Rückkehr einer besonderen Figur

Die Einsamkeit des Kommissars: Ein Wiener Tatort voller Wendungen

Adele Neuhauser (Bibi Fellner) und Simon Schwarz (Inkasso Heinzi) in einer Szene des „Tatort: Alles was Recht ist“.

Endlich mal wieder eine gute Nachricht: Inkasso Heinzi (wunderbar: Simon Schwarz) ist wieder da. Der sympathisch spitzbübische Strizzi, der vor vier Jahren seinen letzten Auftritt im Wiener „Tatort“ gehabt und noch immer eine ganz besondere Beziehung zu Moritz Eisners (Harald Krassnitzer) Partnerin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) hat. Wie die entstanden ist, das wird in „Alles was Recht ist“ (Drehbuch: Karin Lomot) endlich verraten. Allerdings ist Heinzis Bewegungsfreiheit bei seinem hoffentlich nicht einmaligen Comeback arg eingeschränkt. Er sitzt nämlich wegen eines älteren Vergehens im Knast, fühlt sich dort aber bedroht und bittet seine Bibi um Hilfe.

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Er gerät bald mitten in einen Fall, den sich Ferdinand von Schirach nicht juristisch komplizierter hätte ausdenken können. Dazu schlägt der von Gerald Liegel inszenierte Film so viele Haken, nimmt so viele überraschende Wendungen, dass man als Zuschauer kaum noch mitkommt – und vielleicht sogar die Lust an diesem „Tatort“ verliert. Was schade wäre.

Freude über juristischen Sieg währt nicht lange

Doch der Reihe nach: Als Eisner und Fellner zu Beginn des Films an einen Tatort gerufen werden, ist der Fall eigentlich völlig klar. Der ex­trem pedantische und strenggläubige Stefan Weingartner (Johannes Zeiler) hat aus Eifersucht seine Frau und deren Freundin erstochen. Weingartner hat die Waffe noch in der Hand, gesteht sofort die Tat, kann sich aber an den genauen Ablauf nicht mehr erinnern. Dennoch, alle Fakten und Indizien sprechen so eindeutig gegen ihn, dass damit die Geschichte nach wenigen Minuten eigentlich schon zu Ende ist.

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Aber nur eigentlich. Monate später kommt es dann zum Prozess. Und als unsere Ermittler erfahren, dass Österreichs gerissenster Anwalt, Thomas Hafner (Julian Loidl), die Verteidigung übernommen hat, schwant ihnen nichts Gutes. Und tatsächlich: Durch einen ausgeklügelten juristischen Schachzug erwirkt Hafner in diesem eigentlich absolut eindeutigen Mordfall einen Freispruch. Zum Entsetzen auch von Weingartner, der als gläubiger Mensch seine Schuld im Gefängnis sühnen möchte. Aber die Freude des Anwalts über diesen juristischen Sieg währt nicht lange. Wenig später wird er morgens erschossen in seiner Kanzlei aufgefunden.

Nach diesem spannenden und interessanten Auftakt, der die Stärken und Schwächen unseres Rechtssystems zeigt, beginnt dann mal wieder die übliche Ermittlungsarbeit. Also Vernehmungen, Zeugenbefragungen und so weiter. Das läuft alles anfangs sehr routiniert ab, wird dann jedoch nicht nur wegen der großen Zahl von Tatverdächtigen immer komplexer und entsprechend komplizierter. Ja, schließlich sogar so kompliziert, dass selbst Fellner und Eisner Schwierigkeiten haben, den Überblick zu behalten. Und mittenmang mischt auch irgendwie immer der Inkasso-Heinzi mit, der ja in Wien Gott und die Welt kennt und einfach ein ausgebuffter Strippenzieher ist.

Klischeehaft, aber packend

Auch dieser mittlere Teil des Films ist trotz des gezeigten routinierten und bisweilen klischeehaften Ablaufs durchaus packend erzählt. Vorausgesetzt, man ist bereit, sich voll auf die Geschichte mit all ihren Irrwegen und falschen Fährten zu konzentrieren. Dazu gibt es zwischendurch als Sahnehäubchen ein wunderbares nächtliches Gespräch zwischen Eisner und Fellner über Freundschaft und über die große Einsamkeit eines Kommissars. Und es wird immer mal wieder mit netten und auch witzigen Dialogen und ironischen Kommentaren aufgewartet. Im Schlussteil geht dem bis dahin gelungenen „Tatort“ allerdings ein wenig die Puste aus.

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Aber zum Trost gibt es jetzt zu guter Letzt noch eine gute Nachricht: Wien ist nicht Köln. Während am Rhein die Kommissare Ballauf und Schenk seit Neuestem ohne Wurstbude auskommen müssen, haben Eisner und Fellner jetzt eine besonders schmucke. In Wien weiß man eben zu leben und zu sterben.

Und irgendwie mischt immer der Inkasso-Heinzi mit, der ja in Wien Gott und die Welt kennt und einfach ein ausgebuffter Strippenzieher ist.

„Tatort: Alles was Recht ist“, ARD, Sonntag, 20.15 Uhr, mit Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser

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