59 Angeklagte

Prozess um Brücken-Einsturz in Genua startet fast vier Jahre nach dem Unglück

Fahrzeuge der Rettungskräfte stehen 2018 vor der teilweise eingestürzten Autobahnbrücke.

Fahrzeuge der Rettungskräfte stehen 2018 vor der teilweise eingestürzten Autobahnbrücke.

Genua. Fast vier Jahre nach dem tödlichen Einsturz der Autobahnbrücke „Ponte Morandi“ in Genua hat vor dem Gericht in der norditalienischen Stadt der Prozess begonnen. Die erste Verhandlung wurde am Donnerstagvormittag eröffnet, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

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59 Menschen müssen sich für das Unglück vom 14. August 2018 mit 43 Toten verantworten. Die Anklage will mehr als 170 Zeugen hören. Außerdem sind weit über 300 Zivilkläger zugelassen und weitere könnten noch folgen. Ein Problem bei der Suche nach den Verantwortlichen des Unglücks dürfte die lange Prozessdauer sein.

Nach fast vier Jahren Warten haben wir große Erwartungen.

Sprecherin des Opferverbandes, Egle Possetti

„Nach fast vier Jahren Warten haben wir große Erwartungen“, sagte die Sprecherin des Opferverbandes, Egle Possetti. „Wir haben die Erwartung, dass dieser Prozess Gerechtigkeit bringt, dass er Klarheit über die Gründe und Verantwortlichkeit schafft, die zur Tötung unserer Angehörigen geführt haben, denn ansonsten wird der Tod unserer Lieben unnütz sein, und sie werden nicht in Frieden ruhen können“, erklärte sie weiter.

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Erste Urteile womöglich erst in zwei Jahren

Beobachter gehen davon aus, dass erste Urteile womöglich erst in zwei Jahren feststehen. Angeklagt sind unter anderem Fachleute und ehemalige Führungskräfte der Firma, die für die Wartungsarbeiten zuständig war, sowie Ex-Mitarbeiter des Infrastruktur-Ministeriums und Behörden-Funktionäre. Ihnen werden etwa mehrfache fahrlässige Tötung, Amtsmissbrauch und Unterlassung vorgeworfen. Zwei Unternehmen, die Wartungsfirma und der Autobahnbetreiber, konnten vor dem Prozess eine Zahlung von rund 30 Millionen Euro aushandeln und sitzen deshalb nicht auf der Anklagebank.

Nach dem Einsturz 2018 wurden Hunderte Menschen, die unter der Brücke wohnten obdachlos. Als Grund für den Zusammenbruch werden Schäden vermutet, die wegen ausgebliebener oder mangelhafter Wartungsarbeiten nicht entdeckt wurden. An der Stelle wurde später eine neue Brücke über den Bach Polcevera gebaut, die im August 2020 unter dem Namen San-Giorgio-Brücke eingeweiht wurde.

RND/dpa

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