BKA informiert über Entwicklung

Drogenhandel in Deutschland nimmt zu – Zahl der Drogentoten steigt deutlich

Sichergestelltes Kokain wurde bei der Pressekonferenz des Bundeskriminalamtes (BKA) zur Rauschgiftkriminalität gezeigt.

Sichergestelltes Kokain wurde bei der Pressekonferenz des Bundeskriminalamtes (BKA) zur Rauschgiftkriminalität gezeigt.

Wiesbaden. Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) ist die Zahl der Menschen, die an Rauschgiftmissbrauch gestorben sind, im vergangenen Jahr auf 1826 Tote um rund 15,5 Prozent gestiegen. Auch der Handel mit Rauschgift sowie die Verfügbarkeit von Betäubungsmitteln habe in Deutschland leicht zugenommen. Insgesamt ging die Zahl der Rauschgiftdelikte – also auch der Besitz und Erwerb – nach Angaben der Ermittler leicht um etwas mehr als ein Prozent auf insgesamt rund 361.000 zurück. Rund 56.000 davon waren Handelsdelikte, was einer Zunahme um 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

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Die Zahl der Tatverdächtigen im Zusammenhang mit der Rauschgiftkriminalität belief sich im vergangenen Jahr auf etwa 281.000, rund 48.000 Verdächtige wegen des Handels. „Der Handel mit Drogen in Deutschland und gerade die Großzufuhren stellen ein Problem dar“, sagte Martina Link, Vizepräsidentin des BKA bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wiesbaden.

Martina Link, Vizepräsidentin des Bundeskriminalamtes (BKA).

Martina Link, Vizepräsidentin des Bundeskriminalamtes (BKA).

Zwei große Funde im Hamburger Hafen

In den vergangenen Monaten konnten Polizei und Zoll zwei große Ermittlungserfolge im Kampf gegen die Rauschgiftkriminalität erzielen: In einem Schiffscontainer im Hamburger Hafen wurden 700 Kilogramm Heroin gefunden. Dabei soll es sich um die größte jemals in Deutschland sichergestellte Menge dieser Droge gehandelt haben. Fünf Personen wurden festgenommen, darunter auch die Organisatoren.

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Ebenfalls im Hamburger Hafen wurden bei einem anderen Fall zudem 2,3 Tonnen Kokain sichergestellt. Ein mutmaßlicher Organisator festgenommen. „In beiden Verfahren waren aufwendige Ermittlungen erforderlich“, sagte Link und verwies auf Ermittlungen in mehreren Staaten. Die beiden Funde würden zeigen, „in welchen Dimensionen Rauschgift in Deutschland gehandelt wird“, führte Link aus. Den gemeinsamen Wert der Drogen schätzte das BKA auf 80 Millionen Euro im Großhandel. Der Straßenwert liege noch einmal deutlich darüber bei etwa 500 Millionen Euro.

BKA-Vizepräsidentin: Illegaler Handel mit Cannabis wird auch weiter unter Strafe stehen

Insgesamt wurden die meisten Drogendelikte im Zusammenhang mit Cannabis festgestellt (60 Prozent). Weit dahinter folgen Delikte mit Amphetaminen (zehn Prozent), Kokain (sechs Prozent) sowie Heroin und Crystal Meth (beide drei Prozent). Wegen der geplanten Cannabislegalisierung betonte BKA-Vizepräsidentin Link, dass der „illegale Handel mit Cannabis auch weiter unter Strafe stehen“ wird. Cannabis sei ein vergleichsweise günstiges Produkt, aber wegen der hohen Absatzmenge würden Kriminelle in Deutschland jährlich eine dreistellige Millionensumme damit verdienen.

Der Großteil des durch die Polizei und den Zoll sichergestellten Rauschgifts sei über den Land- und über den Seeweg nach Deutschland geschmuggelt worden. Der Trend, dass sich der Drogenhandel ins Internet bzw. Darknet als Vertriebsweg verlagert, bestätigte sich im vergangenen Jahr weiter. Ein Grund dafür sei die Pandemie gewesen, aber auch Vorteile für Händler. „Die Anonymisierung macht das Darknet für Händler attraktiv. Für Ermittler ist ein großer Aufwand“, sagte Link. Sie sprach sich für die Vorratsdatenspeicherung aus.

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Burkhard Blienert, Sucht- und Drogenbeauftragter der Bundesregierung.

Burkhard Blienert, Sucht- und Drogenbeauftragter der Bundesregierung.

Drogenbeauftragter: „Nachhaltige und flächendeckende Drogenprävention erforderlich“

Der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Burkhard Blienert, berichtete bei der Pressekonferenz außerdem über den geplanten neuen Ansatz in der Sucht- und Drogenpolitik. Dabei sollen der Schutz und die Hilfe im Vordergrund stehen. Blienert sprach von einem „Paradigmenwechsel“ in der Suchtpolitik. „Wir haben noch eine Menge Arbeit im Bereich der Drogenkriminalität vor uns“, sagte er, denn es herrsche in Deutschland eine hohe Rauschgiftnachfrage.

Das Angebot müsse durch die Bekämpfung der organisierten Kriminalität gesenkt werden. Um die Nachfrage zu reduzieren sei eine „nachhaltige und flächendeckende Drogenprävention erforderlich“.

RND/nis mit dpa

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