Eine vielfältige Marke

50 Jahre Nissan in Deutschland: Automodelle zwischen Sushi und Schnitzel

Der Nissan Patrol (hier das 1989er Modell) war zwischen 1981 und 2010 in Deutschland erhältlich.

Der Nissan Patrol (hier das 1989er Modell) war zwischen 1981 und 2010 in Deutschland erhältlich.

Der japanische Autobauer weiß offenbar, was die Deutschen mögen: Feurige Spezialitäten für den Genuss und Kantinen-Kost als unkomplizierte Alltagsmahlzeit. Mit diesem cleveren Mix enterte Nissan 1972 erfolgreich als dritter japanischer Hersteller nach Honda und Toyota den deutschen Automobilmarkt. Während preiswerte Volumenmodelle à la Sunny und Bluebird unter den Vertriebsnamen Datsun 1200 und 1600 die deutschen Platzhirsche Opel Ascona, Ford Taunus und VW 1600 attackierten, machten spektakuläre Rallyesiege des Sportwagens Fairlady 240Z – auch über Porsches 911 – die fernöstliche Newcomer-Marke bekannt und begehrenswert.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Rasanter als alle anderen Asiaten erzielte Nissan fünfstellige Zulassungszahlen, dazu trugen auch fortschrittliche Bestseller wie der Cherry bei. Der progressive Kompakte punktete mit Frontantrieb und legte die Basis für Nissans Aufstieg zur Nummer eins unter den japanischen Importmarken.

Auf Dauer halten konnte Nissan diese Pole Position nicht, aber aus jedem Abschwung befreite sich die Nippon-Marke mit kreativen Konzepten, darunter Crossover-Typen wie Qashqai und Juke sowie der Elektro-Pionier Nissan Leaf. Nicht zu vergessen die seit 2001 bestehende Allianz mit Renault, aber Eigenständigkeit bleibt den Japanern wichtig. So feiert Nissan Deutschland seinen 50. Geburtstag mit einem Standortwechsel – weg von Renault in Brühl, hin auf eigenes Terrain in Wesseling.

1972 startet Nissan in Deutschland mit einer Modellpalette aus den kompakten Baureihen Cherry und Sunny, der Mittelklassereihe Bluebird (hier im Bild) und luxuriösen Sechszylinder-Limousinen vom Typ 240 K-GT.

1972 startet Nissan in Deutschland mit einer Modellpalette aus den kompakten Baureihen Cherry und Sunny, der Mittelklassereihe Bluebird (hier im Bild) und luxuriösen Sechszylinder-Limousinen vom Typ 240 K-GT.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Sushi, Ramen-Suppe und Matcha-Tee, Japans gesunde Küche erfreut sich in Deutschland großer Beliebtheit, ganz besonders natürlich im „Little Tokyo“ von Düsseldorf. Dort ist seit Wirtschaftswunderzeiten die größte japanische Community in Kontinental-Europa zu Hause, und genau dort erfolgte Ende 1962 zu Wiener Schnitzel (der Importeur war Österreicher) die Presse-Präsentation der Nissan-Modelle Bluebird und Fairlady Roadster. Die Fachmedien waren begeistert ob dieser konkurrenzlos preiswerten Modelle, aber Nissan fand vorerst keine Vertriebspartner für die gefällig gezeichneten Exoten.

Zehn Jahre später erfolgte ein neuer Anlauf mit mehr Glück: Wie geplant zählte der Bluebird (in neuer Generation) zur Startaufstellung für das 123. Land, in dem Nissan eine Handelsstruktur aufbaute – mit unabhängigen Vertriebszentren in Oldenburg, Essen, Rüsselsheim und München. Ab Mai 1973 koordinierte dann die neu gegründete Nissan Motor Deutschland GmbH von Düsseldorf aus die Arbeit der vier Importeure.

