepasst haben, ist dies im Vereinigten Königreich längst nicht der Fall, erklärt der britische Wissenschaftsjournalist Thomas Moore. Nur die Hälfte der verkehrsrelevanten Straßen bestünden aus hitzebeständigem Material. Die Folge: Sie können schmelzen. Außerdem wurden „zwischen 2016 und 2021 rund 570.000 Häuser gebaut, die für die hohen Temperaturen, die uns in Zukunft erwarten, völlig ungeeignet sind.“

Und auch die bei der Bahn ist man schlecht auf die extremen Wetterbedingungen vorbereitet, wie Gary Walsh vom Schienennetzbetreiber „Network Rail“ einräumt. Um der Gefahr von Gleisverwerfungen, also Verformungen in Folge der Hitze, vorzubeugen, wurden in den letzten Tagen Notfallmaßnahmen ergriffen. Arbeiter strichen Gleise weiß, um die Temperatur zu senken. Manche Züge fahren seltener, andere langsamer. Die Bewohner wurden dazu aufgerufen, auf Reisen zu verzichten, mit massiven Folgen für die Wirtschaft.

Faktencheck: Anzahl von Hitzetagen hat sich fast verdoppelt

Ein gängiges Argument von Klimawandelleugnern lautet: Früher war es auch heiß. Dabei beachten sie oft nicht, dass die Anzahl von Hitzetagen größer wird.

Noch größere Sorgen bereitet Experten im Vereinigten Königreich jedoch die Gesundheit der Menschen angesichts der Hitze. Experten fordern Britinnen und Briten in England dazu auf, „so wenig wie möglich zu tun“ und am besten von Zuhause aus zu arbeiten. Die britische Sanitäterin Tracy Nicholls warnt die für die Folgen von Hitze wenig sensibilisierten Inselbewohnerinnen und -bewohner: „Diese Temperaturen sind für jeden gefährlich“, auch für junge Menschen. „Sie können tödlich sein.“

In London wird das Wasser knapp

Dramatisch ist die Lage in Großbritannien auch deshalb, weil man im Fall von gesundheitlichen Problemen, beispielsweise durch einen Hitzschlag, nicht unbedingt schnell genug Hilfe erhält. Denn durch die Überlastung des staatlichen Gesundheitssystems NHS, unter anderem in Folge der Pandemie und der erneuten Covid-Welle, benötigen Krankenwagen auf der Insel aktuell oft deutlich länger als die vorgesehenen 15 Minuten, um zu einem Patienten oder einer Patientin in Not zu gelangen.

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Bedenklich ist überdies, dass der Hauptstadt angesichts der anhaltenden Trockenheit nach und nach das Wasser ausgeht. „Wir hatten nicht den Winterregen, den wir benötigen“, erklärt Andrew Tucker vom Wasserversorgungsunternehmen „Thames Water“. Er fordert Londoner deshalb dazu auf, „hydratisiert zu bleiben“ und auf „ihre Gesundheit zu achten“, jedoch kein Wasser zu verschwenden. Meteorologinnen und Meteorologen gehen davon aus, dass die Temperaturen am Mittwoch fallen und es in London und anderen Teilen Englands regnen könnte. Den Menschen würde es guttun – und dem Rasen auch.

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