Sechster „Steirerkrimi“: ein Schuss ins Leben

LKA-Kommissar Sascha Bergmann (Hary Prinz) hat neue Verstärkung: Kommissarin Anni Sulmtaler (Anna Unterberger).

LKA-Kommissar Sascha Bergmann (Hary Prinz) hat neue Verstärkung: Kommissarin Anni Sulmtaler (Anna Unterberger).

Eine Geschichte, in der sich ein weiblicher Scharlatan und ein Quacksalber gegenseitig dubioser Methoden bezichtigen, kann nur eine Komödie sein. Bei Mord hört der Spaß zwar eigentlich auf, aber es ist weder pietätlos noch unmoralisch, den absurden Zwist mit allerlei trockenen Bemerkungen zu garnieren; und das tut Sascha Bergmann vom Grazer LKA denn auch mit wachsender Begeisterung. „Steirerrausch“ (16. Dezember, 20.15 Uhr, ARD), der jüngste Fall für Bergmann (Hary Prinz) und seine neue Kollegin Anni Sulmtaler (Anna Unterberger), ist trotzdem vor allem ein Krimi: Vera Lehner (Adele Neuhauser) hat einen ungewöhnlichen Kompagnon, denn wenn Menschen ihren Rat suchen, nimmt sie Kontakt zu einem „Kontrollgeist“ namens Cornelius auf. Das gefällt naturgemäß nicht jedem im Dorf, die Dame hat als vermeintliche Hexe schon Morddrohungen erhalten. Als während einer spiritistischen Sitzung ein Schuss fällt, trifft die Kugel zwar eine Kundin, aber womöglich galt sie ja dem Medium.

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Rein kriminalistisch betrachtet ist „Steirerrausch“, nach der letzten Episode („Steirertod“) nun wieder nach einem Roman von Claudia Rossbacher entstanden, nicht sonderlich aufregend. Hauptverdächtiger ist Witwer Fuchs (Christoph Krutzler), zumal sich herausstellt, dass seine Frau mit seinem Jagdgewehr erschossen worden ist. Ein Alibi hat er nicht, ein Motiv sehr wohl: Die Gattin hatte offenbar einen anderen.

Regisseur legt viel Wert auf Zwischentöne

Sehenswert ist der Film, weil Wolfgang Murnberger („Die Spätzünder“), der bislang alle Steirerkrimis inszeniert hat, viel Wert auf die Zwischentöne legt. Die Dialoge – das Drehbuch hat der Regisseur erneut gemeinsam mit seiner Frau Maria geschrieben – bieten dem ausnahmslos ausgezeichneten Ensemble mannigfaltige Gelegenheiten, um kleine Gemeinheiten auszutauschen. Den reizvollsten Zweikampf in dieser Hinsicht liefern sich das Medium und sein Gegenspieler. Vera Lehner hat einst dafür gesorgt, dass Dr. Stelzhammer (Eisi Gulp), von Bergmann bevorzugt „Dr. Seltsam“ genannt, seine Praxis schließen musste. Seither verfolgt er sie mit heiligem Eifer: Er hat zu Jesus gefunden, ist überzeugt, dass die Frau mit dunklen Kräften in Verbindung steht und will ihrem Treiben ein Ende setzen. Einen Mord würde er deshalb allerdings wohl nicht begehen.

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Das Duell zwischen dem Hobby-Exorzisten und der Geisterplauderin ist auch darstellerisch ein Genuss: Adele Neuhauser hat ihre Rolle als Wiener „Tatort“-Kommissarin mit sichtlicher Freude gegen eine völlig andere Figur getauscht; Eisi Gulp, dem Großteil des Publikums als bärbeißiger Vater des Dorfpolizisten aus den Eberhofer-Krimis bekannt, ist als Geisterjäger, der sich im Kampf gegen das Böse auf der gleichen Seite wie das Duo vom LKA wähnt, ohnehin unverwechselbar. Bereits im zweiten Film gut eingespielt sind auch Hary Prinz und Anna Unterberger. Letztere hat seit der Ermordung von Sandra Mohr die Rolle von Miriam Stein übernommen.

Annis Vorgängerin gerät nicht in Vergessenheit

Es ist ein feiner Zug der Murnbergers, dass sie Annis Vorgängerin nicht in Vergessenheit geraten lassen. Bergmann gibt sich ohnehin die Schuld an ihrem Tod, was unter anderem eine effektvoll inszenierte Vision zur Folge hat, als er anstelle des Opfers die tote Sandra sieht.

Sehr präsent ist Christoph Krutzler als gefasster Witwer, der das Ermittlerduo mit der Frage empfängt, ob es „ein Schuss ins Leben“ gewesen sei; also ein Treffer, der unmittelbar zum Tode geführt habe, wie Jagdscheinbesitzerin Anni für den Kollegen übersetzt. Da sich ein Großteil der Handlung am Abend vor Allerheiligen zuträgt, hat es sich Murnberger nicht nehmen lassen, den einen oder anderen Schabernack zu inszenieren; gern auch auf Bergmanns Kosten. Zu Beginn holt der Kommissar die Kollegin bei einem Halloween-Klassentreffen ab. Auf den ersten Blick wirkt sie wie immer – bis sie ihm ihre andere Gesichtshälfte zeigt. Alles hat eben zwei Seiten.

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„Steirerrausch“ läuft am 16. Dezember ab 20.15 Uhr in der ARD.

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