Als erster Nissan knackte der Kleinwagen Cherry die prestigeträchtige Marke von 100.000 Zulassungen in Deutschland und deklassierte dabei Polo und Co. In insgesamt vier Generationen feierte der Cherry Erfolge, und bis 1986 belegte er Spitzenpositionen in der Importwertung der Zulassungsstatistik. Auch bei den Mängellisten der deutschen Prüf- und Pannendienste war der Chevy ein Musterknabe. Ein Fundament, auf das 1983 der nachfolgende Nissan Micra baute, der bis heute seine eigene Erfolgsgeschichte schreibt.

Der Nissan Micra kam erstmals 1983 auf den Markt.

Der Nissan Micra kam erstmals 1983 auf den Markt.

Auch am oberen Ende der Modellpalette gab es bei Nissan einen Shootingstar. Der Datsun 240Z gewann unter Edgar Hermann und Hans Schuller 1971 die legendäre East African Safari Rallye und machte die Marke schlagartig bekannt. Entstanden war das aufregende Sportcoupé 240Z auf Initiative des Nissan-USA-Chefs Yutaki Katayama; der schnelle Sechszylinder sollte eine erschwingliche Alternative zu europäischen Ikonen sein. 1600 Einheiten wollte Nissan ursprünglich global vom 240Z verkaufen. Über eine Viertelmillion wurden es – damals Weltrekord im Sportwagensegment. Als im Herbst 1978 mit dem 280 ZX eine neue Generation an den Start ging, hatte sich die Z-Baureihe mit insgesamt 531.601 Einheiten einen weiteren Eintrag ins Buch der Rekorde gesichert. Den Traum vom Tokyo Drift verkörperten später auch Nissan GT-R und 370Z.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Letztlich blieben es aber die braven Massenmodelle, die Nissan 1982 zwei Prozent Marktanteil in Deutschland einbrachten und den Rang des größten japanischen Importeurs, inzwischen in neuem Hauptquartier in Neuss. Zur gleichen Zeit zündete Nissan die Erfolgsgeschichte der Allradler in Deutschland. Dem Offroader Nissan Patrol gelang es sogar, sich bei Polizei und Bundeswehr durchzusetzen. Schon in den ersten 20 Jahren konnten hierzulande über 100.000 Einheiten des Patrol verkauft werden. Bald ging der Patrol nicht mehr allein auf Patrouille: Die Allradfamilie reichte vom praktischen Pick-Up (ab 1982), über den Terrano (ab 1987), den großen Pathfinder (ab 1998) bis zum X-Trail als SUV (ab 2001) und Wegbereiter für die Crossover-Modelle Murano (ab 2006), Qashqai (ab 2007) und Juke (ab 2010).

Trotzdem erlebte Nissan auch viele Tiefschläge. Auch im Gold-Jubiläumsjahr 2022 hat Nissan in Deutschland einen Rückgang zu verzeichnen, nur noch gut 18.000 Autos wurden bis Ende September verkauft. Zu Bestzeiten Anfang der 1990er waren es aus heutiger Sicht fast unglaubliche 150.000 Zulassungen in zwölf Monaten.

Doch Absatzprobleme animieren Japans ältesten Autobauer (1911 gegründet) nur, mehr Gas respektive seit 2012 Strom zu geben. Mit dem Leaf lancierte Nissan damals das erste in Großserie gebaute familientaugliche E-Auto. Heute erhält der Leaf Unterstützung durch den auffällig designten Ariya auf neuer EV-Architektur, die von den Allianzpartnern Renault, Nissan und Mitsubishi entwickelt wurde.

Der Nissan Ariya ist ein rein batterieelektrisches Modell.

Der Nissan Ariya ist ein rein batterieelektrisches Modell.

Und schon 2023 will Nissan in jeder Baureihe ein elektrifiziertes Modell anbieten, an raffinierten Konzepten fehlt es dabei nicht. So fahren die aktuellen Qashqai und X-Trail nicht als Plug-in vor, sondern mit „e-Power“, sprich rein elektrisch angetrieben – den Strom aber liefern ein Benziner und eine Pufferbatterie. Keine Langweiler sind das, stattdessen soll eine ganze Bento-Box voll automobilem Sushi soll Nissan wieder auf Kurs bringen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

RND/SP-X

Mehr aus Mobilität

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen