Nach Absturz einer Maschine in China

Die letzten Boeing-737-Abstürze und was über sie bekannt ist

Ein Wrackteil des China-Eastern-Fluges MU5735 – die Boeing 737-800NG der Fluggesellschaft China Eastern Airlines fiel aus mehr als 8800 Metern in die Tiefe.

Ein chinesisches Passagierflugzeug mit 132 Menschen an Bord ist am Montag (21. März) im Süden des Landes abgestürzt. Die vom US-Flugzeughersteller Boeing gebaute 737-800NG der Gesellschaft China Eastern sei auf dem Weg von Kunming nach Guangzhou in der südchinesischen Provinz Guangxi verunglückt, teilte die Luftfahrtbehörde mit. In dem Flugzeug mit der Flugnummer MU5735 seien 123 Passagiere und neun Besatzungsmitglieder gewesen. Hinweise auf Überlebende gibt es nicht.

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Die etwa sieben Jahre alte Maschine war plötzlich mehr als 8800 Meter in die Tiefe gestürzt. Auf einem Video war zu sehen, wie das Flugzeug kopfüber abstürzte. Die Absturzursache ist noch völlig unklar. „Selbst wenn beide Triebwerke der Boeing 737 gleichzeitig ausgefallen wären, wäre es unmöglich, mit einer derartigen Geschwindigkeit zu fallen, weil das Flugzeug noch eine Strecke gleiten könnte“, wurde ein Experte in Staatsmedien zitiert.

Kein Anzeichen für Überlebende: Rettungskräfte finden nur Trümmer und Wrackteile

Am Montag war ein chinesisches Flugzeug mit mutmaßlich 132 Personen an Bord bei einem Inlandsflug abgestürzt.

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China Eastern gehört zu den drei größten chinesischen Fluggesellschaften. Sie hat mehr als 600 Flugzeuge, darunter 109 Boeing 737-800 und weitere Maschinen des Typs in der Version 737 Max.

Die letzten 737-Abstürze: Iran schießt Passagierflugzeug ab

Die ersten Boeing 737-800 wurden 1997 ausgeliefert, es wurden mehr als 5100 Maschinen dieses Typs verkauft. China Eastern erhielt das letzte Exemplar des für Mittelstreckenflüge viel genutzten Typs 2020. Der tödlichste Absturz einer Boeing 737-800 ereignete sich im Januar 2020, als die iranische Luftabwehr versehentlich ein ukrainisches Passagierflugzeug abschoss. Alle 176 Menschen an Bord kamen ums Leben.

Technisches Problem: Zwei tödliche Abstürze der Boeing 737 Max

Die Folgeversion Boeing 737 Max wurde nach zwei Abstürzen im Oktober 2018 in Indonesien (189 Tote) und im März 2019 in Äthiopien (157 Tote) weltweit vorübergehend mit Flugverboten belegt. Boeing überholte das Konzept des Typs. Insgesamt kamen bei den beiden Unglücken 346 Menschen ums Leben. Nach dem zweiten Absturz sperrten China, die EU und andere Staaten rasch ihre Lufträume für die 737 Max. Die USA sträubten sich zunächst, gaben letztlich aber nach. Trump sprach damals von einer „sehr schwierigen Entscheidung“. China hatte erst kürzlich das Flugverbot für die Boeing 737 Max aufgehoben.

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Boeing geriet nach dem zweiten Absturz der 737 Max in Äthiopien in die Bredouille. Untersuchungsberichte zeigten, dass die Abstürze nach einem ähnlichen Muster erfolgten, bei dem eine fehlerhafte Steuerungsautomatik die Flugzeuge Richtung Boden lenkte. Besonders brisant: Boeing wollte dieses Problem eigentlich bereits nach dem ersten Unglück per Softwareupdate beheben. Es kamen immer wieder neue Details ans Licht, die den Konzern weiter in Erklärungsnot brachten. Der Rivale des europäischen Flugzeugherstellers Airbus wurde mit Vorwürfen konfrontiert, die 737 Max aus Profitgier überstürzt auf den Markt gebracht und die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Die 737 Max wurde später auch als Boeings „Pannenflieger“ bezeichnet.

Eine Boeing 737 Max.

Eine Boeing 737 Max.

Ermittlungen gegen Milliardenzahlung eingestellt

Boeing stimmte Anfang 2021 einer Milliardenzahlung zu und beendete damit die Ermittlungen des US-Justizministeriums im Zusammenhang mit den beiden tödlichen Abstürzen des Modells 737 Max. Zugleich gestand der Luftfahrtkonzern ein, die Aufsichtsbehörde FAA in die Irre geführt zu haben.

Insgesamt zahlte Boeing 2,5 Milliarden Dollar für die Einstellung der Ermittlungen. Davon sollten rund 1,77 Milliarden betroffenen Fluggesellschaften zufließen, die als Kunden von Boeing geschädigt wurden. 500 Millionen Dollar gingen an Angehörige der Absturzopfer, 235 Millionen Dollar wurden dem Konzern vom Justizministerium als Strafzahlung auferlegt.

Boeing 737-500 stürzt vor Java ins Meer

Das letzte schwerwiegende Unglück einer Boeing-Maschine ereignete sich am 9. Januar 2021 vor der Küste der indonesischen Insel Java. Eine Boeing des Typs 737-500 war auf dem Weg nach Pontianak auf Borneo ins Meer gestürzt. Trümmerteile wurden später zwischen den kleinen Inseln Laki und Lancang entdeckt. Die Einsatzkräfte arbeiteten mit Dutzenden Schiffen, Booten und Hubschraubern. Hunderte Taucher waren zwei Wochen lang im Einsatz. Alle 62 Insassen des Flugzeugs kamen ums Leben.

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Die Ermittler gaben bekannt, dass vermutlich die Schubregelung blockiert hatte, bevor die Maschine bei starkem Regen ins Meer stürzte. Beide Schubhebel hätten Anomalien aufgewiesen, hieß es im Februar 2021. Die Ursache des Absturzes war noch nicht endgültig geklärt. Ein Report war zuletzt für Anfang 2022 angekündigt worden.

Letztes großes Flugzeugunglück in China im August 2010

Chinas Luftfahrt blickte bis zu dem Absturz am Montag auf ein relativ sicheres Jahrzehnt zurück. Das letzte große Flugzeugunglück passierte im August 2010 in Yichun in der Provinz Heilongjiang in Nordostchina. Bei einer Bruchlandung eines Flugzeugs vom brasilianischen Typ Embraer der Henan Airlines kamen 44 Insassen ums Leben, 52 Menschen überlebten.

RND/nis mit dpa und AP

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